Jubel bei den Liberalen, Entsetzen bei der SPD.

Krefeld. Um 18.45 Uhr ist der Zeitpunkt da. Die Liberalen stoßen im Rathausfoyer mit einer Magnum-Flasche Champagner auf ihr bestes Bundeswahl-Ergebnis aller Zeiten an. Bürgermeisterin Jutta Pilat: "Ich habe sie kurz nach 18 Uhr aus dem Kühlschrank geholt. Wir haben schon Niederlagen verkraftet, dann können wir, wenn es richtig funkt, auch richtig feiern."

Während hier die Sektkorken knallen, gibt bei der SPD am Südwall bereits das rote Schild mit den drei Buchstaben Aufschluss über die Stimmung: Es leuchtet nur halb.

Von der SPD hat sich keiner mehr ins Rathaus verirrt

"Jetzt werde ich noch freudiger den Flieger nach Berlin nehmen", sagt der Liberale Otto Fricke (MdB). Zuvor hatte er orakelt: "Ein zweistelliges Ergebnis ist in Ordnung, elf Prozentpunkte sind befriedigend, 12,5 gut und alles darüber heißt "Danke".

Sein Amt als Vorsitzender des Bundes-Haushaltsausschusses wird er abgeben müssen. "Das gehört traditionell der größten Oppositionsfraktion. Es wird toll sein, in der Regierungsfraktion zu arbeiten."

Dann kommen Mitglieder der Jungen Union herein. Auch Harry von Bargen und Karl-Heinz Renner von den Grünen schauen vorbei. "Es ist ein gutes Ergebnis für die Grünen", so von Bargen. "Für das, was wir wollen, ist es - im Konzert mit den anderen Zahlen - desaströs: Das mindert die Freude über den eigenen Erfolg." Der Politiker hat den Tag in der Sonne liegend am Rhein verbracht.

Die Bürger, die in Krefelds "Guter Stube" die Wahl auf Bildschirm und Leinwand verfolgen wollen, sind nur spärlich erschienen. Einladungen zur "Wahlpräsentation" wie in Grevenbroich beispielsweise, hat es nicht gegeben. "Ich hatte gedacht, hier wäre mehr los", meint Heide Schremmer kurz vor 18 Uhr. "Ich bin gespannt, was passiert." Christian Becker wünscht sich "mehr Leute und eine bessere Akustik", zumal er keinen Fernseher hat. Nadine Schüpping von der Krefelder Bürgerpolitik ist enttäuscht: "Ich hätte mit mehr Politikern gerechnet."

Große Niedergeschlagenheit herrscht bei der SPD, von denen sich keiner ins Rathaus verirrt. Bernd Scheelen (MdB) hält sich mit der Familie abseits von den rund 60 erschienenen "Leidens-Genossen" auf. "Damit haben wir nicht gerechnet, es ist ein bisschen desaströs, die Stimmung ist gedrückt. Es wird keine schöne Nacht, so Scheelen, zumal er seinen Listenplatz von elf mit einer Politikerin getauscht hat und nun auf 13 steht.

Grafik: So hat Krefeld gewählt:  

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