Der Druck auf Krefeld nimmt rasant zu. Schulden, hohe Arbeitslosigkeit und Hartz-IV-Kosten belasten die Stadt. Es mangelt an qualifizierten Fachkräften.

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Zwar kommen neue Unternehmen nach Krefeld, wie das Netto-Auslieferungslager, an anderer Stelle hapert es aber gewaltig. (bitte weiter klicken;

Zwar kommen neue Unternehmen nach Krefeld, wie das Netto-Auslieferungslager, an anderer Stelle hapert es aber gewaltig. (bitte weiter klicken;

Ebenfalls positiv: die Ausbildungsbilanz.

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Zwar kommen neue Unternehmen nach Krefeld, wie das Netto-Auslieferungslager, an anderer Stelle hapert es aber gewaltig. (bitte weiter klicken;

Krefeld. Die Zukunft Krefelds ist risikoreich. Zu diesem Ergebnis kommt der "Zukunftsatlas 2010" des Wirtschaftsinstituts Prognos nach Auswertung von 29 verschiedenen Indikatoren. Danach stürzte die Stadt innerhalb von sechs Jahren um 131 Ränge auf Platz 316 von 412 ab. "Hier tritt das ein, was sonst für altindustrielle Städte im Ruhrgebiet gilt", erklärt Prognos-Regionalexperte Peter Kaiser.

Dazu gehöre in Krefeld eine hohe Arbeitslosigkeit, das gesunkene Bruttoinlandsprodukt je Beschäftigtem, die Anzahl der Hartz-IV-Empfänger, der Mangel an hochqualifizierten Fachkräften sowie die Verschuldung der Stadt.

Die demografische Entwicklung ist in Krefeld gar nicht so düster

Der Zukunftsatlas 2010 bewertet anhand der verschiedenen Indikatoren zur Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft, zur Konjunktur- und Arbeitsmarktlage, zur demografischen Situation und zur sozialen Lage die Chancen und Risiken aller 412kreisfreien Städte und Landkreise in Deutschland. Danach ist in Krefeld die demografische Entwicklung gar nicht so düster wie in den letzten Jahren vorausgesagt. Der Bevölkerungsrückgang ist ein gesamtdeutsches Problem. Krefeld liegt mit einem Verlust von 0,6 Prozent dabei noch im Landesdurchschnitt.

Wesentlich schlechter schneidet die Stadt bei einem Vergleich des Bruttoinlandsproduktes pro Beschäftigtem ab. Da liegt Krefeld mit 7 Prozent deutlich unter dem durchschnittlichen Landeswert von 11,3 Prozent - und landet bei diesem Vergleich auf Rang 332.

Ein dynamischer Faktor ist die Arbeitslosenquote. Obwohl viele Firmen in Krefeld mit Hilfe der Kurzarbeit Stellen in der Wirtschaftskrise erhalten konnten, liegt die "Samt- und Seidenstadt" mit 11,5 weit über der Durchschnittsquote von 7,5 Prozent. Die positiven Entwicklungen des zweiten Halbjahres auf dem Arbeitsmarkt sind in der Prognos-Studie nicht berücksichtigt. Die ist beispielsweise im Vergleich zum Oktober des Vorjahres um 0,9 Prozentpunkte gesunken (von 10,3 Prozent im Oktober 2009 auf 9,4 in diesem Oktober). Kaiser: "Grund hierfür ist der Stand der Daten von Juni 2010."

Es zeigt sich ein anhaltender Trend zur Re-Urbanisierung: Städte gewinnen zunehmend an Attraktivität und Anziehungskraft. Bei der Demografie ist Krefeld im Landesvergleich auf einem guten Weg. Ideal wäre es, wenn die Bevölkerung in den nächsten drei Jahren um ein Prozent steigen würde.

Hochqualifizierte Kräfte, Forschung und Entwicklung sind entscheidend für die Zukunftsfähigkeit einer Region. Daher sind die Innovationsquote und die Zahl der angemeldeten Patente ein Pfund für Krefeld.

Weiterhin schlecht schneidet Krefeld bei der Anzahl der Hartz-IV-Empfänger (12 Prozent zu landesweit durchschnittlich 8,1) sowie bei der Anzahl hochqualifizierter Fachkräfte ab (in Krefeld 9,3 Prozent zum Landeswert von 10,4 Prozent). Düsseldorf punktet hier allein mit 15,9 Prozent.

Sehr positiv in Krefeld ist laut Prognos hingegen die Zahl der Unternehmensgründungen. Während der durchschnittliche Index bei 100 liegt, klettert der Wert in Krefeld auf 100,3. Auch bei der Investitionsquote der Unternehmen ebenso wie bei der Entwicklung von Patenten schneidet Krefeld überdurchschnittlich ab.

Stadtmarketing schlägt Treffen mit Prognos vor

Der Leiter des Stadtmarketings, Ulrich Cloos, nimmt die Auswertung ernst. Er schlägt vor, sich mit Prognos zu einer Einzelanalyse zusammenzusetzen und mit der Politik zu klären, wo es weitere Handlungsspielräume gibt. Im Hinblick auf Arbeitslosigkeit und Hartz IV habe die Stadt schon früh mit dem Aufbau der Zentralstelle für Beschäftigung erfolgreich gegengesteuert. Mit Blick auf die gesamtgesellschaftliche Entwicklung und das aktuelle Abschneiden beim Ranking sei das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

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