Wenn die Fraktionen am Donnerstag im Ausschuss die Ertüchtigungsvariante hinzufügen, hat das andere Gründe.

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Eine Sanierung des Seidenweberhauses rechnet sich nicht.

Eine Sanierung des Seidenweberhauses rechnet sich nicht.

Dirk Jochmann

Eine Sanierung des Seidenweberhauses rechnet sich nicht.

Krefeld. Die Gemengelage rund um die Zukunft des Seidenweberhauses ist hoch kompliziert, nicht nur vernunfts-, sondern natürlich auch interessengetrieben. So wird es am  in der Sitzung des Stadtplanungsausschusses wohl so kommen: SPD und CDU stellen den Antrag, die Verwaltungsvorlage um die Variante Sanierung zu erweitern. Klingt komisch, angesichts der deutlichen Fachexpertise, darauf zu verzichten, macht aber Sinn. Und nicht, weil man diese Bruchbude tatsächlich sanieren möchte.

CDU hat noch internen Gesprächsbedarf

Im Gegenteil ist man zumindest in der SPD davon überzeugt, dass Dezernent Linne richtig liegt mit seinem Urteil über den hässlichen, architektonisch misslungenen und am wichtigsten stadtplanerischen Zugang zur City störenden Klotz. Der macht die moderne Neuausrichtung des Theaterplatzes unter Einbeziehung der St. Anton-Straße quasi unmöglich.

Hinzu kommen die nackten Zahlen. Besonders interessant die Berechnung von SPD-Fachmann Jürgen Hengst, die bereits jetzt, ohne dass auch nur eine Kachel am Seidenweberhaus ausgewechselt wurde, von einem konsumtiven Kostenfaktor von über zwei Millionen Euro pro Jahr ausgeht. Tendenz steigend.

Dem Vernehmen nach wird dieser Wert sehr bald bestätigt, möglicherweise noch zur Sitzung am Donnerstagabend. Zum Vergleich: Diese jährliche Belastung für die Stadt als Mieter werden in der Wagener-Variante mit 1,5 Millionen Euro per anno bewertet, in der Kesselhaus-Variante mit 1,67 Millionen, also weit unter den Sanierungszuschüssen.

Trotzdem wird die Sanierung wohl wieder aufgenommen. In der CDU gibt es sehr unterschiedliche Haltungen zum Thema und diese Entscheidung müssen möglichst viele Schultern tragen. Wenn die CDU also noch mit der internen Interessenabwägung zwischen Eigenpositionierung vor der OB-Wahl 2020, Loyalität zu Parteimitglied Wagener, Korrektur des eigenen Planungsirrtums aus den 70er-Jahren und wirtschaftlicher Betrachtung beschäftigt ist, bleibt nur die Erweiterung der Vorlage. Auch wenn eine Komplettsanierung vernünftigerweise vom Tisch sein dürfte.

Das hat im Moment sogar Vorteile. Es muss errechnet werden, wie viel es kostet, das Seidenweberhaus für ein paar Jahre über 2019 hinaus nutzbar zu halten. Für eine Übergangszeit bis zur Fertigstellung eines Neubaus oder des Kesselhauses. Deshalb wäre „Ertüchtigung“ wohl der bessere Begriff.

Außerdem gibt es somit zumindest auf dem Papier eine Variante letztendlich in der Verhandlung mit Investoren, die Preise in Schach halten kann. Das Seidenweberhaus ist nach Maßstäben der Vernunft Geschichte, und die dürfen wir der engagierten Politik über alle Reihen zutrauen.

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