Bei der Sitzungspremiere bietet der Slogan „Krefeld – schön hier“ Anlass für bösen Spott.

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Schön doll hier in Krefeld: Der Creinvelt-Vorsitzende Wilhelm Havermann sorgt sich als Opernsängerin um die Kultur.

Schön doll hier in Krefeld: Der Creinvelt-Vorsitzende Wilhelm Havermann sorgt sich als Opernsängerin um die Kultur.

A. Bischof

Schön doll hier in Krefeld: Der Creinvelt-Vorsitzende Wilhelm Havermann sorgt sich als Opernsängerin um die Kultur.

Krefeld. Wer sich selbst auf den Arm nehmen kann, darf getrost anderen den Spiegel vorhalten. Getreu diesem Motto erlebten die Gäste der Brauchtumsgesellschaft Creinvelt im Mercure Park-Hotel einen genüsslich-lästerlichen, komödiantischen und kabarettistischen Abend. Wie stets war die Sitzungspremiere am Freitag bis zum Bersten voll.

Hoppeditz klagt über Burnout-Symptome

Beim Auf-den-Arm-Nehmen wollte selbst das Prinzenpaar nicht zurückstehen. Manfred I. ließ den „Lackschuh-Karneval“ der in edler Abendgarderobe gewandeten Gäste hochleben. Hintersinnig gab sich Ex-Prinz Johannes Kockers als Hoppeditz, der über Burnout-Symptome klagte.

Das doppeldeutige Sessionsmotto entstamme dem Stadt-Slogan, verkündete Georg Rupp: „Krefeld – schön (doll) hier“. „Kinder und Dolle sagen, was sie wolle“, dichtete der Creinvelt-Präsident, der souverän charmant durch die Sitzung führte.

Dies war eine Steilvorlage für Jochen Lenzen als Ratsherr, eines von vielen Eigengewächsen, die das Abendprogramm bestritten: Der Krefeld-Slogan sei einfach genial, weil er keine Widerworte zulasse, so Lenzen. Frech behauptet sei halb bewiesen, wie etwa „Kölsch – e‘ lecker Bier“. Der Vater der Schönheit in Krefeld sei jedoch der Stillstand und die Mutter die Langsamkeit, lästerte er.

Musikalisch aufs Korn nahm die Gruppe Bypass Bockum einen anderen Dauerbrenner und empfahl als Lösung einen Kreisverkehr namens Bockudilly Circus: „Jetzt geht’s rund, niemand braucht mehr anzuhalten.“

Um die Kultur besorgt zeigte sich die Opernsängerin alias Wilhelm Havermann, Creinvelt-Vorsitzender mit Bass-Stimme: „Glücklich ist, wer vergisst, dass ein Tenor ein Sänger ist“, intonierte er, musikalisch unterstützt von Josef Schwalbach. Und sprach dem Stadtrat kurzerhand die kulturelle Kompetenz ab: „Die wissen nicht, was das ist – die Null ist Gesetz“. Seine Forderung war zweideutig: „Wir brauchen das Theater.“

Der Höhepunkt des närrischen Abends war weniger politisch, sondern vielmehr ein Feuerwerk an Wortspielerei. Auf der wohl kleinsten Bühne der Stadt brillierte Hans-Willi Helios, Leiter des Krefelder Unikums, alias Klaus Steinbach. Gekleidet mit weißem Kittel und OP-Haube, berichtete er aus dem Klinikalltag, bis die Gäste Tränen lachten.

„Liebe Simulanten, unser Schönheitschirurg war früher Änderungsschneider und hat als Liftboy klein angefangen.“ Der Trend sei klar: „Der Busen bleibt vorn.“

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