Die Jecken waren los – in der City, im Stadtwald und in Fischeln.

Die Garde der KK Stahldorf – hier bei den „Seidenstädtern“ – tanzte am Wochenende auf mehreren Sitzungen.
Die Garde der KK Stahldorf – hier bei den „Seidenstädtern“ – tanzte am Wochenende auf mehreren Sitzungen.

Die Garde der KK Stahldorf – hier bei den „Seidenstädtern“ – tanzte am Wochenende auf mehreren Sitzungen.

Dirk Jochmann

Die Garde der KK Stahldorf – hier bei den „Seidenstädtern“ – tanzte am Wochenende auf mehreren Sitzungen.

Krefeld. Unter dem Motto "Frohsinn mit Herz" feiert Krefelds jüngste Karnevalsgesellschaft "Seidenstädter" im siebten Jahr ihres Bestehens die sechste Großveranstaltung mit Glas- und Fassbier am Tisch und ausschließlich rheinischen Spitzenkräften.

700 überwiegend kostümierte Gäste im Seidenweberhaus hatten ihre Freude am Programm, das sich, so das Ziel des Vorstandes um Präsident Hans Stawski, an den Erwartungen des Publikums orientiert. Nach der Show der Tanzgarde KK Stahldorf zieht der Elferrat mit den Blauen Funken aus Zülpich von der Empore ein und wirft zur Begrüßung Stoffbärchen in die Menge. Stawski zum Funken-Kommandanten: "Sagt man bei Euch Alaaf oder Helau? Ich war nie in Zülpich."

Peter Raddatz, als "Dä Mann mit däm Hötche", weiß Bescheid: "Wann wird ein Mann alt?" - "Wenn er beim Metzger keine Scheibe Wurst mehr kriegt!" Die Krefelder Tollitäten überreichen ihren Sessionsorden an das musikalisch stets schlagfertige Sextett der Sitzungskapelle Happy Company und an die Vorstandsmitglieder Ralf Weyers und Lars Weiler. Im Finale kommen "Zwei Schlawiner" mit den "Paraplüs" zusammen und erzählen den "Kölner Rheinveilchen" Kalauer.

Amazonencorps ließ im Stadtwald die Pferdchen im Stall

Prinzen und Prinzessinnen, Garden, Uniformen und Orden glänzten auf der Bühne des Stadtwaldhauses: Die Damen des Krefelder Amazonencorps 1977 hatten zum Uniformappell geladen, quasi als Vorspiel, denn ihr Show-Programm setzten sie mitternächtlich hintendrauf. Präsidentin Monika Schwaiger, blond perückt und brokatbefrackt, spielte selbst Thomas Gottschalk in "Wetten dass...", mächtig überzogen. Da traten Cinderella vom Rott, drei Wilde aus dem Tokio Hotel, Paul Panzer, Udo Lindenberg, Helge Schneider und Andrea Berg auf - alles Amazonen, die auch die Wettkämpfer stellten.

An die Saalwette, ob 20 Ponzelare mit dem Lied "De Klantes Tött" auf die Bühne kämen, banden die Amazonen die Aktion, am 1. März mit behinderten Kindern der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule zum Reitstall Schweckhorst bei Rees zu fahren. Dort trainieren die Amazonen alle zwei Wochen ihre Pferde für Umzüge wie an Rosenmontag oder bei Schützenfesten. Gut vertreten waren die Verberger mit großen und kleinen Garden, Blue Devils und Kinderprinzenpaar Maximilian und Katharina. Uerdingen wurde von Thorsten und Gabi repräsentiert, für Oppum waren Klemens und Britta im Saal. Und zum Klantes-Lied verriet Prinz Johannes: "Ich kenne Strophen, die man nicht öffentlich singen darf."

Blaue Funken lassen Funken fliegen im Haus Blumenthal

Im Haus Blumenthal herrscht schon früh gute Stimmung. Die Narren und Närrinnen der Karnevalsvereine KG Blaue Funken und GKG Uzvögel sind in Partylaune. Als Krefelds ältester Spielmannszug "Gut Schlag" einzieht und Kurs auf die Bühne nimmt, können sich die 180 Jecken nicht mehr halten. Sie stehen auf, schunkeln und singen aus voller Kehle mit. Für spannende Showeinlagen sorgen der KK Stahldorf mit Akrobatik in Piratenkostümen und die Tanzgarde der KG Gartenzwerge. Auf allen Seiten tost der Applaus.

Günter Baier widmet sich Ikea. "Bei Frauen führt dieser Erlebniseinkauf zur Ausschüttung von Glückshormonen und bei Männern zu Aggressionszuständen", gibt der Doctor humoris causa zum Besten. Das Damenduo "Die Putzis", Eigengewächs der Uzvögel, ist für weitere Lachkrämpfe verantwortlich.

Gesellschaft Parlament tobte sich im Stadtwald aus

Unverhofft kommt so nicht oft: Einen Heiratsantrag auf offener Bühne konnten die Besucher der Karnevalssitzung der Gesellschaft Parlament, des 1857 im damaligen Kolpinghaus gegründeten ältesten Krefelder Karnevalsvereins, erleben: Guido Terhorst, Aktiver bei der Westgarde, an diesem Abend in Zivil, trug Melanie Schultz die Ehe an. Die Verlobungsringe hatte er in der Hosentasche. Nach vielen Jahren Tradition ist die Gesellschaft mit dem Sprachrohr im Wappen umgezogen - ins Stadtwaldhaus. Bis weit nach Mitternacht moderierte Präsident Jürgen Fischer das Programm mit Reden, Tänzen und Musik. Der Präsident torkelte auf die Bühne, aber den Auftritt stand er aufrecht durch: Als "Weinseliger" hatte er allerhand "Dönekes" drauf, etwa: "Lasst mich doch mal zu Ende dazwischenreden." Fischer folgte der Parlaments-Tradition, dass der Präsident auch selbst "in die Bütt steigt". Eine wichtige Figur beim "Parlament" ist der Profos in alter Landskechtstracht. Seit elf Jahren schon bekleidet Bruno Hüstermann das Amt. Den "hochverwirrten Anwesenden" wollte Michael Wimmers als "schöner Micha" von der GKG Oraniendorf weismachen, dass seine Frau drei Diäten parallel übt, "weil sie von einer nicht satt wird". Tanja Leifeld, die "Nachtigall vom Niederrhein", stieg auf die Tische und mit kölschen Liedern Stimmung. Zu Gast waren das Tanzkorps der Kölner Karnevalsgesellschaft 1882 und die Willicher Prinzengarde. Den Krefelder Tollitäten Johannes und Martina war es recht, dass zum Schluss "Du mein Krefeld" erklang.

Oppumer Gesellschaft tobt sich im Saal Gietz in Fischeln aus

"De Aap es loss!" Der Affe war wieder los, als die Karnevalsgesellschaft 1938 Oppum am Freitag in den Saal Gietz in Fischeln zur Galasitzung einlud. Unter dem diesjährigen Motto "die 38er sind brav und fiere in dä Enklav" tragen die Oppumer Jecken dem Umstand Rechnung, dass sie seit einem Jahr gezwungen sind, von ihrer Vereinsgaststätte in andere Stadtteile auszuweichen. "Wir hatten Glück, im Wirt des Fischelner Burghofs einen Partner gefunden zu haben, der keine Wünsche offen lässt," lobt Vorsitzender Udo Schwirtz.

Mit Gardetanz, Büttenreden, Gesang und Show setzt der Verein dem Abend ein Glanzlicht auf, das auch die Prinzenpaare aus Oppum und Willich nicht missen wollten. "Vermisst haben wir das Krefelder Prinzenpaar, das trotz Ankündigung nicht erschienen ist," meint Schwirtz enttäuscht. Im übrigen war die Veranstaltung, die durch die Auftritte des Humoristen Willi Winzen, der "Oedingsche Jongens" und des Duos "Labbes on Drickes" geprägt wurde, ein voller Erfolg. Dass sie um ein Uhr zu Ende ging, war vielen Jecken zu früh.

Mehr Fotos vom närrischen Wochenende:www. wz-krefeld.de

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer