Hochwasser bedroht über Jahrhunderte die Rheinstadt.

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Die historische Aufnahme zeigt die Arbeiten am Rheintor 1920.

Die historische Aufnahme zeigt die Arbeiten am Rheintor 1920.

Auch 1939 führte der Rhein Hochwasser.

19939 erreichte das Wasser das Rheinschlösschen.

Stadtarchiv, Bild 1 von 3

Die historische Aufnahme zeigt die Arbeiten am Rheintor 1920.

Krefeld. Der Weiher im Stadtwald, der Wasserlauf im Park Sollbrüggen, die Niepkuhlen in Verberg und Traar sowie das Latumer Bruch – im Stadtgebiet von Krefeld findet sich manch alter Rheinarm. Der Strom hat sich über Jahrhunderte, gerade nach Hochwasser, hier immer wieder neue Flussbette für seine Nebenarme gesucht.

Auch der Hauptstrom „wanderte“ stetig weiter gen Westen. Diese Flusswanderung wurde der Stadt Uerdingen zum Verhängnis. Vor rund 700 Jahren „versank“ das kurkölnische Städtchen in den Fluten des Stroms.

Vermutlich führten diverse Hochwasser zum Untergang Alt-Uerdingens

 Wie viele Menschen dort lebten und wie groß die Stadt letztlich war, darüber berichten historische Quellen nichts. Aber das Schicksal der Rheinstadt im 13. Jahrhundert ist bekannt. Wann genau Alt-Uerdingen vollständig vom Rhein weggeschwemmt wurde, ist nicht klar. Zum Untergang Uerdingens scheinen wohl diverse Hochwasser geführt zu haben.

Eine Hochwasserkatastrophe vom Februar 1284 hat einen erheblichen Schaden verursacht. Dabei wurden unter anderem die Kirche und der Friedhof weggespült. Bereits sechs Jahre zuvor soll es ein vergleichbar schweres Hochwasser gegeben haben. In diesem Zeitraum muss die Entscheidung gefallen sein, ein neues, vor den Gewalten des Rheins sicheres Uerdingen zu errichten.

In einer Urkunde aus dem Jahr 1324, die der Uerdinger Lehrer und Heimatforscher Franz Stollwerck zur Datierung der Stadterhebung nutzte, wird der Grund für die westliche Verlegung erwähnt. Der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg (1275-1297) veranlasste, die Stadt an ihrer heutigen Stelle zu erbauen.

Die bischöfliche Urkunde beinhaltet leider nicht das exakte Datum für den Baubeginn.
Sie enthält aber einen wesentlichen Hinweis: „Da die Stadt jedoch durch den Andrang des Rheins allmälig mit dem Untergang bedroht wurde.“ Das „allmälig" (im lateinischen Text „successive“, das bedeutet „schrittweise“) deutet auf einen Prozess hin, an dessen Ende möglicherweise das Hochwasser im Jahr 1284 stand. Der gierige „Vater Rhein“ holte sich demnach Jahr für Jahr ein Stück des Städtchens Uerdingen.

Uerdingen war dem Kölner Erzbischof wichtig

Über das alte Uerdingen ist bis auf seine Existenz kaum etwas bekannt. In der Urkunde vom 6. Mai 1324 vermerkte man, dass Erzbischof Conrad von Hochstaden (1237-1261) die Villa Uerdingen zuerst als Stadt erhoben und befestigt habe. Wann er die Rechte verliehen hat, davon berichtet diese Quelle nichts. Die Original-Stadturkunde ist verschollen. Franz Stollwerck ging davon aus, dass der Kölner Bischof bei einem Aufenthalt in Uerdingen am 11. Juni 1255 die Stadtrechte verlieh.

Denn am selben Tag erließ er eine Bestimmung über das Patronatsrecht der Kirche Hohenbudberg. „Wir dürfen also das Stadtrecht für Uerdingen spätestens in das Jahr 1255 setzen“, so Stollwerck. Warum die Stadterhebung erfolgte, die Beantwortung dieser Frage bleibt Spekulation.

Vermutlich wollte der Erzbischof Uerdingen als Kontrollpunkt und Amtssitz sichern, der über den Fluss leicht und schnell zu erreichen war. Dieser Hintergrund spräche zudem für die Neugründung der Stadt mit einer Burg.

1776: Viele Uerdinger ertranken in den eisigen Fluten des Rheins

Mit der westlichen Verlegung der Stadt Uerdingen hörte die Bedrohung durch den Rhein jedoch nicht auf. Besonders gefährlich wurde es, wenn der Rhein zufror und die Eisschollen das Wasser stauten. Einen effektiven Schutz konnten die Menschen dem Fluss bei Eisgang und Hochwasser nicht entgegensetzen. Der Kölner Erzbischof und Kurfürst Friedrich von Wied vereinbarte mit dem Grafen Hermann von Neuenahr-Moers 1566 einfache Schutzmaßnahmen.

Solche Bemühungen von Seiten der Landesherren gab es in allen Jahrhunderten immer wieder. Letztlich erwies sich dieser Uferschutz in den meisten Fällen als nutzlos, wie noch im Jahr 1776: Die gesamte Stadt Uerdingen wurde überschwemmt. Viele Menschen im Amt Uerdingen ertranken. Noch im Mai lagen Eisschollen auf dem Marktplatz.

Die Bilder und der Schrecken vor einem zugefroren Rhein und seinen ausufernden Hochwasser sind längst Geschichte. Die Deichanlagen wurden in den vergangenen 200 Jahren immer weiter verbessert, so dass sie dem Rhein auch bei Hochwasser standhalten. Im Winter 1890/91 war der zugefrorene Strom bei Uerdingen keine Katastrophe mehr, sondern eine Sensation.

Die Menschen strömten zu Tausenden zur Rheinstadt, um sich das eisige Naturschauspiel anzusehen, wie dieser Tage das Hochwasser am Uerdinger Werft.

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