Der Verband testet in den unteren Kreisligen das Wiedereinwechseln von Spielern.

Fussball
In der Niederrheinliga, so wie auf diesem Bild mit Akteuren des KFC Uerdingen, dürfen ausgewechselte Spieler nicht wieder eingewechselt werden. In der Kreisliga C ist dies ab sofort möglich.

In der Niederrheinliga, so wie auf diesem Bild mit Akteuren des KFC Uerdingen, dürfen ausgewechselte Spieler nicht wieder eingewechselt werden. In der Kreisliga C ist dies ab sofort möglich.

Volker Nagraszus

In der Niederrheinliga, so wie auf diesem Bild mit Akteuren des KFC Uerdingen, dürfen ausgewechselte Spieler nicht wieder eingewechselt werden. In der Kreisliga C ist dies ab sofort möglich.

Krefeld. Nach der Winterpause müssen sich die Fußballer in der Kreisliga C auf eine größere Veränderung einstellen: Der Fußballverband Niederrhein (FVN) testet dann das Wiedereinwechseln von Spielern. Dabei dürfen weiterhin, wie im Regelheft festgeschrieben, nur drei Spieler in einem Meisterschaftsspiel ausgewechselt werden. Allerdings können diese 14 Spieler untereinander mehrmals wieder ein- und ausgewechselt werden.

Diese Auswechslung kann nur in einer Spielunterbrechung vorgenommen werden. Außerdem muss der Schiedsrichter zustimmen, damit kein Missbrauch, zum Beispiel durch Zeitschinden, getrieben wird.

Die Meinung bei den hiesigen Fußballvereinen ist geteilt

Diese Neuerung gilt zunächst probeweise für den Rest der Saison. Im Sommer will der FVN nach einem Erfahrungsaustausch mit den Vereinen entscheiden, ob das Wiedereinwechseln zu einer festen Einrichtung in den unteren Kreisligen wird. Der Verbandsfußball-Ausschuss hat der Regeländerung zugestimmt. Auch die weiteren Gremien sowie das Präsidium und der Beitrat haben die Neuerung abgenickt, die mit dem Rückrundenstart am 13. Februar in Kraft tritt.

Bei den hiesigen Fußballern sind die Meinung noch geteilt. Rainer Hohn, der Vorsitzende der Kreisspruchkammer, will noch Erfahrungswerte abwarten. „Es sind sicherlich Vorteile da, doch müssen wir erst einmal sehen, wie sich dies in der Praxis bewährt.“ Auch Rainer Knötschke, 2. Vorsitzende von Spielsport Krefeld, ist skeptisch: „Ob sich das durchsetzt, ist noch fraglich. Im Winter wird die Muskulatur der Wechselspieler kalt und das ist nicht gut.“

Mike Klein, Trainer des Landesligisten VfB Uerdingen, sieht Vorteile in den unteren Klassen: „In den C und B-Ligen ist die Personaldecke häufig sehr dünn, da dürfte sich eine Änderung der Wechselpraxis positiv auswirken.“ Ähnlich sieht es André Verholt vom Bezirksligisten OSV Meerbusch: „Ich halte diese Änderung für positiv, denn untere Mannschaften haben meist nur ein oder zwei Wechselspieler auf der Bank.“

In Bayern und Niedersachsen darf schon wiedereingewechselt werden

Bernhard Peters führte als Hockey-Bundestrainer die Nationalmannschaft mehrfach zum Weltmeistertitel. Vor vier Jahren, nach der Fußball-WM in Deutschland, galt er auf Fürsprache des damaligen Fußball-Bundestrainers Jürgen Klinsmann als aussichtsreicher Kandidat für den Posten des Sportdirektors beim DFB und sollte die Nachwuchsarbeit der deutschen U-Nationalmannschaften modernisieren. Am Ende eines harten Machtkampfes wurde ihm Matthias Sammer vorgezogen, nicht zuletzt weil dem Hockeytrainer der „Stallgeruch des Fußballs“ fehlte. Daraufhin griff die TSG 1899 Hoffenheim zu und sicherte sich die Dienste und das Know-how des Querdenkers. Als Direktor für Sport- und Nachwuchsförderung leitet er dort eines der modernsten Nachwuchszentren im europäischen Fußball.

So ganz neu ist diese Veränderung nicht. In vielen Verbänden Deutschlands, zum Beispiel in Niedersachsen und Bayern, wird diese Regelung in den unteren Klassen sowie im gesamten Jugendbereich schon praktiziert – mit Erfolg: Es gibt dort erste Überlegungen, das Wiedereinwechseln auch in den höheren Ligen einzuführen.

Ein großer Vordenker und Befürworter dieser Veränderung im Fußballsport ist der aus Krefeld stammende frühere Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters, der heute als Sportdirektor beim Fußball-Bundesligisten TSG Hoffenheim tätig ist. Im Hockey sowie in vielen weiteren Sportarten, zum Beispiel Handball oder Basketball, ist das „fliegende Wechseln“, im Fachjargon Interchanging genannt, seit Jahren bekannt. Peters sieht in der Regeländerung viele Vorteile, weil der Handlungsspielraum des Trainers größer und das Spiel viel schneller wird.

„Es gibt durch die neue Regel eine viel dynamischere Kaderstruktur, in der es keine Stamm- und Ersatzspieler mehr gibt, sondern alle Spieler in einem 18-Mann-Kader haben eine zugewiesene soziale Rolle und Aufgabe im Spiel“, stellt Peters fest. Zudem können lange verletzte Spieler Stück für Stück wieder an die alte Leistungsfähigkeit herangeführt werden.

 

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