In einigen Stadtteilen schließen Cafés und Restaurants, Lebensqualität geht verloren.

Krefeld. Mehr als 30 Jahre lang hat sich Gastronom Jürgen Peltner nie öffentlich zu Wort gemeldet. Lieber hat sich der Betreiber des Sonnenhofes an der Uerdinger Straße mit viel Arbeit einen Namen verschafft. Die Berichterstattung der WZ mit der Überschrift "In Linn fehlen Cafés" hat ihn nun doch dazu bewogen, in die Offensive zu gehen.

"Die Vermieter sind schuld an der Misere. Es wurde über Jahrzehnte versäumt, mit der Zeit zu gehen und die Gebäude zu sanieren", sagt der 60-Jährige.

Unterstützung erhält er von Daniela Leven, die mit ihrem Mann Dirk zehn Jahre das Café Klatsch am Bellenweg in Forstwald betrieben hat. Als Ende 2008 der Pachtvertrag auslief, verhandelte das Ehepaar mit den Eigentümern, einer Immobiliengesellschaft aus Willich, über die dringend notwendige Sanierung.

"Das Dach war defekt, der Keller hätte ausgeschachtet werden müssen", berichtet Daniela Leven. Zu Investitionen sei die Gesellschaft aber nicht bereit gewesen, "obwohl wir in zehn Jahren rund 200.000 Euro Pacht bezahlt haben", sagt sie. Jetzt konzentriert sich das Ehepaar auf das Stammgeschäft in Oppum.

Ohne eine Sanierung droht dem Parkhaus in Oppum das Aus

Mit dem Parkhaus Oppum steht der nächste große Gastronomiebetrieb wegen ausgebliebener Sanierungen vor Schwierigkeiten. Nach Ansicht von Carlo Santoriello, der erst im Juni 2008 eingezogen ist, müssen der Saal, die Theke und die Toilette renoviert werden.

Werner Siebertz, CDU-Sprecher im Liegenschaftsausschuss: "Gastronomiebetriebe gehören nicht zur Daseinsvorsorge der Bürger. Nach Möglichkeit sollte die Stadt sie daher verkaufen. Nur Eigentümer werden in ihren Häusern glücklich. Dass beim Liegenschaftsamt was im Argen liegt, kann ich nicht bestätigen."

Ulrich Hahnen, SPD-Fraktionsvorsitzender: "Würde die Stadt sämtliche Betriebe verkaufen, würde sie jeglichen Einfluss verlieren. An der Burg Linn oder im Stadtwald ist es gut, lenken und leiten zu können. Aber wir brauchen eine schlagkräftige Einheit, damit bei dem Thema nicht jeder vor sich hin wurschtelt."

Joachim C. Heitmann, FDP-Fraktionschef: "Dem jetzigen Liegenschaftsamt fehlt die Flexibilität und Kompetenz. Mit dem Personal kommen wir nicht weiter. Nur mit einem Eigenbetrieb könnte Managementqualität gewonnen werden. Alle städtischen Gastro-Betriebe müssen auf den Prüfstand."

"Es ist einiges zu tun. Und ohne Sanierung ist das Haus nicht profitabel zu betreiben", sagt Santoriello, was ihm ein Steuerberater schwarz auf weiß gegeben hat. Ein Architekten-Gutachten spricht von einer "durchgreifenden Modernisierung, die zur Revitalisierung dringend erforderlich ist".

Der Gastronom hat den Verpächter, den Tanzsportclub (TTC) Philadelphia, daher um Aufhebung des Pachtvertrages gebeten. Inzwischen hätten allerdings gute Gespräche mit dem TTC über eine Sanierung und eine Pachtminderung stattgefunden, erklärt Carlo Santoriello.

Ähnlich wie Jürgen Peltner, der sich im Frühjahr 2002 in das Abenteuer Burg-Café stürzte, hat Santoriello viel Geld in das Haus gesteckt. "Aber immer wieder treten neue Dinge auf", sagt er.

Im Burg-Café, berichtet Peltner, schimmelte es im Bierkeller, die Heizung fiel im Winter aus, einige Geräte in der Küche liefen nicht. Die erstaunliche Reaktion des Vermieters: Eine Pachterhöhung um ein Drittel. "Obendrein wurden wir von einigen Linnern gemobbt. Sie sind selber schuld, dass nun im Ortskern nichts mehr los ist", sagt Peltner.

Eigentümer des Parkhauses Oppum ist, wie beim Winkmannshof, die Stadt Krefeld, die beide Objekte wiederum langfristig weiterverpachtet hat. "Die Liegenschaftsverwaltung ist hoffnungslos überfordert mit der Situation. Das Management der städtischen Betriebe muss auf andere Beine gestellt werden", sagt FDP-Fraktionschef Joachim C. Heitmann.

SPD-Kollege Ulrich Hahnen sagt: "Wir brauchen eine Stadtentwicklungsgesellschaft, in der Liegenschaftsamt, Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung zusammenarbeiten."

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