Regt der Blitzmarathon dazu an, verantwortungsbewusster zu fahren oder ist die Aktion eine "Eintagsfliege"? Welche Meinungen in der Redaktion vertreten werden, erfahren Sie in unserem Pro & Contra zum Thema.

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Marius Becker

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Pro: Geschwindigkeitskontrollen brennen sich bei Autofahrern ein. Noch zwei Wochen später sind sie langsamer als zuvor unterwegs.

Jedes Unfallopfer oder – im schlimmsten Falle – Todesopfer ist eins zuviel. Zu hohe Geschwindigkeiten auf Deutschlands Straßen sind der „Killer Nummer 1“. Deshalb sind Geschwindigkeitskontrollen notwendig und der „Blitzmarathon“ am Donnerstag eine sinnvolle Aufklärungsaktion. Laut einer Studie der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen sind Autofahrer noch zwei Wochen nach den Kontrollen mit einer niedrigeren Durchschnittsgeschwindigkeit unterwegs. Zum Wohle aller Verkehrsteilnehmer.

Deshalb betont Innenminister Ralf Jäger (SPD) als Initiator des Blitzmarathons auch bei aufkommender Kritik, dass es 15 Prozent weniger Verkehrsunfälle mit Toten und Verletzten gibt, wenn die durchschnittliche Geschwindigkeit nur um zwei Kilometer pro Stunde gesenkt wird. Zwei bis drei Kilometer entscheiden sogar über Leben und Tod.

Zu schnelles und oft auch rücksichtsloses Fahren ist kein Ausdruck von sportlicher Fahrweise, sondern von grober Fahrlässigkeit. Wenn dieses Bewusstsein nur durch Bußgelder und Punkte in Flensburg bei Rasern zu erzielen ist, sollte das konsequent und regelmäßig von der Polizei genutzt werden. Jedes Leben zählt. yvonne.brandt@wz.de

Contra: Blitzaktionen im ganzen Land sind Eintagsfliegen. Nötig und sinnvoll wären strenge Tempolimits und rigorose Kontrollen.

Die Zahlen sprechen offenbar für sich: Es gibt einen Effekt der massiven Blitzkontrollen, ja. Sie sorgen für Gesprächsstoff, sie rütteln auf, schaffen Einsicht oder verursachen Ärger. Kurzum: Sie bringen das Thema Geschwindigkeit in die Diskussion. Das ist gut. Die Gutwilligen, die eher aus Versehen zu schnell unterwegs sind, werden daran erinnert, dass Aufmerksamkeit beim Autofahren unverzichtbar ist.

Ignoranten aber kann man mit keinem Blitzmarathon heilen. Genau um diese Fahrer muss es jedoch gehen, will man den Verkehr sicherer machen. Die Ungeduldigen konsequent ausbremsen, die mit aufheulendem Motor in der verkehrsberuhigten Zone überholen, diejenigen, die über die Autobahnen rasen.

An die Strukturen muss man ran: Nirgends mehr als 130 Stundenkilometer auf den Autobahnen, Tempo 30 in Wohngebieten, Tempo 50 auf manchen innerörtlichen Verkehrsadern, nicht alle Nase lang Tempoveränderungen, hohe Bußgelder – das wäre ein klares Konzept.

Aber das ist in Deutschland nicht umsetzbar. Es fehlt der Mumm. Stattdessen also der Blitzmarathon als Eintagsfliege. Mutlos – und nichts gemessen an dem, was nötig wäre. beatrix.vanvlodrop@wz.de

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