Der Strom zieht sich in sein Bett zurück. Doch die Wirtschaftlichkeit der Transporte ist per Klausel gesichert.

Ein Massengut-Transporter vor Uerdingen. Gut zu sehen: Die Uferbänke, von denen sich das Wasser zurückgezogen hat.
Ein Massengut-Transporter vor Uerdingen. Gut zu sehen: Die Uferbänke, von denen sich das Wasser zurückgezogen hat.

Ein Massengut-Transporter vor Uerdingen. Gut zu sehen: Die Uferbänke, von denen sich das Wasser zurückgezogen hat.

Dirk Jochmann

Ein Massengut-Transporter vor Uerdingen. Gut zu sehen: Die Uferbänke, von denen sich das Wasser zurückgezogen hat.

Krefeld. Die gute Nachricht zuerst: Der für Anfang Oktober extrem niedrige Pegel des Rheins von derzeit 91 Zentimetern kann sogar noch weiter sinken, ohne die Wirtschaftlichkeit der Binnenschifffahrt in Krefeld zu beeinträchtigen.

Die schlechte: Das Aneinandervorbei-Manövrieren von Frachtkähnen wird zu einem riskanten Wagnis. Vor zwei Wochen sind bereits zwei Schiffe bei Kleve kollidiert. Und auch für das geplante Kohlekraftwerk könnte ein niedriger Wasserstand Probleme bringen.

Der Hafen in Uerdingen bleibt dank Tiefwasserrinne erreichbar

"Zunächst profitieren wir in Krefeld noch von der Tiefwasserrinne", beruhigt Andreas Hamm, Pressebeauftragter für den Rheinhafen. Diese Rinne ist auf eine Tiefe von 2,80 Meter ausgebaggert und sorgt dafür, dass Schiffe, die im regelmäßigen Verkehr Krefeld anlaufen, dies auch weiterhin tun können. "Große Schubverbände, die den Rhein weiter hinauf fahren, bekommen allerdings jetzt schon Probleme." Bei Ludwigshafen und Mannheim haben Fähren ihren Verkehr über den Rhein bereits eingestellt.

Erwin Spitzer, Sprecher des Bundesverbandes Deutsche Binnenschifffahrt (BDB), kann bestätigen, dass das Niedrigwasser für den Krefelder Hafen derzeit nicht dramatisch ist: "Für die Kapitäne ist es allerdings tatsächlich etwas kniffeliger geworden, aneinander vorbei zu kommen. Der Rhein ist zwar in seinen Fahrrinnen tief genug, aber das Problem auch am gesamten Niederrhein ist die fehlende Breite des Stroms. Daher wirken die Fachtschiffe auch wie Perlen an einer Kette aufgereiht."

Wirtschaftliche Probleme für die Binnenschifffahrt befürchtet Spitzer nicht: "Schon jetzt nehmen die Kapitäne weniger Fracht auf. Mitunter wird die Zuladung um die Hälfte reduziert. Trotzdem rechnet sich der Transport, denn durch den so genannten Kleinwasserzuschlag, der ein uralter Handelsbrauch ist, zahlen die Auftraggeber per Vertragsklausel in solchen Fällen einen Aufschlag."

Der Pegelwert besagt nicht, dass der Rhein tatsächlich auch so tief ist. Vielmehr geht der Wert von einem festen Wasserstand aus, zu dem sich der Pegel hinzu addiert. Hinzu kommt noch die Fahrrinnen-Tiefe.

Das bedeutet: Für das Minus an Fracht im Schiff kann der Betreiber ein Plus durch den Zuschlag verbuchen. Spitzer: "Das können bis zu 100 Prozent sein, so dass den Betreibern keine Ausfälle entstehen."

Mit etwas Sorge beobachtet man bei der Kraftwerks-Projektgruppe Trianel den sinkenden Pegelstand. Die dortige Technik sieht eine Kühlung des Kraftwerks mit Rheinwasser vor. Eine Zufuhr von 23 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ist dazu notwendig. "Derzeit gäbe es noch keine Probleme", erklärt Jürgen Bewerunge, Projektleiter Technik bei Trianel. "Doch wenn das Wasser weiter sinkt, würde die Leistung darunter leiden."

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