Gastronomen und Vereine rufen zur Demonstration am 4. Juli am Seidenweberhaus auf.

Geht es nach der Meinung vieler Gastronomen, dann sollen diese Angebote eine Ausnahme bleiben.
Geht es nach der Meinung vieler Gastronomen, dann sollen diese Angebote eine Ausnahme bleiben.

Geht es nach der Meinung vieler Gastronomen, dann sollen diese Angebote eine Ausnahme bleiben.

dpa

Geht es nach der Meinung vieler Gastronomen, dann sollen diese Angebote eine Ausnahme bleiben.

Krefeld. Jannis Strigkos von der Stadtschänke an der Lohstraße sieht bedrückt aus. Er ist einer von rund zwei Dutzend Gastronomen und Vereinsvertretern, die sich in der Alten Post an der Sternstraße treffen. Die Eckgaststätte wird Ende des Monats schließen. Auch Jannis Strigkos trägt sich damit, seinen Laden nach zwölf Jahren dichtzumachen.

„Es sind die Probleme mit den Nachbarn, die sich von den Rauchern vor der Tür belästigt fühlen“, sagt der 54 Jahre alte Grieche. Und natürlich seien die Umsätze nach der Verschärfung der Anti-Raucher-Gesetze in den Keller gegangen. „Die Raucher, die vor der Tür stehen, konsumieren ja nicht“, meint der Gastronom, der mit Partnerin Evi das Lokal in der City betreibt.

Nach einer Schockstarre wegen des Erlasses aus Düsseldorf aber machen die Raucher auch in Krefeld mobil. Die rot-grüne Regierung hat mit der Novellierung des Nichtraucherschutzgesetzes alle bisherigen Nikotin-Schlupflöcher geschlossen. Insbesondere sind davon die kleinen Kneipen betroffen, die vor allem vom Getränkeumsatz leben. Investitionen in Belüftungsanlagen wurden mit einem Schlag wertlos. Raucherklubs verloren ihren Status.

Im Krefelder Norden werden bald vier Betriebe aufgeben

Die Raucher – auch in der Alten Post – müssen vor die Tür. Christina Schwirtz-Lindner organisiert in Krefeld die Gegenbewegung. Die Wirtin der Paulus-Klause an der Hülser Straße, verweist darauf, dass alleine im Krefelder Norden vier Betriebe in diesen Wochen aufgeben. Neben der Alten Post sind dies das Haus Altherr, Armer Peter und Blumentalklause. Auch der Rathaustreff stehe vor dem Aus. Das sei aber nur der Anfang, befürchtet Schwirtz-Lindner. „Warten wir erst den Herbst und den Winter ab.“

Deshalb rufen Gastronomen, Gäste, Schützen-, Karnevals- und Sportvereine zur Demonstration und Kundgebung für den 4. Juli ab 16 Uhr am Theaterplatz auf. Damit wollen sie die Ratsmitglieder, die eine Stunde später im Seidenweberhaus tagen, auf ihre Probleme aufmerksam machen. Plakate und Flugblätter weisen auf die Demonstration hin.

Wer als Gast gegen das Gesetz verstößt, muss bei mehrmaligen Vergehen bis zu 1000 Euro Strafe zahlen. Wer als Gastronom nicht dafür sorgt, dass die Regelungen des Nichtraucherschutzgesetzes eingehalten werden, kann mit bis zu 2500 Euro belangt werden.

Im NRW-Nichtraucherschutzgesetz wird nicht zwischen verschiedenen Nikotinprodukten wie zum Beispiel Zigaretten, Zigarren, Kräuterzigaretten oder E-Zigaretten unterschieden. Die Nutzung dieser Produkte ist in Bereichen, in denen der gesetzliche Nichtraucherschutz ohnehin besteht, nicht zulässig.

Nach dem aktuellen Gesetz sind zukünftig alle öffentlichen Einrichtungen der Kommunen sowie öffentlich zugängliche Laufflächen in Einkaufszentren in die Regelungen einbezogen. Zudem schließt das neue Gesetz die Errichtung von Raucherräumen in Sport-, Kultur und Freizeiteinrichtungen aus. Bei Brauchtumsveranstaltungen, auch in Festzelten, besteht ebenfalls ein Rauchverbot.

Der Schutz von Kindern und Jugendlichen wird ausgeweitet. Das neue Nichtraucherschutzgesetz gilt auch bei nichtschulischen Veranstaltungen in Schulen und auf ausgewiesenen Kinderspielplätzen.

Unterschriftenlisten gegen die Novellierung kursieren NRW-weit in den Gaststätten. Sie sollen an den Petitionsausschuss im Landtag gehen. Symbolisch werden den rot-grünen Landtagsabgeordneten Lokalverbote erteilt. Betroffen sind in Krefeld davon die SPD-Politiker Ulrich Hahnen und Ina Spanier-Oppermann.

Raucher-Aktivist Heribert Boosen sieht das Datum vor allem als Auftakt für eine lange Kampagne gegen das absolute Rauchverbot in Gaststätten. „Bremen und Hamburg zeigen, dass es auch anders geht. Auch viele Nichtraucher zeigen sich inzwischen solidarisch gegen die kompromisslose Politik von Rot-Grün.“

Es gelte jetzt, so Boosen, sich gegen die Auswüchse zur Wehr zu setzen. „Wer weiß, was die sonst noch mit uns machen.“ Hauptredner am 4. Juli ist übrigens der bestens bekannte Sport- und Karnevalsfunktionär (Spielsport/Lustige Klosterbrüder), Egon Michael Düster. Er ist Nichtraucher „aus Überzeugung, aber mit Toleranz gegenüber Andersdenkenden.“

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