Wolfgang Papenroth hat die Medienberichte, das Stadionmagazin und die damalige Speisekarte aus der Bayer–Kantine in seinem Archiv aufgehoben.
Wolfgang Papenroth hat die Medienberichte, das Stadionmagazin und die damalige Speisekarte aus der Bayer–Kantine in seinem Archiv aufgehoben.

Wolfgang Papenroth hat die Medienberichte, das Stadionmagazin und die damalige Speisekarte aus der Bayer–Kantine in seinem Archiv aufgehoben.

Jochmann, Dirk (dj)

Wolfgang Papenroth hat die Medienberichte, das Stadionmagazin und die damalige Speisekarte aus der Bayer–Kantine in seinem Archiv aufgehoben.

Krefeld. Wolfgang Papenroth kann eine ganze Menge über die Geschichte des Fußballvereins FC Bayer 05 Uerdingen erzählen. Als Spieler, Co-Trainer, Berater und vor allem Archivar hat er wertvolle Erinnerungen an die beste Zeit des ehemaligen Werkvereins für die Nachwelt erhalten.

Doch ausgerechnet zum Jahrhundertspiel gegen Dynamo Dresden war der leidenschaftliche Fußballfan- und Fachmann nicht im Stadion. Wo sich der heute 87-Jährige damals befand und warum er trotzdem eine ganze Menge rund um die größte Aufholjagd der Fußballhistorie zu berichten weiß, erzählt er im WZ–Interview.

Herr Papenroth, wie oft wurden Sie in den vergangenen Tagen eigentlich als Experte zum Jahrhundertspiel angerufen?

Wolfgang Papenroth: Nicht ein einziges Mal. Ehrlich gesagt, erfahre ich gerade erst von Ihnen, dass das Spiel sich heute zum 30. Mal jährt.

Aber als KFC–Archivar haben Sie doch sicher eine ganze Menge über das Spiel zu berichten?

Papenroth: Ich war bei dem Spiel gar nicht im Stadion.

Hatten Sie nach der 0:2-Hinspielniederlage etwa keine Hoffnung mehr fürs Rückspiel?

Papenroth: Nein, ich war sogar überzeugt davon, dass wir das Spiel noch drehen können. Ich war schlichtweg auf einem Termin für meinen Arbeitgeber Bayer in den Niederlanden unterwegs. Ich hatte aber das Glück, dass in dem Hotel, in dem wir übernachtet haben, deutsches Fernsehen zu empfangen war. Die Holländer hat das Spiel nicht interessiert, also habe ich es allein mit meinem Mitarbeiter geguckt, der zusammen mit mir vor Ort war. Ich konnte das Spiel aber nur bis zur Halbzeit sehen.

Konnten Sie sich mit der drohenden Niederlage nicht abfinden?

Papenroth: Ich war immer sehr emotional bei Spielen unserer Mannschaft und beim Stand von 1:3 musste ich einfach einen Spaziergang an der Promenade machen, weil ich es nicht mehr aushielt, zu sehen, wie die Mannschaft verlor. Ich kam erst zum Ende des Spiels wieder am Hotel an. Mein Mitarbeiter stürmte da auf mich zu und berichtete mir vom Endergebnis, das ich zunächst für einen schlechten Scherz hielt. Danach haben wir ordentlich gefeiert.

Wie war die Stimmung rund um die Grotenburg, als Sie wieder in Krefeld waren?

Papenroth: Das war zwei Tage nach dem Spiel. Ich traf die Spieler und Verantwortlichen oft in der Bayer-Kantine, wo es in der Woche eine extra auf dieses Spiel zugeschnittene Speisekarte gab. Ich habe ihnen meine Glückwünsche überbracht, aber groß gefeiert wurde da nicht. Es lief keiner rum, als sei er jetzt der große König. Spieler und Trainer freuten sich über den Sieg, deren Ausmaß man erst Jahre später bemessen konnte.

Aber so einen Rückstand biegt man doch nicht alle Tage um?

Papenroth: Ja, die Geschichte des Spiels spielte sich jedoch eher auf politischer Ebene ab. Die Tatsache, dass eine Mannschaft aus der BRD eine Mannschaft aus der DDR besiegt hatte, hatte mehr Gewicht, als der Sieg nach diesem gewaltigen Rückstand.

Wie machte sich das bemerkbar?

Papenroth: Uerdingen war bis dahin eine graue Maus in der Fußballwelt gewesen, nach diesem Sieg aber konnte man sagen, die ganze Nation blickte urplötzlich auf Krefeld und diese Mannschaft. Mich hat der Erfolg auch persönlich sehr gefreut.

Warum?

Papenroth: Weil ich selber aus dem Osten komme und die Machenschaften vor Ort im Spitzensport kannte. Deswegen hat es mich immer so wütend gemacht, wenn da von Amateuren die Rede war . Es waren vom Staat bezahlte Profis.

Konnte der Verein langfristig davon profitieren?

Papenroth: Das Spiel hat sicherlich für viel Selbstvertrauen innerhalb der Mannschaft gesorgt. Trotz der großen Anstrengung konnte auch das nächste Spiel in Hamburg gewonnen werden. Atletico Madrid war dann im Halbfinale des Pokalwettbewerbs aber eine Nummer zu groß für uns.

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