Christian Kraus wünscht sich autofreie Verkehrsachsen, die auf kurze Zeit zum Lebensraum werden.

Christian Kraus probiert’s schon mal aus. Wie wäre es, wenn die Straße einmal nicht den Autos, sondern den Menschen gehört?
Christian Kraus probiert’s schon mal aus. Wie wäre es, wenn die Straße einmal nicht den Autos, sondern den Menschen gehört?

Christian Kraus probiert’s schon mal aus. Wie wäre es, wenn die Straße einmal nicht den Autos, sondern den Menschen gehört?

Dirk Jochmann

Christian Kraus probiert’s schon mal aus. Wie wäre es, wenn die Straße einmal nicht den Autos, sondern den Menschen gehört?

Krefeld. Kein Straßenlärm stört die Stille. Kein Gestank von Abgasen verpestet die Luft. Die Hektik hat Pause. Dafür stehen Menschen plaudernd mitten auf der Fahrbahn zusammen, ruhen sich zwischen Straßenbäumen auf Liegestühlen aus oder musizieren spontan in Nachbars Vorgarten.

Dies könnte sich so auf der gesperrten Wilhelmshofallee abspielen. Es dürften für Christian Kraus auch Teile der Kölner-, Hülser- oder Uerdinger Straße sein, die er vom Kraftfahrzeugverkehr stundenweise befreien möchte. Mit dem Projekt "Summer Street" will der 45-Jährige den Menschen neue Lebensräume schenken; und das am besten nicht nur einmal, sondern immer wieder sonntags.

Stadtplaner erinnert an die autofreien Sonntage der 1970er

"Die autofreien Sonntage in den 70er Jahren waren doch toll, einfach nur schön", sagt der Architekt und Stadtplaner und erinnert an Spaziergänger auf der Autobahn. Kraus: "Damals haben wir den öffentlichen Raum sofort anders erfahren. Die Lebensqualität stieg. Ich möchte den Menschen auch heute diese Möglichkeit geben, die Straße zu ,entschleunigen’ um sie spontan neu zu bespielen."

Es sei spannend, zu beobachten, was ohne Autos und Busse auf der Straße geschehe, denkt der begeisterungsfähige Mann. "Hören wir wieder lachende Kinder, das Rauschen der Blätter an den Straßenbäumen oder den Klavierspieler von nebenan? Entstehen gemeinsame Spaziergänge oder Lauftreffs, kommen Nachbarn am spontan herausgestellten Biertisch zusammen, veranstalten sie gemeinsam ein Picknick? Wird die Straße zum Wohnzimmer?"

Die Idee als solche ist nicht neu. New York macht es auf der Park Avenue, Köln auf den Ringen und in Paris passiert es auch. Die französische Metropole hat es dem Architekten besonders angetan. "Die Initiatoren sperren im Sommer zeitweise die Uferstraße an der Seine und es entsteht Paris Plage, der Strand inmitten der Stadt. Aus der Verkehrsachse wird ein Boulevard. Das kann Krefeld auch."

Mit seiner Idee für die "Summer Street" hat er an der Imagekampagne der Stadt "Krefeld - schöner hier" teilgenommen. Er gehört mit seinem Projekt zu den drei besten Einsendern. Kraus ist 45 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Der Diplom-Ingenieur besuchte das Arndt-Gymnasium und studierte in Stuttgart und Tübingen Architektur und Stadtplanung. Kraus verbrachte einige Zeit in New Jersey. Dort lernte er eine jüdische Familie kennen. Sie inspirierte ihn, in einen israelischen Kibbuz zu gehen. Er lernte Arabisch. Mit seiner französischen Frau "erfuhr" er Paris mit dem Rad. "Es ist eine andere Art, sich eine Stadt zu erschließen", sagt er. Im Krefelder Zoo hat Kraus gerade das alte Bauernhaus saniert und ist jetzt für die Gestaltung des neuen Eingangsbereiches zuständig. Sein Büro für urbane Gestaltung liegt an der Friedrich-Ebert-Straße.

Bis Ende des Monats haben interessierte Krefelder die Gelegenheit, sich an der Endabstimmung um die beste Idee zu beteiligen. Die Vorschläge stehen auf der Website www.krefeld-schoen-hier.de zur Abstimmung bereit. Die Siegeridee wird Anfang März bekannt gegeben und soll noch in diesem Jahr realisiert werden. Dazu stehen 60 000 Euro zur Verfügung.

Den Ostwall zu sperren, hält er verkehrstechnisch für nicht machbar. Es bringe so schon viel Kleinarbeit mit sich, viel Enthusiasmus sei gefragt, die Straßen "umzuwidmen". Autos, Busse und Bahnen müssen fachgerecht umgeleitet und die betroffenen Anlieger an einen Tisch gebracht werden. Darüber hinaus sollte die Straße eine gewisse Prominenz und Aufenthaltsqualität, möglichst mit Außengastronomie, besitzen und nicht weit von der Innenstadt entfernt, aber nahe an Parks und Plätzen liegen.

Der 45-Jährige betont, dass dies keine einmalige jährliche Veranstaltung wie die Straßenmodenschau oder ein Straßenfest sein dürfe. "Die ,Summer Street’ könnte den Menschen zum Start beispielsweise an vier Feriensonntagen geschenkt werden. Dann sehen wir, was passiert."

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