Seinen Käfer kaufte Istevan Gyuros ohne ihn gesehen zu haben und fern von der Heimat.

Bischof, Andreas (abi), Bild 1 von 3

Krefeld. Sein erstes Auto kaufte Istevan Gyuros ohne es gesehen zu haben, viele Kilometer von zu Hause entfernt in München. Den Kauf des VW-Käfers, Baujahr 1956, hat er nie bereut.

„Es war 1960 und ich war gerade auf Montage in München und dabei, meinen Führerschein dort zu machen“, erzählt der gelernte Schlosser, der 1956 mit 19 Jahren aufgrund der Unruhen in seinem Heimatland Ungarn nach Krefeld kam.

Eines Abends saß er in München mit einigen Einheimischen beim Skat zusammen. Als er erzählte, dass er bald einen Führerschein habe, machte ihm ein älterer Münchener ein Angebot: Er wollte ihm seinen VW-Käfer für 1800 DM verkaufen. „Ich hab ihn ohne zu sehen gekauft“, sagt der heute 73-jährige Istevan Gyuros.

Nach der trotz Schnee und Eis erfolgreich bestandenen Fahrprüfung holte er den Wagen sofort ab. Weil der Münchener Verkäufer so beeindruckt von dem Vertrauen war, das der Krefelder ihm entgegen gebracht hatte, ging er noch einmal 100 DM vom Preis runter.

„Ich war verliebt in den VW. Er war wie meine Freundin. Ich habe ihn gehegt und gepflegt“, erinnert sich Gyuros. „Mit meinem Käfer war ich einer der glücklichsten Menschen überhaupt. Ein eigenes Auto zu haben, war damals nicht selbstverständlich“, erzählt der 73-Jährige mit leuchtenden Augen

Der Wagen fuhr mit Zwischengas und schaffte maximal 120 Stundenkilometer auf der Autobahn. Als Besonderheit hatte er ein eingebautes Blaupunkt-Radio. „Das war damals schon was Tolles“, so Gyuros.

Mit dem Käfer ging es in den Bayerischen Wald oder zum Skifahren nach Oberstdorf. Dank eines hinten montierten Skiständers passten alle nötigen Utensilien in den kleinen Wagen.

Der Krefelder und seine Frau fahren auch heute noch einen VW

Nicht einmal habe ihn der Wagen hängengelassen, erzählt Gyuros. Zwei unerfreuliche Ereignisse gab es dennoch. Als er nach einem Fußballspiel zu seinem parkenden VW zurück kam, war der Wagen vorne komplett eingedrückt. Eine Dame hatte ihn beim Einparken beschädigt und einen Zettel hinter der Windschutzscheibe hinterlassen.

Der Käfer musste in die Werkstatt. „Ich kam dann gerade von der Reparatur, da hat mich ein Lkw mit seinem Anhänger geschnitten und wieder die gleiche Stelle kaputt gemacht. Ich hätte heulen können“, erinnert sich Gyuros.

Dem Volkswagen ist er immer treu geblieben. Auch der Wagen nach seinem ersten Auto war ein Käfer. Seinen alten verkaufte er 1963 für 1800 DM. „Wer einen VW mit Gefühl fährt, der hat keine Probleme“, sagt er.

Heute fahren Gyuros und seine Frau Olga Maria einen Golf Kombi. Die beiden sind seit 1971 verheiratet, haben eine Tochter und ein Enkelkind. Auch seine Frau hat Istevan Gyuros mit seiner VW-Liebe angesteckt. „Ich erinnere mich immer wieder gerne an die Zeit damals zurück“, sagt der 73-Jährige und lächelt gedankenversunken.

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