Prozess um Diebstahl und Erpressung – ohne Kronzeugin.

Justiz
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dpa

Krefeld. Die Kronzeugin fehlt, dafür steht „Schneewittchen“ im Mittelpunkt. Das Amtsgericht hat über einen kniffligen Fall zu entscheiden. Es geht um einen weißen Mercedes-Benz 190 E, gebraucht, rund 1400 Euro wert. Der Angeklagte Rolf-Dieter M. (Namen von der Redaktion geändert), verheirateter Kaufmann aus Forstwald, ist vor dem Amtsgericht des Diebstahls und der Erpressung angeklagt.

Der 54-jährige soll das „Schneewittchen“ genannte Auto seiner Schwester abgekauft und seiner nicht vor Gericht erschienen Geliebten Annette O., damals 34 Jahre alt, „zur Verfügung gestellt“ haben. Als das außereheliche Verhältnis vor rund einem Jahr in die Brüche ging, soll M. deren Wohnungstür am Inrath aufgebrochen und den Wagenschlüssel entwendet haben.

Angeklagter soll die Herausgabe der Autopapiere erzwungen haben

Wie der Staatsanwalt weiter vortrug, soll der Kaufmann am Tag danach unter Drohungen die Herausgabe der Fahrzeugpapiere erzwungen haben. Zugelassen war das Auto auf den Namen von O.

„Nur aus taktischen Gründen“, betont der Anwalt des Beschuldigten. Seine Frau sollte davon nichts bemerken. Immerhin hätte ja unvermutet ein Strafzettel ins Haus flattern können. Der Anwalt schüttelt den Kopf. „Das gehört eigentlich vor ein Zivil- und nicht vor ein Strafgericht.“

Die Vorwürfe seien haltlos. Von Anfang an habe M. den Fahrzeugbrief, der entscheidend für die Eigentumsfrage ist, bei sich im Safe behalten. Annette O. sei für den Angeklagten nur ein „kurzfristiger Spaßfaktor“ gewesen.

Weil die vorgeblich Geschädigte, die heute in Herne wohnt, nicht erscheint, muss die Richterin passen. Im November soll ein neuer Termin anberaumt werden – notfalls mit Zwangsvorführung. Auch die Kosten der Verhandlung am Freitag sollen Annette O. aufgebrummt werden.

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