Werke des Bildhauers und Goldschmieds sind ab Sonntag, 11.30 Uhr, in der Alten Post an der Steinstraße zu sehen.

Werke des Bildhauers und Goldschmieds sind ab morgen, 11.30 Uhr, in der Alten Post an der Steinstraße zu sehen.
Die Enkel Caroline Maria Weber (l.) und Matthias Weber mit dem „Gemmen-Kreuz“ (1965), das viele Jahre in der ehemaligen katholischen Kirche St. Franziskus in Krefeld hing.

Die Enkel Caroline Maria Weber (l.) und Matthias Weber mit dem „Gemmen-Kreuz“ (1965), das viele Jahre in der ehemaligen katholischen Kirche St. Franziskus in Krefeld hing.

Andreas Bischof

Die Enkel Caroline Maria Weber (l.) und Matthias Weber mit dem „Gemmen-Kreuz“ (1965), das viele Jahre in der ehemaligen katholischen Kirche St. Franziskus in Krefeld hing.

Krefeld. Von 1949 bis 1967 war der Bildhauer und Goldschmied Hein Wimmer an der Werkkunstsschule in Krefeld tätig – nun präsentiert der Verein Kunst in Krefeld einen interessanten Ausschnitt aus seinem umfangreichen Werk. Am morgigen Sonntag, 5. März, um 11.30 Uhr ist die Eröffnung. Hein Wimmer lebte von 1902 bis 1986. Er wurde in Leverkusen geboren und hatte sein Atelier in Köln. Schwerpunkt war bei ihm immer die sakrale Kunst: „Mein Großvater war ein gläubiger Katholik“, sagt seine Enkelin Caroline Maria Weber. „Das kann man an seinem Werk deutlich ablesen.“ So ist in der Alten Post an der Steinstraße 5 ein von Wimmer geschaffenes Kreuz ausgestellt – es hing in der unlängst St. Franziskus-Kirche in der Wielandstraße.

Das Altar-Kreuz aus St. Franziskus ist aus der Nähe zu sehen

Auch das Tabernakel und ein Osterkreuz aus St. Franziskus stellte die Gemeinde Heilig Geist für die Präsentation zur Verfügung. Der nahe Blick auf das Kreuz ist etwas sehr Besonderes. Denn es ist dafür geschaffen, über dem Altar zu hängen und von dort seine Wirkung zu entfalten. In der Ausstellung jedoch kann der Betrachter die Elemente genau in Augenschein nehmen. Auf die vier Arme des Bronzekreuzes sind Bergkristall, Elfenbein, Emaille und Silber aufgesetzt, alle sorgfältig gefasst. Wimmer hat für dieses Kreuz eine alte Gestaltungsform gewählt – auch der Heilige-Drei-König-Schrein etwa im Kölner Dom ist mit solchen Gemmen (dt. Schmucksteinen) besetzt. Aber seine künstlerische Auffassung ist modern – die Formensprache der Nachkriegszeit ist deutlich zu erkennen. „Es ist ein Gemmenkreuz“, erklärt Caroline Maria Weber. Zusammen mit ihrem Bruder Matthias Weber hat sie die Ausstellung kuratiert: Sie sind die einzigen Enkel des vielseitigen Künstlers. Die Mutter beider ist mit einem Werkverzeichnis befasst. „Wir kennen etwa 90 bis 95 Prozent der Arbeiten meines Großvaters“, sagt Matthias Weber. Doch bei ihrer Recherche haben sie auch ihnen Unbekanntes gefunden.

Die beiden Webers haben schon in Köln einen Blick auf die Werke des Großvaters möglich gemacht – in Krefeld erfährt die Schau eine bedeutende Erweiterung durch die Gegenstände aus St. Franziskus. Eine andere, weltliche Arbeit Hein Wimmers haben schon sehr viele Krefelder gesehen: Er hat die Bürgermeister-Kette entworfen, die nur bei offiziellen Anlässen getragen wird. Vier verschiedene Vorschläge hat Wimmer dazu vorgelegt. Von ihnen sind die Zeichnungen in der Alten Post zu sehen.

Auch das Wappen über dem Eingang zum Krefelder Rathaus hat Wimmer geschaffen. Seine sakralen Werke sind nicht nur in Krefeld oder Köln, Paderborn oder Marienthal zu sehen. Auch nach Rom ging eine kirchliches Gerät von Hein Wimmer.

Die Ausstellung von Bildhauer und Goldschmied Hein Wimmer (1902–1986) in den Räumen von Kunst und Krefeld an der Steinstraße 5 ist bis zum 23. April zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Mittwoch und Donnerstag, 15 bis 18 Uhr und Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Die Eröffnung ist am Sonntag um 11.30 Uhr. www.kunstundkrefeld.de

Als Meisterschüler schuf er eine vergoldete Strahlenmonstranz mit Bergkristallen für Papst Pius XI. Eine Schützenbruderschaft pilgerte 1929 nach Rom und überreichte das Geschenk an den Pontifex. „Wir wissen aber nicht, ob die Monstranz noch in Rom ist“, sagt Caroline Weber. „Denn der Vatikan verschenkt auch manchmal sakrale Geräte an andere Gemeinden.“ Die Geschwister Weber haben die Ausstellung mit viel Sachverstand zusammengetragen.

Aber auch mit vielen intimen Kenntnissen, denn Großeltern und Eltern waren in dem Atelier tätig. „Der Mikrokosmos aus Familie und Kunst war für uns als Kinder und Jugendliche eine Selbstverständlichkeit“, sagen die Geschwister. An einem Porträtfoto lesen sie ab, was sie an dem vor 31 Jahren Verstorbenen so mochten: „Unser Großvater hat alles aufgesogen, was er von den Künstlern lernen konnte und es mit vollem Herzen weitergegeben.“ Einige seiner Schüler haben sich schon zu der Ausstellung angesagt.

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