Die Anwohner der Kronenstraße machen mobil gegen die Pläne.

Uerdingen
Von ihren Balkonen können Ursula Diekmann und Karl Schmitz den Rhein sehen. Damit soll bald Schluss sein.

Von ihren Balkonen können Ursula Diekmann und Karl Schmitz den Rhein sehen. Damit soll bald Schluss sein.

Die Planung für das Gelände der Firma Erlenwein. Den Anwohnern dahinter ist der Bau zu hoch.       Grafik: Form A

Andreas Bischof, Bild 1 von 2

Von ihren Balkonen können Ursula Diekmann und Karl Schmitz den Rhein sehen. Damit soll bald Schluss sein.

Krefeld. Ursula Diekmann braucht keine Gardinen am Fenster. Morgens genießt sie von der vierten Etage aus den Sonnenaufgang. Ihr Blick geht nach Osten über den Rhein. Damit ist wohl demnächst Schluss. Ursula Diekmann wohnt seit 1978 in der Kronenstraße in Uerdingen. Das Projekt Rheinblick wird ihr nach den vorläufigen Plänen bald die Sicht nehmen.

Vor ihrem Haus sollen auf dem ehemaligen Gelände der Firma Erlenwein 47 Luxuswohnungen entstehen. Der Bau türmt sich auf bis zu acht Geschosse mit einer Höhe von 22 Metern. Diekmanns Wohnung liegt zwölf Meter hoch. „Acht Etagen gibt es nirgendwo in Uerdingen“, sagt Diekmann. „Nichts ist höher als vier Etagen, außer der Kirchturm.“

„Wir haben die Häuser mit der Prämisse auf freie Sicht auf den Rhein gebaut.“

Karl Schmitz, Eigentümer

Nachbar Karl Schmitz lebt seit 1950 in der Kronenstraße. „Dass das Gelände mal bebaut wird, war uns immer klar“, sagt er. Die Anwohner seien auch generell mit einer Bebauung einverstanden. „Schließlich gucken wir seit 40 Jahren nur auf Ruinen.“ Nur an der Höhe des geplanten Hauses müsse sich noch dringend etwas ändern. „Und es ragt sechs Meter weiter in Richtung Rheinbrücke. Dann haben wir weder einen Ausblick noch Licht.

Die beiden Eigentümer haben 41 Unterschriften gesammelt. Besitzer und Mieter der fünf Häuser Kronenstraße 21 bis 31 sowie einige aus der Bruchstraße, deren Balkone zur Rheinseite rausgehen, haben Ende Mai fristgerecht ihre Einwände an das Bauamt, Fachbereich Stadtplanung, geschickt. Bis heute haben sie keine Antwort erhalten. In dem Brief fordern die Anwohner eine Bebauung „nur bis auf gleicher Linie der nördlichen Häuser der Kronenstraße“.

Eine Geschosshöhe, die die vorhandenen Häuser überragt, sei für sie ebenfalls nicht hinnehmbar. „Wir haben die Häuser mit der Prämisse auf freie Sicht auf den Rhein gebaut“, sagt Karl Schmitz, der wie andere Eigentümer eine Wertminderung befürchtet. „Vielleicht könnte man den ganzen Bau um 180 Grad drehen“, lautet sein Vorschlag. „Dann stört die Höhe niemanden.“

Der Investor nimmt die Einwände der Bürger ernst

Ende 2014 soll der Bebauungsplan für das Rheinblick-Gelände beschlossen werden. Derzeit werden laut Stadt 19 Stellungnahmen von Behörden und 18 Einwände von Bürgern geprüft, darunter die Unterschriftenliste aus der Kronenstraße. Wesentlicher Kritikpunkt sei die Höhe und die Massivität der geplanten Gebäude.

Zwei von vier Investoren im Rheinblick-Areal stehen in den Startlöchern und bereiten ihre Bauanträge vor. Das frühere Erlenwein-Gelände wird von Ulrich Schmitter bebaut, dort entstehen 47 Wohnungen und drei Büros. Nebenan will der Bielefelder Investor KRP Finanz 135 Wohnungen und ein Seniorenheim errichten.

Eine Nachbarin hat zusätzlich persönlich an die Stadt geschrieben, mit der Bitte um Antwort. „Die hat sie auch bekommen“, erzählt Schmitz. Demnach werde ihr Einwand bearbeitet.

Im Oktober soll eine Bürgerinformation für alle Beteiligten stattfinden. Der genaue Termin wird noch bekanntgegeben. „Die Stadt sagt immer, es sei noch nichts beschlossen“, wundert sich Ursula Diekmann. „Im Internet werden die Wohnungen aber schon auf Immobilienseiten mit genauen Preisen angeboten.“

Über diese Online-Anzeigen hatte die WZ bereits im Juli berichtet. Investor Ulrich Schmitter will damit potenzielle Interessenten neugierig machen: „Die Nachfrage ist riesig.“ Beurkunden lasse sich allerdings noch nichts, bislang führt Schmitter lediglich Vorgespräche.

Die Einwände der Anwohner nimmt der Immobilienfachmann aus Bockum sehr ernst. Er verweist jedoch darauf, dass die meisten Wohnungen in der Kronenstraße schon heute keinen Rheinblick haben: „Deich und Bäume versperren die Sicht.“

Da aufgrund der Beschaffenheit des Geländes schon das Erdgeschoss seines Neubaus deutlich über der Kronenstraße liege, sei mit einer Reduzierung der Etagen wenig gewonnen. „Architektonisch wären die Proportionen hin. Und wir hätten Probleme mit der Wirtschaftlichkeit.“ Schmitter verweist auch darauf, dass die Höhe von acht Etagen und 22 Metern nur an einer Stelle erreicht wird. „Das ist kein klotziger Bau.“ Und selbst diese Höhe sei für Uerdingen nicht ungewohnt: „Dujardin gleich nebenan ist ebenfalls 22 Meter hoch.“

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