Der 48-Jährige ist seit über 30 Jahren als Sondengänger aktiv. Momentan unterstützt er das Museum Burg Linn bei den Ausgrabungen in Gellep.

Ulrich Esters findet alles. Deshalb wird er auch „Staubsauger“ genannt. Fotos (2): Dirk Jochmann
Ulrich Esters findet alles. Deshalb wird er auch „Staubsauger“ genannt. Fotos (2): Dirk Jochmann

Ulrich Esters findet alles. Deshalb wird er auch „Staubsauger“ genannt. Fotos (2): Dirk Jochmann

Ulrich Esters findet alles. Deshalb wird er auch „Staubsauger“ genannt. Fotos (2): Dirk Jochmann

Gellep-Stratum. Sein Name ist Esters, Ulrich Esters. Bewaffnet mit Metalldetektor und Spaten macht sich der 48-jährige Sondengänger aus Linn auf dem Grabungsgelände in Gellep auf die Suche nach Artefakten. Sein Ziel: das Museum Burg Linn bei seiner aktuellen Grabung als Ehrenamtlicher zu unterstützen. Dabei geht er derart akkurat vor, dass er von vielen – darunter Jennifer Morscheiser – auch als „Staubsauger“ bezeichnet wird.

Was ein Sondengänger ist? Hierbei handelt es sich um eine Person, die mit einem Metalldetektor gezielt nach Gegenständen im Boden sucht. „Das kann und darf nicht jeder machen, da hierfür eine Genehmigung nötig ist“, erklärt er. In den meisten Fällen sei eine Genehmigung der Grundeigentümer sowie der Oberen Denkmalbehörde notwendig.

Der 48-Jährige ist seit über 30 Jahren als Sondengänger aktiv. Momentan unterstützt er das Museum Burg Linn bei den Ausgrabungen in Gellep.

Diese römische Haarnadel bewegte Esters damals dazu, Sondengänger zu werden.

Da Esters eine Genehmigung besitzt, steht er auf der „guten Seite der Macht“. Allerdings kann der Linner auch von schwarzen Schafen berichten. Erst am Sonntag schaffte er es wieder, fünf Grabräuber auf dem Gelände zu verschrecken. „Dazu reicht das starke Licht meiner Taschenlampe meistens aus“, sagt er und lacht. Richtig ernst sei es bislang nie geworden, erzählt Esters.

Es ärgert ihn, dass die meisten Sondengänger nur auf Geld aus seien und daher kaum Rücksicht auf Verluste nehmen. Denn die Grabräuber machten viel kaputt. Ein Beispiel: Wenn Nägel, Gürtelschnallen oder Münzen von ihren Fundorten weggenommen würden, könnten die Archäologen aufgrund dessen die Entdeckungen den größeren Kontexten nicht mehr zuordnen. „Es geht hier doch um den Alltag der Römer und dessen Rekonstruktion. Was gibt es Schöneres“, sagt Esters.

Die Begeisterung für sein Hobby ist dem 48-Jährigen anzumerken. Seine Augen beginnen zu funkeln, sein Lächeln wird breit, wenn er darüber spricht. Seine Leidenschaft für Geschichte hat er bereits im Alter von sechs Jahren entdeckt, erzählt er. „Mein Onkel wollte mir damals den römischen Hafen zeigen“, erinnert er sich. Dort fand er eine römische Haarnadel, die sein Interesse an Geschichte weckte. Verschmitzt erzählt er, wie die Römerinnen damals ihre Frisuren zu Hochsteckfrisuren frisierten und dabei diese Haaraccessoires benutzten.

Straftat Wer sich unerlaubt Zutritt zu dem Grabungsgelände verschafft und anfängt, nach „Schätzen“ zu suchen, macht sich strafbar, sofern er keine Genehmigung hat. Die rechtliche Situation ist in allen deutschen Bundesländern durch Denkmalschutzgesetze geregelt.

Vorurteil Weil viele Sondengänger illegal unterwegs sind, haben sie in der Museumslandschaft keinen guten Ruf. Dass sie hilfreich sein können, beweist der Einsatz von Ulrich Esters und weiteren neun Sondengängern in Linn.

Einblick Einen interessanten Einblick in die Arbeit eines Sondengängers gibt der Youtube-Kanal der German Treasure Hunter. In Zusammenarbeit mit Jennifer Morscheiser haben die Hunter bereits zwei Videos gedreht, um die Arbeit der Archäologen in Linn besser zu erklären. youtu.be/pwd2mdPMEAU youtu.be/AIT98K8zRMU

Während er davon berichtet, fasst er sich an seine Brusttasche und holt die bronzene Haarnadel hervor. „Das war damals wirklich ein ganz besonderer Fund, der mein Leben verändert hat“, sagt er. Später sei er öfters als Jugendlicher über Felder gelaufen und habe Ausschau nach Scherben gehalten.

Dann besorgte er sich irgendwann seinen ersten Metalldetektor – und ist nun seit über 30 Jahren als Sondengänger aktiv. Eine Heidenarbeit, wie sich herausstellt. „Es ist nicht so, dass ich einfach etwas von der Grabungsstelle mitnehme und für mich behalte. Ich tüte die Münze ein, schreibe die Koordinaten auf und markiere die Stelle mit einem Kärtchen, damit die Archäologen alles katalogisieren und später wissenschaftlich auswerten können.“

Für Esters ist es ein Abenteuer, dem er mit Herzblut nachgeht. Allerdings habe er sein Hobby nicht zum Beruf gemacht. Er arbeite acht Stunden lang bei einer Tochtergesellschaft der Stadtwerke Krefeld und komme danach nach Gellep, um dem Museumsteam unter die Arme zu greifen. Als Jennifer Morscheiser vergangenes Jahr das Amt der Museumsleiterin übernahm, war es Esters ein Anliegen, ihr seine Hilfe anzubieten. „Ich habe davor auch Herrn Reichmann unterstützt, deshalb war das selbstverständlich.“

Esters hat sich als Sondengänger einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Sein Einsatz zeigt, dass nicht alle „Sondler“ rücksichtslose Schatzsucher sind. Noch bis zum Ende des Jahres wird er die Grabungen begleiten. Danach ist Esters offen für weitere Abenteuer.

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