Viele Krefelder können über die Feiertage nicht nach Hause, weil sie im Krankenhaus liegen. Feierlich soll es dennoch werden.

Viele Krefelder können über die Feiertage nicht nach Hause. Feierlich soll es aber für Patienten und Personal dennoch werden.
Krankenpflegeschülerin Melissa Preißer und Patientin Irmgard Weyer werden Weihnachten im Krankenhaus verbringen.

Krankenpflegeschülerin Melissa Preißer und Patientin Irmgard Weyer werden Weihnachten im Krankenhaus verbringen.

Iris Reuvers ist die Geriatrie-Stationsleitung und nimmt sich an den Feiertagen besonders viel Zeit für die Patienten. Fotos (2): Andreas Bischof

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Krankenpflegeschülerin Melissa Preißer und Patientin Irmgard Weyer werden Weihnachten im Krankenhaus verbringen.

Irmgard Weyer wird Weihnachten im Krankenhaus verbringen. Die 86-Jährige hat sich bei einem Sturz am Knie verletzt. Sie wird erst entlassen, wenn geklärt ist, wie es zu dem Schwächeanfall kommen konnte, der den Sturz verursacht hat. „Als ich erfahren habe, dass ich die Weihnachtszeit hier verbringen muss, war ich am Boden zerstört“, erzählt sie. So geht es auch vielen anderen Krefeldern, die die Feiertage im Krankenhaus verbringen.

Damit die Situation für die Patienten trotzdem erträglich wird, hat sich das Personal im Krankenhaus Alexianer einige Besonderheiten ausgedacht. Patienten, die keine Angehörigen mehr haben, müssen Weihnachten zum Beispiel nicht alleine auf ihrem Zimmer verbringen. „Wir versuchen uns generell mehr Zeit für die Patienten zu nehmen“, erklärt Iris Reuvers, Leiterin der Geriatrie-Station. Die Weihnachtszeit sei tendenziell sowie so ruhiger, als der normale Betrieb. Vor allem auf der Geriatrie-Station, also dort, wo Menschen wegen altersbedingten Leiden behandelt werden, komme es häufiger vor, dass Patienten die Feiertage im Krankenhaus verbringen. Die Verweildauer ist dort im Schnitt länger, weil ältere Menschen eine Komplexbehandlung bekommen.

„Wenn ich mit den Patienten singe und sehe wie glücklich sie sind, dann geht mir das Herz auf und ich weiß wieder, wieso ich diesen Beruf ausübe.“

Iris Reuvers, Leiterin der Geriatrie-Station

„Wenn Patienten uns dann von ihren Weihnachtserlebnissen erzählen oder wir gemeinsam Weihnachtslieder singen, dann fangen die Augen der alten Menschen an zu leuchten“, sagt Reuvers. Sogar demente Patienten würden sich in den meisten Fällen noch an Weihnachtslieder erinnern können. Das sei einfach tief im Langzeitgedächtnis verankert. Alleine wird Weyer also an keinem Tag aber nicht zu. „Meine Angehörigen kommen mich Heiligabend besuchen. Wenn ich nicht aufpasse, kommen die sogar mit einem Weihnachtsbaum hier rein“, erzählt sie.

„Als ich erfahren habe, dass ich die Weihnachtszeit hier verbringen muss, war ich am Boden zerstört.“

Irmgard Weyer, Patientin

Auch kulinarisch dürfen sich die Patienten, die Weihnachten im Alexianer verbringen, auf etwas Besonderes freuen. An Heiligabend wird es ein klassisches, niederrheinisches Weihnachtsmittagessen geben: Kartoffelsalat mit Würstchen. „Am Abend dürfen sie beispielsweise aus Hähnchenbrust, Räucherlachs, Geflügelsalat und Antipasti wählen. Das ist einfach mal was anderes“, sagt Reuvers. Verpackt wird das Abendessen in eine kleine Weihnachtsfeier im Aufenthaltsbereich.

Teilnehmen dürfen alle Patienten, die sich „mobilisieren“ lassen. In der Praxis bedeutet dies: Wer nicht laufen kann, wird im Rollstuhl dorthin gefahren. Wer nicht sitzen kann, bekommt einen Liegestuhl. Zusätzlich ist die Station weihnachtlich geschmückt. Auf den Tischen im Aufenthaltsbereich stehen kleine Weihnachtsgestecke und ein geschmückter Weihnachtsbaum steht in der Ecke.

Im Fenster des Schwesternzimmers sitzen kleine Weihnachtsmänner und auch die Wände sind verziert. Natürlich verbringen auch die diensthabenden Krankenschwestern, -pfleger und Ärzte Weihnachten im Krankenhaus. Reuvers, die seit 35 Jahren im Krankenhaus arbeitet, kennt es nicht anders. „Es ist aber von Jahr zu Jahr unterschiedlich, wie ich damit umgehe“, verrät sie. Die Atmosphäre sei in dieser Zeit immer etwas familiärer und sie würde auch mit ihren Kollegen Weihnachtslieder singen und ein bisschen feiern. „Wenn ich mit den Patienten singe und sehe wie glücklich sie sind, dann geht mir das Herz auf und ich weiß wieder, wieso ich diesen Beruf ausübe.“

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