Mit rund 900 Menschen kommen deutlich mehr Teilnehmer als gedacht.

Gedenken
Vor dem Hauptbahnhof versammelten sich die Teilnehmer und zogen durch die südliche Innenstadt. Fotos (4): Andreas Bischof

Vor dem Hauptbahnhof versammelten sich die Teilnehmer und zogen durch die südliche Innenstadt. Fotos (4): Andreas Bischof

„Gerade jetzt gemeinsam“: Unter diesem Leitgedanken besuchte gestern der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski (2.v.r.) die Haci-Bayram-Moschee in Krefeld. Man müsse auf Menschen zugehen, die sich fälschlicherweise auf den Koran beziehen. Es sei wichtig, Kontakt zu suchen zu denen, die Gewalttaten verüben könnten, sagte Rekowski beim muslimischen Freitagsgebet. Zudem sollten Christen mit den Menschen sprechen, die Angst vor dem Islam haben. Mit dem Bekenntnis zum Dialog reagiert die Evangelische Kirche auf die Terroranschläge von Paris.

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Vor dem Hauptbahnhof versammelten sich die Teilnehmer und zogen durch die südliche Innenstadt. Fotos (4): Andreas Bischof

Krefeld. Schweigend setzt sich die Menge am Hauptbahnhof in Gang. „Wir sind Krefeld“ steht auf einem großen Banner, das Prinz Karneval Heribert II. und seine Prinzessin Christina I. mit vielen Prominenten festhalten und voranschreiten. „All onger een Kapp“ steht darunter, das diesjährige Sessionsmotto, das so gut auch zum Miteinander in der Stadt passt. Mit an der Spitze geht auch Ina Spanier-Oppermann, die den Schweigemarsch bei der Polizei angemeldet hatte. 200 Teilnehmer hatte die SPD-Landtagsabgeordnete erwartet. Rund 900 sind gekommen, stellt später die Polizei fest. Es wird ein stiller und mahnender Marsch durch die südliche Innenstadt.

Die Menschen sind dem Aufruf gefolgt und haben auf Fahnen und Flaggen verzichtet. Einige tragen Statements auf Din-A4-Blättern am Oberkörper, wo sie sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit aussprechen. Viele halten das Titelbild der jüngsten Ausgabe des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ vor sich. Darauf der Satz, der zum Symbol der Trauer um die in Paris getöteten Mitarbeiter geworden ist: „Je suis Charlie“ (übersetzt: Ich bin Charlie).

Es ist überaus still auf Hansa-, Neusser und der Hochstraße, als sich der Zug aus hunderten Menschen zum Neumarkt bewegt. Viele tragen Kerzen im Gedenken an die Opfer des Terrors in Frankreich, dem Hauptanliegen der Veranstaltung.

Im Kreis wird am Neumarkt der Terroropfer gedacht

Aus einem Saxophon erklingt Stings „Fragile“ in sanften Tönen, als sich der Zug in einem Kreis auf dem Neumarkt zusammenfindet. Nach einigen Minuten des Schweigens dankt Ina Spanier-Oppermann den Teilnehmern dafür, dass sie hier ein Zeichen gesetzt haben. Im Gespräch mit der WZ zeigt sie sich überwältigt, wie viele Menschen gekommen sind: „Damit hatte ich nicht gerechnet. 200 waren angemeldet und ich hatte auf mindestens 150 gehofft. 900 sind überwältigend.“ Es sei ein Zeichen dafür, dass die Bewohner zusammenstehen: „In Krefeld breiten wir unsere Arme weit aus für alle, egal welchen Ursprungs.“

Auch Prinz Heribert II. zeigt sich begeistert. Zahlreiche Vertreter aller Parteien und viele Organisationen Krefelds seien gekommen, auch die gesamte Verwaltungsspitze. „Das war ein leiser und sehr würdiger Rahmen.“

Im Vorfeld des Schweigemarsches hatte auch der Vorsitzende des Integrationsrates, Sayhan Yilmaz, zur Teilnahme aufgerufen, dem offenkundig viele gefolgt sind. „Mir ist wichtig, dass sich möglichst viele Mitbürger für gegenseitige Toleranz und eine gelingende Integration engagieren.“ Dies sei ein Zeichen gegen all jene, die das friedliche Zusammenleben der Menschen zerstören wollten.

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