Tasten, Hören, Riechen – Paul-Günter Schulte will die Geschichte Krefelds auf ungewöhnliche Art erkunden.

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Paul-Günter Schulte verlässt in wenigen Wochen das Stadtarchiv. Doch er will weiterhin die Geschichte Krefelds erforschen. (Archiv

Paul-Günter Schulte verlässt in wenigen Wochen das Stadtarchiv. Doch er will weiterhin die Geschichte Krefelds erforschen. (Archiv

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Paul-Günter Schulte verlässt in wenigen Wochen das Stadtarchiv. Doch er will weiterhin die Geschichte Krefelds erforschen. (Archiv

Krefeld. Von wegen Ruhestand. Wenn der Stadtarchivar Paul-Günter Schulte in wenigen Wochen seinen Arbeitsplatz verlässt, will er sich weiter mit Krefelds Stadtgeschichte befassen - auf höchst ungewöhnliche Weise. "Es gibt ein Bild der Stadt in Vergangenheit und Gegenwart, das nicht in Akten steht," weiß Schulte.

Er will die "Grundmelodie" der Stadt erforschen, den Habitus, der Krefeld von anderen Städten unterscheidet, bis hin zu Alltagsgewohnheiten und bestimmten Speisen. "Junge Menschen werden durch ihre Sinneserfahrungen geprägt. Schmecken, riechen, hören, die Wohnung oder bestimmte Mahlzeiten bleiben als Grunderfahrung haften."

Schultes Frau Josy hat ihrem Mann ein Buch mitgebracht: "Der Geschmack von Wien". Das hat Schultes Idee bestätigt, ein Stadtbild aus Quellen der Medien, der Literatur, der Erzählungen zusammen zu setzen. Dabei gilt es, Schwerpunkte herauszuarbeiten: "Bürgerliche Emanzipation, kulturelle Vielfalt und ökonomische Innovation sind typisch für Krefeld."

Daneben will er aber auch im Stadtporträt berücksichtigt sehen, welche Rollen Alt-Bier, Flöns oder Mode spielen. Auch in der Musikgeschichte unterscheidet sich Krefeld nach Schultes Meinung von anderen Städten.

Den Verein, in dem Paul-Günter Schulte seine künftige Aufgabe sieht, hat er selbst mit aufgebaut. Er ist Schriftführer im Otto-Brües-Freundeskreis, der seit 15 Jahren das Haus des Schriftstellers und Krefelder Ehrenbürgers an der Gutenbergstraße als Niederrheinisches Literaturhaus betreut.

Brües’ Tochter Eva (81), lange Museumsdirektorin von Schloss Rheydt, will es und zwei weitere Häuser in Köln und Bayern testamentarisch der Stadt überlassen.

Paul-Günter Schulte hat die Vorstellung, hier ein Zentrum der Literatur aufzubauen. So könnte auch zeitgenössische Literatur im Haus neben dem Wasserturm Platz finden: Die kürzlich gegründete Heinar-Kipphardt-Gesellschaft, die Dante-Gesellschaft oder die Gertrud-von-le-Fort-Gesellschaft könnten hier ihre Aktivitäten bündeln.

Schulte: "Eva Brües hat die Schenkung im Vertrauen auf die kulturelle Verantwortung der Stadt angekündigt."

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