Sieben Anbieter von Kursen bitten Abgeordneten um Hilfe. Das Bundesamt soll mehr Geld locker machen.

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Integrationskurse werden als wichtig erachtet – aber es fehlt Geld.

Integrationskurse werden als wichtig erachtet – aber es fehlt Geld.

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Integrationskurse werden als wichtig erachtet – aber es fehlt Geld.

Krefeld. Einträchtig sitzen die vier Verantwortlichen der sieben anerkannten Anbieter von Integrationskursen mit Siegmund Ehrmann zusammen. Sie haben den SPD-Bundestagsabgeordneten um ein Gespräch gebeten, um ihr Anliegen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in München deutlich zu machen.

Am Herzen liegt ihnen vor allem, dass die vielen Integrationswilligen nicht aus Gründen der Kostenersparnis von den Sprachkursen ausgeschlossen werden. Als das Budget im Herbst letzten Jahres trotz Aufstockung ausgeschöpft war, wuchs die Warteliste in Deutschland bis zum Jahresende auf 9000 Menschen an.

Weniger problematisch seien die Kurse für Ausländer, die einen Anspruch nach dem Aufenthaltsgesetz haben oder – wie Hartz-IV-Empfänger – zur Fortbildung verpflichtet werden. „Die Teilnehmer dieser Gruppen erhalten kurzfristig einen Kursplatz“, sagt Doris Schlimnat von der VHS.

„Sorgen bereiten uns vor allem Frauen, die noch nie eine Schule besucht haben und sich – zum Teil gegen den Widerstand der Männer – zur Teilnahme durchgerungen haben und dann aus finanziellen Gründen abgewiesen werden oder weil sie die Prüfung nicht bestehen“, erläutert Karin Mennig-Flock von der Caritas.

Anbieter teilen spezielle Kursangebote untereinander auf

„Ein Riesenproblem sind ferner die Teilzeitkurse für Berufstätige, die mit 15 Unterrichtspflichtstunden an drei Abenden pro Woche überfordert sind“, so Heike Bauland von Lernart. Dabei seien Erfolge spürbar. „Bis zu 80 Prozent der Teilnehmer erlangen in den Kursen ein derart gutes Niveau, das eine flüssige Unterhaltung ermöglicht“, sagt Martha Rodenbusch vom Internationalen Bund.

Seit 2005 gibt es staatlich verordnete Sprachkurse mit Prüfung für bestimmte Migranten- und Flüchtlingsgruppen. Die Kostenbefreiung gilt jedoch nicht für alle Familienmitglieder. Der Anspruch ist nach dem Aufenthaltsgesetz geregelt.
 

 Die Kosten pro Kursteilnehmer betragen im Durchschnitt 2000 Euro. Das Jahresbudget in Deutschland beträgt 266 Millionen Euro, reicht aber nicht aus. Ende 2010 standen 9000 Menschen auf der Warteliste.
 

Sieben Bildungsträger führten die Kurse in Krefeld für fast 500 Teilnehmer im letzten Jahr durch. Die staatliche Vergütung beträgt 2,35 Euro pro Kopf und Stunde. Die Teilnehmerzahl pro Kurs ist auf 20 begrenzt, bei Alphabetisierungskursen auf zwölf.
 

Als weiteres Handicap beklagen die Kursanbieter die staatliche Vergütung von 2,35 Euro pro Teilnehmer und Stunde. Doch Not macht erfinderisch. Damit sich die Durchführung für die Veranstalter rechnet, haben sie sich auf bestimmte Kurse wie für Frauen, Jugendliche und für die Alphabetisierung spezialisiert und die Interessenten untereinander aufgeteilt. Man kenne sich aus den Arbeitsgruppen des Krefelder Netzwerkes und verstehe sich gut.

Siegmund Ehrmann lobte die Zusammenarbeit der Bildungsträger in Krefeld. „Ich möchte, dass sich Menschen aus anderen Ländern besser in unserer Gesellschaft zurechtfinden.“ Deshalb will sich der Bundestagsabgeordnete dafür einsetzen, dass Teilnehmer von Alphabetisierungskursen auch bei nicht bestandener Prüfung eine zweite Chance erhalten, das Teilzeitangebot für Beschäftigte zeitlich entzerrt und der Zugang zu den Kursen erleichtert wird.