Die Werbegemeinschaft beklagt, man werde vor vollendete Tatsachen gestellt.

Ostwall
Die Ostwall-Baustelle hält Kunden fern, klagen die Händler. Sie fühlen sich von der Stadt schlecht informiert.

Die Ostwall-Baustelle hält Kunden fern, klagen die Händler. Sie fühlen sich von der Stadt schlecht informiert.

Archiv Andreas Bischof

Die Ostwall-Baustelle hält Kunden fern, klagen die Händler. Sie fühlen sich von der Stadt schlecht informiert.

Krefeld. Zwischen der Händlerschaft in der City und der Verwaltungsspitze herrscht Funkstille. Besonders Planungsdezernent Martin Linne und sein Dienstherr, Oberbürgermeister Gregor Kathstede, stehen in der Kritik der Geschäftsleute. Diese ärgern sich massiv über mangelnde Informationspolitik der Stadt und die Art und Weise der Kommunikation im Allgemeinen.

Franz-Joseph Greve, Werbegemeinschafts-Vorsitzender und Inhaber eines Modehauses an der Hochstraße, verweist auf das Schreiben von Markus Ottersbach, dem Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes, der auch Schriftführer des Arbeitskreises der Innenstadt-Akteure ist. Wie die WZ bereits berichtete, heißt es darin unter anderem: „Enttäuscht sind die Innenstadt-Akteure, dass Planungsdezernent Linne die vor zwei Jahren eingeschlagene Linie verlassen hat, vor dem endgültigen Treffen von Entscheidungen die Betroffenen einzubeziehen, ihnen die Pläne vorzustellen und zu erklären und deren Rückmeldungen in das weitere Kalkül einzubeziehen.“

Informationen kommen, wenn Entscheidungen schon stehen

Greve bezieht sich auf diesen Aspekt: „Die Bauverwaltung war zwar mit diesem Arbeitskreis in Kontakt, aber immer erst, nachdem die Entscheidungen gefallen waren. Unter Zusammenarbeit verstehen wir etwas anderes. Im November 2011 wurde uns das Ostwall-Projekt vorgestellt. Das ist jetzt dreieinhalb Jahre her.“ In der ganzen Zeit der Bauarbeiten habe weder der Oberbürgermeister noch der Baudezernent den Kontakt gesucht „und nicht ein einziges Mal bei uns nachgefragt, ob und wie es läuft“.

Greve erklärt: „Im Einzelhandel haben wir heute Vorlaufzeiten von acht bis neun Monaten für die Warenbeschaffung. Auch die Personalplanung hat Vorlaufzeiten. Da ist es schon existenziell wichtig zu wissen, ob und was in der Stadt passiert. Das haben wir dem OB, der Bauverwaltung und den Parteien zu Beginn 2012 in vielen Einzelgesprächen ausführlich dargestellt. Herr Linne hat nunmehr Mitte Oktober als Deadline vorgegeben. Er muss jetzt liefern. Die Nerven liegen blank.“

Linnes Aussage, in der Innenstadt sei viel los, bezeichnet Jörg Pastoors, Geschäftsführer von Galeria Kaufhof in Krefeld, als „arrogant und überheblich“ und empfindet sogar „mangelnde Wertschätzung“. Der Dezernent hätte die Einzelhändler vor dieser Aussage einmal anrufen sollen, erklärt er weiter. „Wir schreiben Umsatzverluste von zehn Prozent, die sich im Einzelhandel manifestieren. Er ist weit weg von den Bürgern, und die sind seine Arbeitgeber.“ Pastoors weiter: „Unsere Umsätze sind Arbeitsplätze. Darüber muss man sich Gedanken machen.“

Händler haben zu viele Waren geordert

Planungsdezernent Marin Linne hält der Händler-Kritik entgegen, dass Stadtumbaukoordinator Eckhard Lüdecke immer mit den Geschäftsleuten rede, dass die Infos geflossen seien. „Als es feststand, die Verzögerung nicht mehr vermeiden zu können, haben wir das sofort mitgeteilt.“

Linne zweifelt nicht daran, dass die Einzelhändler Verluste verzeichnen. Aber in Gesprächen mit den Betreibern des Ostwall-Karrees habe er auch deren eindeutige Zufriedenheit gehört. „Es gibt Licht und Schatten.“

Die Baustelle wird gut drei Monate länger eingerichtet bleiben, weil es Verzögerungen beim Glasdach gibt und noch Anschlussarbeiten folgen müssen.

Er sieht seine Aussagen als Klarstellung, nicht als Vorwurf an, zumal er noch nie ein persönliches Wort mit dem städtischen Dezernenten gewechselt habe. Auch er sagt, ebenso wie Greve, die Händlerschaft sei am 10. März, also viel zu spät, über die mindestens drei Monate dauernde Bauzeitverlängerung am Ostwall unterrichtet worden. „Wir hatten keine Zeit, uns darauf einzustellen und weniger Ware zu ordern. Wir müssen in dieser Zeit einen Frequenzverlust von zehn Prozent einplanen.“

Bei ihm sei das Problem noch nicht einmal so groß wie bei anderen, sagt der Kaufhof-Chef weiter. „Bei 120 Filialen im Land geben wir ab, können wir überschüssige Ware umverteilen.“ Er ist sicher: „Einige Geschäftsleute werden die Ostwall-Eröffnung nicht mehr erleben.“ Und weiter: „Das fehlende Vertrauen tut weh. Wir haben nur Kontakt zur Stadtspitze, wenn sie uns braucht.“

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