Das Fichte-Gymnasium gestaltete diesmal den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Aktion
Schülerinnen und Schüler des Fichte-Gymnasiums gestalteten den Gedenktag.

Schülerinnen und Schüler des Fichte-Gymnasiums gestalteten den Gedenktag.

Andreas Bischof

Schülerinnen und Schüler des Fichte-Gymnasiums gestalteten den Gedenktag.

Krefeld. Beklemmend intensiv und authentisch: Die sechs Schüler des Fichte-Gymnasiums spielen auf zwei Bühnen im dunklen, rund 50 Meter langen Zugangstunnel zum Südbahnhof Alltag im Konzentrationslager. Der Kampf der zerlumpten Opfer um eine Decke, um einen Happen Essen im Zeichen der braunen Gewalt lässt die Besucher erstarren. Inszeniert hat die Szenen Yvonne Keßel.

Jeder Besucher erhält Foto und Text über eines der Opfer

„Ich und anders“ haben die Schüler zum Leitmotto des internationalen Auschwitz-Gedenktages gemacht. In einem Text heißt es dazu: „Für den anderen bin ich der andere. Ich bin der andere für jeden anderen. Und jeder andere ist ein Ich, das für alle anderen ein anderer ist.“

Rund anderthalb Stunden dauert das Programm für die über hundert Gäste im Kulturzentrum an der Saumstraße. Unter ihnen auch Michael Gilad und Johann Schwarz von der jüdischen Gemeinde.

Jeder Besucher erhält ein Foto mit einem Text über einen Mitbürger, der in den Vernichtungslagern der Nazis umgekommen ist. Alleine die jüdische Gemeinde in Krefeld betrauert den Tod von über 1000 Mitgliedern. Zum Beispiel Helmuth Zanders, 1942 nach Izbica deportiert und 1945 für tot erklärt. Er wurde nur 23 Jahre alt.

Oberbürgermeister Gregor Kathstede mahnt dazu, wachsam zu bleiben, rechten Extremisten keine Chance zu geben. Konsequenz aus dem Erinnern müsse sein: „Wir müssen täglich Freiheit, Frieden, Menschenrechte und Demokratie verteidigen.“ Mit Blick auf die Mörder der NSU meinte er, die Rechte formiere sich neu, nutze moderne Kommunikationsmedien, biete einfache Lösungen für komplizierte Vorgänge an. Kathstede: „Wir haben die Pflicht, uns einzusetzen gegen die menschenunwürdige Behandlung anderer Menschen.“ Neben dem Blick zurück steht das Gedenken auch im Zeichen der Zukunft. Schule sei nicht nur für die Vermittlung von Wissen zuständig, sondern sei „Zukunftswerkstatt“.

Im Dialog zwischen der Schulleiterin Waltraud Fröchte und dem Kunsthistoriker Ron Manheim heißt es: „Die Einzigartigkeit gibt uns Würde, sie ist der Grund für unsere Ansprüche auf Unverletzlichkeit, auf Anteilnahme, auf Liebe.“ Manheims Großeltern wurden in Auschwitz von den Nazis getötet. „Ihr Tod ist Gegenwart, solange er gegenwärtig ist.“

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