Am 19. März 1986 schrieb Bayer Uerdingen mit einem 7:3 im Europacup-Viertelfinale gegen Dynamo Dresden Fußball-Geschichte. Der unterlegene DDR-Verein hatte in der Heimat zudem noch die Flucht seines Stürmers Frank Lippmann zu erklären.

Das Wunder von der Grotenburg: „Fußballerisch war das nicht zu erklären“, meinte der damalige Bayer-Coach Karl-Heinz Feldkamp bei den Feierlichkeiten zu seinem 80. Geburtstag vor knapp zwei Jahren.
Das Wunder von der Grotenburg: „Fußballerisch war das nicht zu erklären“, meinte der damalige Bayer-Coach Karl-Heinz Feldkamp bei den Feierlichkeiten zu seinem 80. Geburtstag vor knapp zwei Jahren.

Das Wunder von der Grotenburg: „Fußballerisch war das nicht zu erklären“, meinte der damalige Bayer-Coach Karl-Heinz Feldkamp bei den Feierlichkeiten zu seinem 80. Geburtstag vor knapp zwei Jahren.

Kerim Kten

Das Wunder von der Grotenburg: „Fußballerisch war das nicht zu erklären“, meinte der damalige Bayer-Coach Karl-Heinz Feldkamp bei den Feierlichkeiten zu seinem 80. Geburtstag vor knapp zwei Jahren.

Krefeld. Verrückt, unfassbar, Wahnsinn: Die irre Aufholjagd, die Bayer Uerdingen am 19. März 1986 im Viertelfinale des Fußball-Europacups gegen Dynamo Dresden mit einem spektakulären 7:3-Triumph krönte, kann auch 30 Jahre später nur mit Superlativen beschrieben werden.

„Fußballerisch war das nicht zu erklären“, meinte der damalige Bayer-Coach Karl-Heinz Feldkamp bei den Feierlichkeiten zu seinem 80. Geburtstag vor knapp zwei Jahren. „Das war außerhalb aller Vorstellungen“, sagte Wolfgang Funkel. Der dreimalige Uerdinger Torschütze musste sich noch auf dem Rasen Tränen der Rührung von der Wange wischen.

2:0 hatte der DDR-Oberligist aus Dresden das Hinspiel im Europapokal der Pokalsieger gewonnen, im Rückspiel führten die Sachsen bereits zur Pause 3:1 und hatten einen scheinbar uneinholbaren Vorsprung. Doch Uerdingen reichte eine knappe halbe Stunde, um zwischen der 58. und 86. Minute sechs Tore zu erzielen und alles auf den Kopf zu stellen.

„In der Kabine hatte ich an die Mannschaft appelliert, dass sie sich wegen der vielen Zuschauer vor dem Fernsehen bitte ordentlich aus dem Wettbewerb verabschieden möge“, erzählte Feldkamp. 18 Millionen Menschen hatten die erste Live-Übertragung im Fernsehen eines Fußballspiels aus Krefeld verfolgt.

Spätestens mit dem 3:3 in der 63. Minute spielten sich die Krefelder aber in einen Rausch. Dresden musste im zweiten Abschnitt auf den verletzen Keeper Bernd Jakubowski verzichten, für ihn rückte der ebenso unerfahrene wie unsichere Jens Ramme ins Tor. „Bei uns herrschte die pure Angst“, erklärte der damalige Dynamo-Trainer Klaus Sammer, der auch seinen Sohn Matthias bereits ausgewechselt hatte, in einer Dokumentation des WDR-Fernsehens von 2008.

Nur 45 Sekunden lagen zwischen dem 5:3 durch Dietmar Klinger und dem erlösenden 6:3 (79.), das Wolfgang Funkel mit einem Handelfmeter erzielte. „Das sind bittere Minuten für die Kollegen vom DDR-Fernsehen, so wie sie in der ersten Hälfte für uns bitter waren“, erzählte ZDF-Reporter Rolf Kramer den Zuschauern in Ost und West.

Klaus Sammer wurde daraufhin zur Rechenschaft gezogen und durch die Staatssicherheit der DDR degradiert. Einerseits wegen der sportlichen Demütigung. Vor allem aber, weil Dynamo-Stürmer Frank Lippmann nach dem Spiel durch die Tiefgarage des Dresdener Mannschaftshotels in der Krefelder Innenstadt „Republikflucht“ beging und im Westen blieb.

Bayer „Überdingen“ scheiterte im Europacup-Halbfinale an Atlético Madrid (0:1/2:3). Nach dem Ausstieg des Hauptsponsors Bayer (1995) verschwand der KFC Uerdingen in der Versenkung des Amateurfußballs und strebt in dieser Saison den Aufstieg in die viertklassige Regionalliga an. Von einem erneuten „Wunder“ ist der Club aber weit entfernt.

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