Der Mann aus Nettetal gilt als überführt: Er hinterlässt an mehreren Tatorten genetische „Fingerabdrücke“.

Der Täter verfolgte seine Opfer nach Disco-Besuchen bis zu deren Wohnung.
Der Täter verfolgte seine Opfer nach Disco-Besuchen bis zu deren Wohnung.

Der Täter verfolgte seine Opfer nach Disco-Besuchen bis zu deren Wohnung.

Lothar Strücken

Der Täter verfolgte seine Opfer nach Disco-Besuchen bis zu deren Wohnung.

Krefeld. Sein "Revier" war die östliche Innenstadt. In den Nächten von Samstag auf Sonntag suchte er sich auf der Straße junge Disko-Besucherinnen aus, die unter Alkoholeinfluss standen.

Er verfolgte die Frauen bis zu ihrer Wohnung, wartete eine Zeitlang und drang dann in die unverschlossenen Wohnungen ein. Manchmal reichte ein kräftiger Druck gegen die Tür, manchmal half er mit einem Schraubenzieher nach.

Dann ergötzte sich der Mann an den schlafenden Opfern, er zerschnitt ihre Kleidung und in einigen Fällen fasste er die Frauen unsittlich an. Zum Geschlechtsverkehr allerdings kam es nicht.

Bei seinen Taten ging der Mann überaus vorsichtig vor: Sein Gesicht hatte er maskiert, er trug Handschuhe. Manche Opfer wachten dabei auf und verscheuchten den Eindringling, andere merkten erst am darauffolgenden Morgen, dass ein Fremder in ihrem Schlafzimmer gewesen sein musste: "Sie waren regelrecht traumatiert", so ein Polizeibeamter.

Sieben derartige Fälle ereigneten sich zwischen dem 8. Februar und dem 30. August in Krefeld, fünf in der östlichen City, eine im Nordbezirk und eine in Hüls.

Der Durchbruch kam am vergangenen Sonntag

Somnophilie - dieser Begriff setzt sich aus den griechischen Begriffen "somnia" (schlafen) und "philie" (Freundschaft, Liebe) zusammen. Er beschreibt die Vorliebe, schlafende Menschen zu beobachten und sich sexuell daran zu erregen. Nach dem Internet-Portal "miomedi" gibt es Unterschiede in der Auslebung: Beim Beobachten schlafender Menschen (meist Frauen) lässt der Täter seiner Fantasie freien Lauf und masturbiert "nebenbei". Die andere Form ist der vollzogene Geschlechtsverkehr, von dem das Opfer nichts bemerkt, weil es (z.B. unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen) im Tiefschlaf liegt. Somnophile betrachten sich selbst weder als sexuell gestört noch als Triebtäter.

Dieser Spuk ist nun vorbei, Diskotheken-Besucherinnen können aufatmen. Bereits am Donnerstag hat die Kripo einen 28 Jahre alten Handwerker aus Nettetal-Lobberich festgenommen, der seit vergangenem Sonntag unter dringendem Tatverdacht stand.

Den Durchbruch brachte ein DNA-Abgleich: Denn in mehreren Wohnungen hatte der Mann genetische Fingerabdrücke hinterlassen - und die stimmten mit einer Speichelprobe überein, die der Nettetaler am vergangenen Sonntagmorgen abgeliefert hatte.

In dieser Nacht waren wieder viele zivile Beamte in der Krefelder Innenstadt unterwegs. Zusammen mit den Kollegen der "Operativen Fallanalyse" (OFA) des Landeskriminalamtes hatte die Ermittlungskommission "Club" bereits ein Täterprofil erstellt.

18-jährige Bedienung liefert entscheidenden Hinweis

Der entscheidende Hinweis kommt aber von einer 18-jährigen Bedienung, die sich gegen 3 Uhr von einem Taxi vom Max-Petermann-Platz nach Hause (Bereich Forstwaldstraße) bringen lässt.

Schon unterwegs merkt die stocknüchterne junge Frau, dass dem Taxi ein Wagen folgt. Nachdem sie ausgestiegen ist, spricht sie den Mann mutig an.

"Ich suche meine Katze", versucht dieser sein Erscheinen zu erklären. Als die junge Frau wenig später aus ihrer Wohnung verdächtige Geräusche hört, ruft sie die Polizei. Eine Funkstreife ist gleich zur Stelle.

Jetzt erklärt der 28-Jährige Nettetaler, er habe an der Forstwaldstraße Zigaretten ziehen wollen. Eigenartig: In seinem Wagen finden die Beamten zwei volle Schachteln. Nun will der Mann ihm namentlich unbekannte Personen abgesetzt haben.

Nachzuweisen ist ihm nichts - die Streifenbeamten aber verständigen die Kollegen von der EK "Club." Die Kriminalisten vernehmen den Nettaler und bitten ihn zur Speichelprobe, die der Handwerker auch freiwillig abgibt.

Danach muss er trotz des dringenden Verdachts auf freien Fuß gesetzt werden: Denn der 28-Jährige, der ansonsten ein unauffälliges Leben führt, bestreitet jegliche Tatvorwürfe. Von der "Trumpfkarte" DNA erfährt er nichts.

Angesichts des erdrückenden DNA-Beweises erließ der Amtsrichter am Freitagnachmittag gegen den 28-Jährigen Haftbefehl wegen "sexuellen Missbrauchs Widerstandsunfähiger". Die Mindeststrafe hierfür: Zwei Jahre Freiheitsentzug.

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