Aline Focken ist am Freitag in Düsseldorf bei der Felix-Award-Gala zur NRW-Sportlerin des Jahres 2015 gekürt worden.

Aline Focken ist gestern Abend in Düsseldorf bei der Felix-Award-Gala zur NRW-Sportlerin des Jahres 2015 gekürt worden.
Aline Focken vor der Sporthalle ihres Vereins an der Steinstraße mit der WM-Medaille 2014. Archiv

Aline Focken vor der Sporthalle ihres Vereins an der Steinstraße mit der WM-Medaille 2014. Archiv

Andreas Bischof

Aline Focken vor der Sporthalle ihres Vereins an der Steinstraße mit der WM-Medaille 2014. Archiv

Krefeld. Sie war Weltmeisterin, jetzt ist Aline Focken NRW-Sportlerin des Jahres. Am Freitagabend fand die Gala des Landessportbundes mit der Verleihung des Felix-Award in Düsseldorf statt. Die Krefelderin ist Ringerin, eine Sportart, in der sie mit vielen Vorurteilen zu kämpfen hat – auch wenn man wie die 24-Jährige erfolgreich, hübsch und um keinen Spruch verlegen ist. Ein Gespräch über Kinderspinnereien, Schlammcatchen und Kampfbomber.

Sie haben sich durch Platz drei bei der WM im September bereits für Olympia 2016 qualifiziert. Wie oft denken Sie derzeit schon an Rio?

Aline Focken: Es ist allgegenwärtig, ich denke pausenlos daran. Das hätte ich so nicht gedacht. Aber es ist eben das Größte, was man als Sportler erreichen kann.

Als Kind haben Sie in diese „Freunde-Bücher“ immer reingeschrieben, dass Sie mal Olympiasiegerin werden wollen . . .

Focken: . . . das waren Kinderspinnereien. Damals wusste ich noch gar nicht, was das bedeutet. Vor Kurzem hat mir eine Grundschulfreundin ihr Buch gezeigt. Ich fand es sehr witzig, als ich das gelesen habe, weil ich weiß, dass ich mir diesen Traum nun erfüllen kann.

„Wenn man mit einem Cut in die Schule kommt, können viele das nicht nachvollziehen.“

Dabei hätten Sie als Zehnjährige beinahe aufgehört.

Focken: Ich war als Kind extrem tollpatschig, habe viel länger als andere in meinem Alter gebraucht, um etwas zu erlernen. Daher habe ich am Anfang alle Kämpfe verloren und wollte aufhören. Meine Eltern haben mich überredet, weiterzumachen.

Ihr Papa ist zugleich ihr Trainer und war selbst Ringer. War ihr Weg vorgezeichnet?

Focken: Eigentlich nicht. Die männliche Seite meiner Familie war zwar zu 100 Prozent Ringer. Aber dass ich als Mädchen die Beste und Verrückteste werde, war so nicht geplant. Meine Mama war anfangs froh, dass ich nicht auch gerungen habe. Und ich habe auch als kleines Mädchen oft gesagt bekommen, das sei doch kein Sport für Mädchen. Diese Aussagen haben mich allerdings extrem angestachelt.

Sind Sie oftmals schief angeschaut worden?

Focken: Das ist bis heute noch so. Die Leute haben einfach ein falsches Bild vom Frauen-Ringen. Die denken, jede Ringerin wiegt 100 Kilogramm und sieht aus wie ein Kampfbomber. Dabei verkörpern viele von uns das Gegenteil. Auf der Matte mag die eine oder andere in den Anzügen eher männlich aussehen. Aber in normalen Freizeitklamotten sehen Ringerinnen nicht anders aus als Volleyballerinnen. Viele sind sogar hübsch.

War es in Ihrer Kindheit und Jugend schwerer, damit umzugehen?

Focken: Es war nicht unbedingt immer einfach, vor allem in der Pubertät. Da wurde schon mal blöd geschaut oder blöd gequatscht. Da habe ich mich schon oft drüber geärgert. Wenn man mit einem Cut in die Schule kommt, können viele das nicht nachvollziehen, warum man den Sport ausübt. Dabei passieren solche Verletzungen im Handball genauso. Ich leite eine Nachwuchsgruppe und die Mütter haben anfangs oft Angst, dass sich ihre Kinder wehtun. Ich glaube, die Kinder heute sind ein bisschen weich geworden. Früher sind wir von Bäumen gesprungen. Heute ist für die Eltern ein kleiner Kratzer gleich ein halber Weltuntergang.

Viele Menschen denken, beim Frauen-Ringen treffen nur Mannsweiber aufeinander. Stört Sie das?

Focken: Natürlich nervt das, es stört mich, wie darüber gesprochen wird. Wir sind keine Männer und wir üben auch kein Schlammcatchen, Sumoringen oder so etwas aus. Ich hatte jeweils nie ein Problem damit, mich zu definieren, ob ich weiblich oder männlich bin, auch wenn der eine oder andere vielleicht gedacht hat, ich ticke andersherum. Ich bin jedenfalls stolz, einen besonderen Sport auszuüben.

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