In Runde sieben wirft Koji Satos Ecke das Handtuch, als ihr Schützling benommen in den Seilen hängt. Felix Sturm ist und bleibt WBA-Weltmeister im Mittelgewicht.

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Felix Sturm feiert seinen Sieg gegen Koji Sato.

Felix Sturm feiert seinen Sieg gegen Koji Sato.

Reuters

Felix Sturm feiert seinen Sieg gegen Koji Sato.

Krefeld. "Die Boxer sehen aber gut aus", hieß es noch beim Wiegen am Freitag. Am Samstag  nach der vierten Runde zwischen Felix Sturm und seinem japanischen Herausforderer Koji Sato trifft das nur noch auf den Weltmeister zu. Zuviel hat der Japaner da schon einstecken müssen. In seiner Ecke versucht man mit dem Glätteisen, seine Beulen auszubügeln. In Runde sieben nutzt Sato auch sein Kämpferherz nichts mehr: Seine Ecke wirft das Handtuch, als ihr Schützling benommen in den Seilen hängt. Felix Sturm ist und bleibt WBA-Weltmeister im Mittelgewicht.

Eine knappe Stunde vorher nimmt das Schicksal des Herausforderers aus Japan seinen Lauf. Denn er boxt nicht nur gegen Sturm, sondern auch gegen die 9000 Zuschauer im ausverkauften König-Palast. Wie es sich beim Boxen gehört, ist die Zusammensetzung des Publikums so schillernd wie ein Weltmeisterschaftsgürtel. Gelegenheitsboxfans mischen sich mit Amateurboxern, Rockerbanden-Mitgliedern, lokaler Prominenz aus Politik und Sport sowie aufgebrezelten Schönheiten auf beinahe meterhohen Stöckelschuhen und Fans mit Fahnen und Schals wie beim Fußball. Sie alle eint, dass sie Sturm siegen sehen wollten. Dass bekommt Sato schon beim Einmarsch zu spüren. Nach dem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert wird man den Eindruck nicht mehr los, der 28-Jährige sehne sich zurück nach Fernost.

Während des Kampfes hallen immer wieder "Adnan, Adnan"-Sprechchöre durch die Halle. Eine Krefelderin fragt irritiert: "Wieso rufen die das denn?" Der Sitznachbar kann der Unwissenden aus der Patsche helfen: Adnan Catic ist der Geburtsname des eingedeutschten Bosniers Felix Sturm. So ist es auch ein wenig überraschendes, wenn auch bizarres Bild, dass beim Abspielen der deutschen Hymne auf den Rängen nur bosnische Fahnen wehen.

Bevor die Fäuste fliegen gibt es um den Ring wahre Blitzlichtgewitter, in denen sich die üblichen Promi-Verdächtigen sonnen: Schauspieler Ralf Möller lässt sich für die Kamera von Box-Weltmeisterin Ina Menzer einen Kinnhaken verpassen, Komiker Matze Knoop macht als Dortmund-Trainer Jürgen Klopp den M otivator und Gewichtheben-Olympiasieger Matthias Steiner stemmt eine Autogrammkarte nach der anderen, während Ralf Bauer sich unter einem Blues Brothers-Hut  versteckt.

Doch kein Promi wird so belagert wie der Ex-Fußball-Profi Sergej Barbarez. Na klar, der ist ja nach Sturm alias Catic Volksheld Nr. 2  in Bosnien. Spätestens als Sturm ihm nach dem Sieg seine Handschuhe zuwirft, haben alle ihn erkannt. "Das mit den Handschuhen war nicht abgesprochen", sagt Barbarez. "Es war ein Dankeschön dafür, dass ich versuche bei jedem von Felix kämpfen dabei zu sein." Der Ausgang des Kampfes ist für Barbarez keine Überraschung: "Es hat nur länger bis zum KO gedauert als ich dachte."

Schöne Frauen gehören zu einer Boxgala einfach dazu. Das wussten offensichtlich auch die Besucherinnen am Samstag im Königpalast. Denn die holde Weiblichkeit hatte sich schick gemacht. Wo sonst schluffige Eishockey-Trikots angesagt sind, regierten an diesem Wochenende Stöckelschuhe, Hautenger-Glitzerfummel, Push-Up Bhs und das "kleine Schwarze". Nachbessern wurde den Damen nach Betreten der Halle allerdings verwehrt. Der Sicherheitsdienst beschlagnahmte am Eingang alles was zum Wurfgeschoss werden kann. Das Resultat: Ein Berg von hunderten konfiszierten Lippenstiften, Haarspray-Dosen und Parfüm-Fläschchen.

Als dann Felix Sturm auch noch mit der Fahne von Bosnien-Herzegowina posiert, rasten seine Anhänger vollends aus. "Das ist für ein kleines Land wie das unsere eben eine ganz besondere Ehre, einen Box-Weltmeister zu haben", sagte Barbarez.

In dieser Samstagnacht gehört der Box-Weltmeister Felix Sturm aber allen: den Deutschen, den Bosniern und natürlich den Krefeldern.   

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