In Budapest wurde der frühere tschechische Ministerpräsident Petr Pithart mit dem Preis der Adalbert-Stiftung ausgezeichnet.

Ungarns Staatspräsident János Áder (l.) übergibt den Adalbert-Preis an Petr Pithart. Rechts der Vorsitzende der Krefelder Stiftung, Hans Süssmuth.
Ungarns Staatspräsident János Áder (l.) übergibt den Adalbert-Preis an Petr Pithart. Rechts der Vorsitzende der Krefelder Stiftung, Hans Süssmuth.

Ungarns Staatspräsident János Áder (l.) übergibt den Adalbert-Preis an Petr Pithart. Rechts der Vorsitzende der Krefelder Stiftung, Hans Süssmuth.

Jürgen Karsten

Ungarns Staatspräsident János Áder (l.) übergibt den Adalbert-Preis an Petr Pithart. Rechts der Vorsitzende der Krefelder Stiftung, Hans Süssmuth.

Krefeld. Elfter Preisträger des „Adalbert-Preises für Frieden, Freiheit und Zusammenarbeit in Europa“ für das Jahr 2013 ist der frühere tschechische Ministerpräsident Petr Pithart. Der ungarische Staatspräsident Janos Áder überreichte im Sandor Palais in der Burganlage der ungarischen Metropole Budapest den „mitteleuropäischen Friedensnobelpreis“. So hat einst der ehemalige Staatspräsident der Tschechischen Republik, Vaclav Havel, diese von der Krefelder „Adalbert-Stiftung“ verliehene und in den Ländern Mittel- und Osteuropas sehr geschätzte Auszeichnung voller Anerkennung bezeichnet.

Pithart gehörte zu den Unterzeichnern der Charta 77

Vor rund 100 geladenen Gästen aus Politik, Kirche und Wirtschaft stellte Hans Süssmuth, Vorstandsvorsitzender der Adalbert-Stiftung-Krefeld, den renommierten Preis vor. Die Auszeichnung ehre Freiheitskämpfer aus Mitteleuropa, die unter Einsatz ihres Lebens für die Freiheit ihrer Völker kämpften. Süssmuth nannte Pithart einen „hervorragenden Europäer“. Die Laudatio auf den aus der Dissidenten-Bewegung der 70er und 80er Jahre stammenden früheren tschechischen Ministerpräsidenten hielt der frühere slowakische Kulturminister und Botschafter in Ungarn, Rudolf Chmel.

Nur wenige Politiker in Mitteleuropa hätten wie Pithart so tiefe Spuren hinterlassen. Seine Ideen seien zwar nicht immer populär gewesen, Pithart habe sich aber als Kämpfer gegen Rassismus bewährt. „Er war ein Patriot im besten Sinne, aber kein Nationalist“, sagte Chmel.

Nach dem Prager Frühling 1968 war der Jurist Pithart aus der Kommunistischen Partei ausgetreten, verlor seinen Lehrstuhl an der Uni in Prag und war einer der Unterzeichner der Protestbewegung Charta 77. Er engagierte sich in der Dissidenten-Bewegung als Herausgeber von Zeitschriften und Sammelbänden, als Organisator von Bildungsseminaren für Jugendliche in Dissidentenwohnungen und schmuggelte von der KP verbotene Literatur ins Ausland.

Der Preisträger setzte sich für eine Aussöhnung mit Deutschland ein

Pithart war von 1990 bis 1992 tschechischer Premierminister und Vorsitzender des Senats. Er gehört auch zu den Gründervätern der Visegrád-Gruppe, zu der sich die vier Adalbert-Länder Ungarn, Polen, Tschechien und die Slowakei 1991 in der gleichnamigen ungarischen Stadt zusammengeschlossen hatten.

Benannt ist der von der Krefelder Adalbert-Stiftung verliehene Preis nach dem Märtyrer und Heiligen Europas, Adalbert von Prag (956 – 997), der eine Symbolgestalt europäischer Zusammengehörigkeit darstellt und in seiner Wirkungsgeschichte ein früher Wegbereiter europäischer Integration ist.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören der frühere polnische Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki, der frühere Staatspräsident Tschechiens, Vaclav Havel, Ungarns früherer Staatspräsident Arpád Göncz und Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl.

Das Handeln des christlich-demokratischen Politikers sei stets durch hohe ethische Grundsätze bestimmt gewesen. Er habe sich konsequent für eine Aussöhnung und Zusammenarbeit mit Deutschland eingesetzt. Pithart dankte für den Preis, den er als Anerkennung seiner politischen Arbeit ansehe. Adalbert sei ein Brückenbauer gewesen; noch heute gelte es, Brücken von Mittel- zu Westeuropa zu bauen.

Im Rahmen des Besuchs in Budapest traf die Krefelder Delegation den früheren Adalbert-Preisträger Árpád Göncz in seiner Residenz. Göncz gilt in Ungarn als lebende Legende. Der Vorstand der Adalbert-Stiftung legte zudem an Stätten der Geschichte und des Gedenkens in der ungarischen Metropole am Heldenplatz, in der jüdischen Synagoge und am Grabmal des früheren ungarischen Ministerpräsidenten József Antall Kränze nieder.

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