Der Bunker Inrather Straße war wegen Überfüllung geschlossen.

unterwegs
Ein Bild der Zerstörung an der Ecke An der Annakirche/Inrather Straße.

Ein Bild der Zerstörung an der Ecke An der Annakirche/Inrather Straße.

NN

Ein Bild der Zerstörung an der Ecke An der Annakirche/Inrather Straße.

Krefeld. 1943 wohnte ich im Nordbezirk an der Hülser Straße. Beim Voralarm zogen wir vier Geschwister (sieben, acht, zehn und elf Jahre) die Trainingsanzüge an. Jeder musste eine bestimmte Tasche oder einen bestimmten Koffer mit in den Keller nehmen. Unsere Mutter begleitete uns in den Keller, ging dann aber nach oben zur Haustüre um nachzusehen, ob es nach dem Hauptalarm etwas zu sehen gab.

In Richtung Hüls standen aber schon die ersten Christbäume. Durch das laute Stöhnen unserer Mutter wurden einige Hausbewohner geweckt und erschienen in Nachtwäsche im Keller, nur mit einem Mantel übergeworfen, denn man ging oft, leichtsinnigerweise, nicht sofort in den Keller.

Die Bombardierung begann. Diese Zeit im Keller war sehr schlimm, unsere Mutter hielt uns im Kreis stehend umschlungen. Je länger der Angriff dauerte, desto lauter haben wir alle gebetet, damit wir nicht so viel vom Einschlag der Bomben hörten.

Geruch von Phosphor und der Brandgeruch waren ätzend

Nach dem Angriff kamen wir aus unserem Keller nicht heraus. Die Erwachsenen haben dann mit einem Holzstamm (der in jedem Keller vorhanden war) die vorgesehene dünnere Stelle in der Wand (aus Mauersteinen) durchstoßen und wir kamen einige Häuser weiter erst aus einem Haus heraus.

Der Himmel über Krefeld war hell und feuerrot! Nun wollten wir zum Bunker an der Inratherstraße, aber der war wegen Überfüllung geschlossen.

Nun zogen wir und einige Erwachsene mit ihren Kindern in Richtung Hülser Bruch, unterwegs hielten wir uns feuchte Tücher vor Mund und Nase getränkt mit Essigwasser, denn der Geruch von Phosphor und der Brandgeruch waren ätzend.

Richtung Krefelder Sprudel haben wir uns dann in eine dort vorhandene Mulde gelegt. Eine ältere Hausnachbarin (Frau Thönissen) legte einen kleinen Koffer auf sich und sagte: „Jetz kann misch nix miehr passiere.“ Als die Aufklärer im Morgengrauen kamen, haben wir uns sehr erschrocken als eine Flak in unmittelbarer Nähe zu schießen begann.

Ich möchte nur noch sagen, dass wir später eine Wohnung in Bockum bekamen. Dort ging es jeden Tag in den Bunker. Nach mehreren Wochen wurden wir nach Thüringen evakuiert. Der Spuk hatte dann für uns ein Ende.

Obwohl ich damals erst zehn Jahre alt war, wird mir diese Nacht immer im Gedächtnis bleiben. Mit meinen fast 81 Jahren ist die Erinnerung jetzt für mich wieder schlimm.

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