Franz-Josef Schmitz kämpfte vor dem Anpfiff mit einem widerspenstigen TV–Gerät. Günter Körschgen verließ hingegen das Stadion.

Franz-Josef „Schmiko“ Schmitz musste das Jahrhundertspiel im Fernsehen schauen, da er auf einer Fortbildung weilte.
Franz-Josef „Schmiko“ Schmitz musste das Jahrhundertspiel im Fernsehen schauen, da er auf einer Fortbildung weilte.

Franz-Josef „Schmiko“ Schmitz musste das Jahrhundertspiel im Fernsehen schauen, da er auf einer Fortbildung weilte.

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Franz-Josef „Schmiko“ Schmitz musste das Jahrhundertspiel im Fernsehen schauen, da er auf einer Fortbildung weilte.

Der 7:3-Erfolg gegen Dynamo Dresden veränderte für einige Wochen einiges im so beschaulichen Verein Bayer Uerdingen, rückte den Club in den Fokus der Fußballwelt. Wohl dem, der an diesem Tag vor Ort war, um das Spiel, seine zehn Tore und die unfassbaren Emotionen mitzuerleben. 30 Jahre nach dem „Wunder von der Grotenburg“ erinnern sich mit der WZ zwei Fußballfans an die größte Aufholjagd der deutschen Fußballgeschichte. Schmitz freute sich darüber, dass das Spiel live übertragen wurde Damals Spieler der Uerdinger Amateure war der Kempener Franz-Josef „Schmiko“ Schmitz. Er galt in seiner Jugend als eines der großen Torwart-Talente am Niederrhein. Im Herren-Team trainierte er unter anderem an der Seite des späteren Torjägers Manfred Burgsmüller, einer unvergessenen Figur der Bundesliga-Geschichte. Eine schwere Erkrankung stoppte Schmitz’ Karriere in Uerdingen. „Tuberkulose“, sagt Schmitz. Außerdem sah er sich früh gezwungen, den elterlichen Hof zu übernehmen. Es folgte eine Umschulung zum Industriekaufmann, bevor er zu Fibrit in Grefrath (später: Johnson Controls) wechselte. Eine – aus fußballerischer Sicht – denkbar schlechte Entscheidung.

Denn just dieser Arbeitgeber hatte ihn zu einer Fortbildung nach Nürnberg geschickt. „Das hat mir natürlich nicht gepasst.“ Und dann sei auch noch das Seminar irgendwie nicht das Richtige gewesen – das weiß er heute noch ganz genau. Dennoch, der Kempener hatte sich mit dem Gedanken arrangiert, nicht ins Stadion gehen zu können. Er freute sich, die Partie von Uerdingen im Fernsehen zu sehen, und eben nicht die Bayern im Parallelspiel. Das wiederum ärgerte einen Bayern, den er bei der Fortbildung kennengelernt hatte. Kurzerhand wurde trotzdem beschlossen, das Spiel gemeinsam zu schauen. „Dann ging aber der Fernseher nicht – eine Stunde vor dem Anpfiff. Da haben der Bayer und ich Rabatz gemacht“, erzählt „Schmiko“. Zum Anpfiff sei alles repariert gewesen.

Da saßen sie dann zu zweit in einem großen Fernsehzimmer, eigentlich mehr ein Saal, und sahen sich die Tristesse der ersten Halbzeit an. „Der Bayer ist dann ins Bett gegangen. Da saß ich dann in dem großen Raum alleine“, lacht Schmitz. Er blieb am Ball, holte sich noch ein Bier. „Als das 3:3 fiel, dachte ich: ,Bleib’ noch sitzen’“, erinnert er sich.

Der Fußball-Abend nahm seinen grandiosen Verlauf. Am nächsten Morgen auf dem Weg zum Frühstück traf Schmitz den bayrischen Fußballkompagnon vom Vorabend im Fahrstuhl. Der fragte nach dem Ausgang und dachte, er würde veräppelt. Schmitz denkt natürlich gerne zurück, kann sich aber auch noch erinnern, dass der Mannschaft in einem Pokalspiel gegen Frankfurt ein ähnlicher Coup gelang.

Günther Körschgen setzte sich in die Straßenbahn und fuhr heim

Im Stadion erlebte der St. Töniser Günter Körschgen das Spiel. „Das war schon was Besonderes“, erinnert er sich. Körschgen war an dem denkwürdigen Abend in der Grotenburg, zusammen mit seinem Sohn. In der Pause hatte er den Kaffee aber auf. „Wir haben uns in die Straßenbahn gesetzt und sind nach Hause gefahren“, erinnert sich der heute 73-jährige gebürtige Krefelder.

Heute bedauert er sehr, dass er das Wunder nicht gesehen hat. „Wir waren schon ziemlich knatschig“, sagt Körschgen rückblickend. Zuhause erreichte ihn die Nachricht vom „Wunder von Uerdingen“, im Fernsehen gab es immerhin die besten Szenen der sechs Tore der zweiten Halbzeit. Heute blickt er eher gelassen zurück und sagt mit einer guten Portion Humor: „Ich war auch in Istanbul. Dort bin ich nicht eher gegangen“, lacht er.

„Das war was.“ - Günter Körschgen

Gern erinnert er sich an ein Spiel, das die Voraussetzung für das Jahrhundert-Match in der Grotenburg schuf: das Pokalfinale gegen die Bayern. Es war das erste Pokalfinale, das als feste Einrichtung in der deutschen Metropole über die Bühne ging. Unter der Trainer-Ikone Kalli Feldkamp spielten sich die Uerdinger in einen regelrechten Rausch und besiegten den Favoriten mit 2:1. „Das war was“, sagt Körschgen rückblickend. Und er erinnert sich auch noch genau, dass es den Blau-Roten gelungen war, Eintracht Frankfurt nach Verlängerung mit 6:3 aus dem Pokal-Rennen zu werfen. Das war 1977 aber in der Wirkung natürlich nicht mit dem „Wunder von Uerdingen“ vergleichbar.

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