„Die Partei“ will in Krefeld einen Oberbürgermeisterkandidaten ins Rennen schicken. Ulk oder Politik – das bleibt unklar.

Satire
Andreas Schmid, Michael Heepen, Claus-Dieter Preuss (v. l.) starten einen Angriff auf das Krefelder Rathaus.

Andreas Schmid, Michael Heepen, Claus-Dieter Preuss (v. l.) starten einen Angriff auf das Krefelder Rathaus.

Andreas Bischof

Andreas Schmid, Michael Heepen, Claus-Dieter Preuss (v. l.) starten einen Angriff auf das Krefelder Rathaus.

Krefeld. Richard J. Jansen hat den Hut auf, vielmehr die Kappe, mit Leopardenmuster. Unterhalb folgen ein grauer Anzug und eine rote Krawatte. Der Pressesprecher der Partei „Die Partei“ klebt ein Schild auf die Tür des Versammlungsraums der Traditionsgaststätte Wienges an der Neusser Straße: „Martin-Sonneborn-Saal“ steht darauf in großen Lettern, in kleinen darunter die Vita des „Partei“-Bundesvorsitzenden.

Der Lebenslauf eben jenes Martin Sonneborns, der sich anschickt, mit der „Partei“ für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative die Republik satirisch-medienwirksam aufzumischen. Immerhin hat es der ehemalige Chefredakteur des Satiremagazins Titanic ins Europaparlament geschafft und sitzt da seit Juli im Ausschuss für Kultur und Bildung.

Seine Spaß-Freunde am Niederrhein wollen nun als erste politische Kraft einen offiziellen Kandidaten – von den Mitgliedern gewählt – ins Rennen um den Posten des Krefelder Oberbürgermeisters im kommenden Jahr schicken. Doch Ehrenvorsitzender und Ratsherr Claus-Dieter Preuß muss zunächst einmal die Raucher von den Stehtischen vor der Kneipe hereinholen lassen – die Versammlung soll ja beschlussfähig sein.

Dann registriert der erstaunte Berichterstatter fast ein Patt: Diejenigen, die vorne hinter ihren bedeutungsschwangeren Namensschildchen Platz genommen haben und das „Stimmvolk“ hinten halten sich zahlenmäßig in etwa die Waage.

Vorne in der Mitte sitzt er, der Kandidat, der Vermeulen und Meyer das Fürchten lehren soll: Michael Heepen, Parteichef der Krefelder. Jansen beschreibt ihn als „integer, genial, leutselig und trinkfest“, hält der Versammlung vor Augen, das Krefeld mal wieder einen Handwerker an der Stadtspitze vertragen könne. Und ein Maler sei doch noch mehr Handwerker als ein Bäcker: „Der kann Krefeld einen neuen Anstrich verpassen!“

Ein Regierungsprogramm „30 Punkte zum Krefelder Glück“

1.) Ausbau des Flughafens am Egelsberg zu einem Internationalen Verkehrsknotenpunkt nach Ankauf des BER-Ersatzteillagers.

2.) Sprengung des Seidenweberhauses [Vorgabe: sieht aus versicherungstechnischen Gründen wie ein Unfall aus].

3.) Stadtrechte für Hüls.

6.) Ausgliederung der Krefelder Stadtkasse in eine Bad Bank [endlich schuldenfrei].

11.) Zehn Stunden Mathenachhilfe für den zuständigen Stadtkämmerer [Sponsoren angefragt]

20.) Zwangsaufstieg von KFC Uerdingen in die 1. Bundesliga im Austausch gegen Bayer Leverkusen.

26.) Ganzjähriges Oktoberfest auf dem Theaterplatz zwecks permanenter Aufwertung und Belebung des Areals.

28.) Benimmkurse für Krefelder Busfahrer.

29.) Striker Verzicht auf Drogen bei Ratssitzungen [endlich konsequent umnsetzen].

30.) Abschaffen von Foto-Terminen mit dem Oberbürgermeister [der muss ab dann echt arbeiten].
 

Trotz der Vorschusslorbeeren wird es für Hoffnungsträger Heepen plötzlich eng, die Basisdemokraten stellen Gegenkandidaten auf: Richard J. Jansen, der Heepen gerade noch in den Himmel gelobt hat, schlägt sich selbst vor, Angelika Spieß („Ich kann auch nix!“) folgt ihm auf dem Fuße. Die Wahlurne, die wie eine echte Urne aussieht, sich aber als Blumenvase entpuppt, wird aufgestellt, rosafarbene Zettelchen ausgeteilt. Doppeltes Falten ist wichtig, denn die Wahl soll satzungsgemäß geheim sein.

Die Zettelwirtschaft macht deutlich: Jansen wird es nicht, null Stimmen, Spieß auch nicht, nur zwei Stimmen. Heepen bringt es immerhin auf acht Nennungen. Dass Claus-Dieter Preuß nicht spontan ausruft „Wir sind OB-Kandidat!“, liegt am Ort. Denn hier findet kein Konklave statt, sondern nur der SonderPARTEItag von Menschen, die sich selbst gern auf die Schippe nehmen. Dennoch frohlockt der Ratsherr staatsmännisch, dass „Die Partei“ als erste Partei einen gewählten Kandidaten habe, den man nun auch ganz schnell dem Wahlamt kundtun werde.

Und dann hätte der Eliteförderer aus der Seidenstadt es fast vergessen: „Herr Heepen, nehmen Sie die Wahl an?“, schießt Preuß die obligatorische Frage noch schnell ab. Und der jetzt offizielle Kandidat beeilt sich zu versichern, dass er das tue. Es gibt Standing Ovations, die Versammlung bestellt eine neue Runde Bier. Und Michael Heepen verteilt sein vielleicht nicht hundertprozentig ernst gemeintes Regierungsprogramm „30 Punkte zum Krefelder Glück“.

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