Im Doppelinterview erklären KFC-Trainer Eric van der Luer und Fischeln-Coach Josef Cherfi ihre Strategie für das Duell am Samstag.

Trainer
KFC-Trainer Eric van der Luer (r.) und Fischelns Coach Josef Cherfi waren am Dienstag zu Gast bei der WZ.

KFC-Trainer Eric van der Luer (r.) und Fischelns Coach Josef Cherfi waren am Dienstag zu Gast bei der WZ.

Bischof/Jochmann

KFC-Trainer Eric van der Luer (r.) und Fischelns Coach Josef Cherfi waren am Dienstag zu Gast bei der WZ.

Krefeld. Am Samstag um 18 Uhr steigt zum fünften Mal in der Geschichte des Krefelder Fußballs das Derby KFC Uerdingen gegen den VfR Fischeln. Die WZ bat die beiden Trainer Eric van der Luer und Josef Cherfi zum großen Doppelinterview.

Es ist für Sie beide das erste Krefelder Derby? Spüren Sie schon eine besondere Spannung?

Cherfi: Man merkt die Besonderheit in unserem Umfeld. Unsere Verantwortlichen wie Thomas Schlösser (Vorsitzender, d. Red.) tun unheimlich viel für dieses Spiel. Es tut mir für unsere Mannschaft und das Umfeld ein bisschen leid, dass wir momentan in dieser sportlich misslichen Lage sind.

Es geht für uns darum, uns am Samstag anständig zu verkaufen. Meine Zielsetzung ist es nicht, nur Schadensbegrenzung zu betreiben. Machen wir alles richtig, haben wir eine Chance.

Van der Luer: Ich selbst und viele der Spieler kennen die Vergangenheit ja nur aus Erzählungen. Ioannis Alexiou hat vor vier Monaten nicht einmal Krefeld gekannt, hat vielleicht gedacht, der KFC ist ein Handballverein. Issa Issa kommt aus Siegen, Patrick Ellguth aus Bielefeld. Es werden mehr KFC-Fans da sein als Fischelner, daher ist es für uns ein normales Heimspiel, auch wenn der VfR Heimrecht hat. Weil ich auf Überraschungen ich keine Lust habe, bereiten wir uns auf Fischeln genau so intensiv vor, wie auf Turu. Fischeln wird sicherlich mit einer besonderen Motivation spielen.

Geboren 28. Juli 1966 in Sevelen; bisherige Vereine: Union Nettetal, Linner SV, GSV Moers, SV Sevelen, SV Lintfort, TV Asberg, VfB Homberg, MSV Moers und VfB Homberg

Geboren 16. August 1965 in Maastricht; bisherige Vereine: Roda Kerkrade U17, U19, Alemannia Aachen II, Alemannia Aachen I (Co-Trainer), MVV Maastricht, Roda Kerkrade, FC Assent, SV Meerssen.

Die Voraussetzungen könnten aktuell unterschiedlicher nicht sein. Der Tabellenletzte trifft auf den -ersten. Wird es eine klare Angelegenheit?

Cherfi: Wir haben in Essen (2:3-Niederlage, d. Red.) einen Schritt nach vorne gemacht, auch wenn es nicht zählbar war. Die Gegentreffer fielen in den letzten acht Minuten. Wir haben taktisch alles umgesetzt. Doch unsere Spieler, die vor kurzem noch verletzt waren, sind noch nicht bei 100 Prozent. Vom konditionellen Stand aus kommt das KFC-Spiel zu früh. Eines ist klar: auf uns wird niemand einen Pfifferling setzen. Doch wer mich kennt, der weiß, dass ich dem KFC die Punkte nicht auf dem Tablett servieren werde. Jede Serie reißt einmal. Es wäre schön, wenn unsere Serie (zuletzt acht Niederlagen in Folge, d. Red.) ausgerechnet gegen den KFC reißt.

Van der Luer: Das Fischeln da unten steht, heißt nicht, dass sie gegen uns nicht gewinnen können. Unsere Mannschaft wird den VfR nicht unterschätzen. Eine Katze in Bedrängnis macht komische Sprünge. Ob Fischeln vier oder 24 Punkte hat, muss egal sein. Aber mein Team hat einen guten Charakter. Die Mannschaft wird Gas geben wie in den vergangenen Spielen. Wir sind auch auf schlechte Zeiten gut vorbereitet. Wir arbeiten weiter an uns, machen jeden Tag einen Schritt. Wir sind noch lange nicht bei 100 Prozent, vor allem mental. Ein Beispiel: Einige Spieler sind es nicht gewohnt, in schlechten Zeiten darauf angesprochen zu werden, was sie schlecht machen. Ich bin in dieser Hinsicht anstrengend. Körperlich können wir schon fast alles. Aber die Mannschaft kann Dinge, die ich will, schnell umsetzen. Das macht mir Mut.

An was machen Sie die aktuelle Lage fest?

Cherfi: Die personelle Situation ist ausschlaggebend. Ein Beispiel: Kevin Breuer und Stephan Maas haben zuletzt zwei Spiele gemacht. Aber nach einer Woche Mannschaftstraining ist nicht alles wieder okay. Wir werden die zweiwöchige Pause nach dem KFC-Spiel nutzen, um an der Kondition zu feilen. Unser Kader ist für den Klassenerhalt ausgelegt, aber dann dürfen wir keine zwölf Ausfälle haben, wie es in den vergangenen Wochen vorgekommen ist.

Van der Luer: Die Spieler haben die Schnauze voll von dem, was in den vergangenen Jahren passiert ist. Die vergangene Saison steckt bei einigen Spielern noch drin. Das wollen die Spieler nicht noch einmal erleben. Bei diesen Spielern hat sich im Kopf etwas geändert. Die Spieler fühlen sich wohl. Ersan Tekkan zum Beispiel hat noch nie so viel gelaufen, wenn er den Ball nicht hat, wie derzeit. Das hat auch damit zu tun, dass wir die früher vorhandene Unruhe im Verein strukturiert haben.

Ich hatte mit Präsident Lakis zu Beginn ein unheimlich ehrliches Gespräch. An der Seitenlinie, auf dem Platz und auf der Tribüne war es unheimlich unruhig. Ich habe ihn gefragt: Haben die letzten beiden Jahre Spaß gemacht?

Die Antwort war nein. Es war Ziehen an etwas, das nicht mehr lebendig war. Alles, was Lakis macht, strahlt auf die Mannschaft ab. Nach dem Gespräch hatte ich das Gefühl, er wollte nicht mehr mit mir reden. Lakis darf zum Beispiel bei mir auf der Bank sitzen.

Die Frage ist nur, ob er sich damit einen Gefallen tut. Die Offenheit hat gut getan, jetzt kennt jeder seine Rolle. Niemand hat mehr das Bedürfnis, über Sachen zu reden, die nicht gut sind für den Verein. Derzeit gibt der KFC nach außen ein sehr positives Bild ab, sind aber auch dabei noch am Anfang.

Wie ist es, für den VfR oder den KFC zu arbeiten?

Cherfi: Ich bin beim VfR sehr glücklich. Trotz der vielen Niederlagen kommt bei uns keine Unruhe auf. Zwar reden Präsident Thomas Schlösser und ich regelmäßig über die aktuelle Lage, doch wir gehen sehr sachlich an die Analyse ran. In Fischeln herrscht ein familiäres Umfeld mit professionellen Strukturen, wie sie im Amateurbereich eben möglich sind. Die Vereinsführung macht den Unterschied. Es gibt eine klare Richtung. Man weiß, wo es hingeht. Zudem haben wir einen guten Unterbau.

Van der Luer: Es wartet noch sehr viel arbeit auf uns. Denn für langfristigen Erfolg muss man einen langfristigen Plan haben und Überzeugungsarbeit leisten. Mit dem Umfeld hier ist es realistisch, in fünf Jahren in der 3. Liga zu spielen. Aber das Umfeld muss Vertrauen bekommen und mitwachsen. Und das dauert. Manchmal sind harte Ansagen nötig, um Dinge zu verändern. Auch das ist anstrengend. Aber letztlich profitieren alle davon, und das Ergebnis ist meistens angenehm.

Wie würden Sie sich als Trainer beschreiben?

Cherfi: Ich habe mich mal als demokratischen Diktator beschrieben. Ich will meine Linie durchgesetzt sehen. Auf dem Weg dahin bin ich aber durchaus gesprächsbereit. Ich weiß auch, dass ich nicht immer alles richtig mache. Bei Fußballspielen im Fernsehen achte ich immer viel auf die Taktik. Man guckt sich überall was ab. Wenn es was gibt, bin ich immer lernbereit.

Van der Luer: Ich will das jeder immer 100 Leistung bringt. Dafür muss man auch die Probleme der Spieler, privat wie beruflich, kennen und wissen, wie mit jedem umzugehen ist. Für mich ist der Mensch, der hinter dem Fußballer steckt, wichtig. Fußball ist das, was der Spieler vielleicht fünf Prozent des Tages macht. Viel gelernt habe ich in dieser Hinsicht von Christoph Daum, besonders über Offenheit. Bei mir gibt es keine Geheimnisse. Ich bin ein Trainer, der versucht, jede Entscheidung zu erklären. Das ist anstrengend, bringt aber etwas.

Leserkommentare (2)


() Registrierte Nutzer