Ein drogenabhängiger Krefelder bringt eine Seniorin in seine Gewalt und bedroht sie mit einem Messer. Die Polizei beendet einen stundenlangen Ausnahmezustand mit Schüssen.

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Das abgesperrte Hansacentrum.

Das abgesperrte Hansacentrum.

Sebastian Paschold

Das abgesperrte Hansacentrum.

Krefeld. Es ist kurz nach 12 Uhr am Samstag, als es Krefeld in die bundesweiten Online-Schlagzeilen schafft. Ein drogenabhängiger Mann greift sich an der Haltestelle „Hauptbahnhof“ gegenüber des Hansa-Centrums in Krefeld plötzlich eine 68-jährige Frau und bedroht sie mit einem Messer. Wenige Meter entfernt bei „Krefeld Pur“ werden in der Innenstadt Modetrends gezeigt, die Menschen genießen die Sonne, die Stadt ist rappelvoll. Es beginnt ein Ausnahmezustand, der fast vier Stunden andauern soll.

Am Sonntag hat das Amtsgericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft Krefeld einen Haftbefehl wegen Geiselnahme und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte gegen den 46-Jährigen erlassen. Er wird weiterhin in einem Krankenhaus behandelt. Die Ermittlungen, auch zur Motivlage, dauern noch an.

Der 46-jährige Krefelder hatte an der Haltestelle wegen Drogendelikten überprüft werden sollen. „Er hat sich dann wahllos die Frau gegriffen“, sagte Polizeisprecherin Karin Kretzer. Und führt aus: „Dass die Situation so eskalieren könnte, war zuvor nicht absehbar.“ In einer gemeinsamen Pressemitteilung von Polizei Krefeld und Staatsanwaltschaft heißt es: „Der Tatverdächtige ist in der Vergangenheit bereits erheblich polizeilich in Erscheinung getreten.“ Das Innenministerium sieht aktuell keine Veranlassung, den Einsatz weiter untersuchen zu lassen. Specher Tobias Dunkel: „Die Nachbetrachtung wird in Krefeld gemacht, wir bekommen dann den Bericht. Ob der Einsatz eine nächste Ebene beschäftigen wird, kann ich ihnen beim besten Willen nicht sagen.“ Im Polizeipräsidium Krefeld war am Sonntag keine Einschätzung zu bekommen.

Polizei riegelt den Bereich großräumig ab

Als der Täter die Frau in seine Gewalt gebracht hatte, hatte ein Nervenspiel begonnen. Die Polizei evakuierte das Hansa-Centrum, riegelte den Bereich rund um den Knotenpunkt des öffentlichen Nahverkehrs mit zahlreichen Einsatzkräften ab. Immer mehr Polizisten aus der Umgebung wurden angefordert, unter anderem eine Hundertschaft aus Duisburg.

Gegen 13.45 trafen Einheiten eines Sondereinsatzkommandos ein. Sie näherten sich durch das Hansa-Centrum der Haltestelle, nahmen Kontakt zu dem Mann auf. Währenddessen wurden Angehörige der 68-Jährigen in der Polizeiwache betreut und bangten um die Seniorin. Zähe Minuten und Stunden, in denen sich nichts bewegte.

SEK schießt auf den Täter

Gegen 15.45 waren auch hinter der Absperrung drei Knallgeräusche zu hören. Der Täter war angeschossen und ins Bein getroffen worden. Sanitäter wurden durch die Absperrung gelassen. Kurz danach war zu sehen, wie zwei Polizisten die 68-Jährige entgegennahmen. Die Frau hatte Gesichtsverletzungen erlitten und wurde noch vor Ort ärztlich behandelt.

„Es ist unvorstellbar, was die Dame heute mitmachen musste“, sagte Polizeisprecherin Karin Kretzer wenige Minuten später über die 68-Jährige, die seelsorgerisch betreut wurde. Der Täter wurde noch am Samstag operiert. Weitere Informationen zu dem 46-Jährigen, der offensichtlich aus Affekt gehandelt hatte, wollte die Polizei nicht bekannt geben. Was bekannt ist: Die Kriminalpolizei hatte am Morgen zunächst versucht, den Mann an seiner Wohnung anzutreffen. Hinweise führten die Ermittler zu seinem Aufenthaltsort am Hauptbahnhof.

Bereits am Samstag kursierten im Internet sowohl Fotos als auch Videos der Geiselnahme. Die Westdeutsche Zeitung zeigt dieses Material mit Rücksicht auf das Opfer nicht. pasch/jh/hoss/mip

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