Am Mahnmal an der Alten Synagoge haben gestern über 200 Menschen zusammen auf Hebräisch und Deutsch gebetet.

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Die 74-jährige Krefelder Jüdin Anna Koneva entzündet bei der Gedenkfeier am Mahnmal eine Kerze.

Die 74-jährige Krefelder Jüdin Anna Koneva entzündet bei der Gedenkfeier am Mahnmal eine Kerze.

Andreas Bischof

Die 74-jährige Krefelder Jüdin Anna Koneva entzündet bei der Gedenkfeier am Mahnmal eine Kerze.

Krefeld. Kurz vor der Gedenkstunde an die Pogromnacht 1938 schmücken alte Frauen das Mahnmal An der alten Synagoge in der Innenstadt mit Blumen und Kerzen. Sie sprechen Russisch miteinander. Johann Schwarz und Michael Gilad, die Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, begrüßen die Anwesenden mit "Schalom", Friede.

Wenig später erklingen Gebete auf Hebräisch und Deutsch unter dem Abendhimmel. Über 200 Menschen sind am Montagabend gekommen. Unter die jüdischen Mitbürger haben sich Vertreter der Kirchengemeinden und politischen Parteien gemischt.

Der 9. November - der Tag, an dem Synagogen in Flammen aufgingen

Es ist ein denkwürdiger Tag, dieser 9. November 2009. Es ist der 20. Jahrestag des Mauerfalls, an dem die ganze Freude über ein wieder vereinigtes Deutschland offensichtlich ist. Es ist aber auch der Tag, an dem vor 71 Jahren ein ganz dunkles Kapitel deutscher Geschichte geschrieben wurde. Damals sind in Krefeld wie überall in Deutschland jüdische Bürger angegriffen, getötet oder in den Selbstmord getrieben worden.

Viele Synagogen gingen in Flammen auf. "Wer dies nicht gesehen hat, hat es nicht sehen wollen", sagt Bürgermeisterin Karin Meincke. "Wie klein ist es, wenn man sich herausredet. Vertrauen wir gemeinsam darauf, dass unsere Demokratie heute eine wehrhafte ist."

"Wer hätte 1938 gedacht, dass das jüdische Leben nach Krefeld zurückkehrt und nicht weit von hier ein Haus des Lebens steht", erklärt Rabbi Yitzchak Mendel Wagner und erwähnt damit die neue Synagoge.

Es sind bewegende Momente am Mahnmal. Auch für Henryk Bornstein, der während des Nazi-Regimes geflohen ist: "Ich habe in Russland überlebt", sagt er. Gänsehautgefühl und Aufregung erlebt Eran Hertzmann aus Tel Aviv. "Meine Familie lebte fünf Generationen in Krefeld", erzählt er. "Im Februar 1938 verließ mein Urgroßvater das Land in Richtung Stockholm. Meine Großeltern gingen kurz nach der November- Nacht nach Israel. Sie leben mit meiner Familie deutsche Kultur in Tel Aviv."

An diesem Abend ist Hertzmann eigens für die Gedenkfeier aus Düsseldorf in die Innenstadt gekommen. "Meine Gefühle sind gemischt. Ich werde heute noch mit meinem Vater telefonieren."

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