Die Aufklärungsquote der Verbrechen ist hoch: Das liegt laut Oberstaatsanwalt Stahl an der guten Zusammenarbeit der Behörden.

Die Aufklärungsquote der Verbrechen ist hoch: Das liegt laut Oberstaatsanwalt Stahl an der guten Zusammenarbeit der Behörden.
Oberstaatsanwalt Axel Stahl vor dem Gerichtsgebäude am Nordwall. Er ist mit der Arbeit von Polizei und Justiz zufrieden.

Oberstaatsanwalt Axel Stahl vor dem Gerichtsgebäude am Nordwall. Er ist mit der Arbeit von Polizei und Justiz zufrieden.

Dirk Jochmann

Oberstaatsanwalt Axel Stahl vor dem Gerichtsgebäude am Nordwall. Er ist mit der Arbeit von Polizei und Justiz zufrieden.

Krefeld. Tägliche Pressemeldungen von Einbrüchen und zuletzt von Banden organisierte Taten bereiten den Bürgern Sorgen im Hinblick auf ihre Sicherheit in Haus, Wohnung und Geschäft. Auch Oberstaatsanwalt Axel Stahls Haus wurde während seines Urlaubs schon zweimal Opfer von – allerdings vergeblichen – Einbruchsversuchen. Er und Polizeipresseleiterin Karin Kretzer veröffentlichen die regelmäßigen Meldungen bewusst. „Wir wollen damit keineswegs Ängste schüren, sondern offen über die Situation informieren“, sagen sie. Aufklärung sei die beste Voraussetzung zur Vorbeugung.

„Vor allem brauchen wir dringend die Unterstützung der Bevölkerung“, sagt Stahl und verweist darauf, dass von dort der entscheidende Hinweis zur Ergreifung der sechs des Bandendiebstahls angeklagten Rumänen kam. Ihnen wird derzeit der Prozess gemacht. NRW-Innenminister Ralf Jäger führt den Anstieg bei den Haus- und Wohnungseinbrüchen vor allem auf osteuropäische Banden zurück. Auch in Krefeld seien solche Tätergruppen zuletzt vermehrt aufgefallen, verlässliche Zahlen lägen aber noch nicht vor. Für 2014 verweisen Stahl und Kretzer in Krefeld bei den Wohnungseinbrüchen auf eine Aufklärungsquote von 27 Prozent, die doppelt so hoch wie der Landesdurchschnitt ist. „Jede aufgeklärte Tat ist eine verhinderte neue Tat“, stellt Stahl fest.

Hohe Aufklärungsrate spricht sich auch in Täterkreisen herum

Noch besser sieht es mit der Aufklärungsquote bei den Gesamtstraftaten für 2014 in Krefeld aus. Sie betrug 56 Prozent und lag damit eindeutig über dem Landesdurchschnitt. Bei Raub- und Tötungsdelikten beträgt die Quote sogar mehr als 80 Prozent. „Krefeld ist mit 25 000 Straftaten im Jahr bei fast 250 000 Einwohnern eine vergleichsweise sichere Stadt“, so Stahls Fazit. Für den Erfolg machen er und Kretzer gleich mehrere Initiativen verantwortlich. So kläre die als „EK-Dämmerung“ über die Stadt hinaus bekanntgewordene Ermittlungsgruppe äußerst erfolgreich Einbrüche auf. Auch das landesweite „Programm Motiv“ habe sich bewährt. Kretzer berichtet, dass seit etwa drei Jahren die Zuständigkeit für bestimmte Taten landesweit konzentriert und koordiniert wird, wenn diese gehäuft in mehreren Regionen auftreten.

Überzeugt sind die beiden auch davon, dass die enge Zusammenarbeit zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft sowie die kurzen Wege zwischen letzterer und den Gerichten Früchte trägt. Der Oberstaatsanwalt setzt außerdem auf eine gewisse Abschreckung. Eine hohe Aufklärungsrate spreche sich auch in Täterkreisen herum. Ebenso sei dort bekannt, als Straftäter besser nicht nach Krefeld zu kommen, weil Amts- und Landgericht durchaus deftige Strafen aussprechen. Stahl tauscht sich mit seinen knapp 20 Staatsanwälten regelmäßig aus, wobei vor allem bei komplexen Fällen kollegial hilfreich diskutiert werde.

Stahl legt Wert darauf, dass sich jeder, unabhängig von seiner Herkunft, an die hier geltenden Gesetze zu halten habe. Was die Gesellschaft als gerecht erachte, sei immer auch dem Zeitgeist geschuldet. Durch die Flüchtlinge habe sich die Kriminalität nicht erhöht. Dass vermehrt ausländische Täter auftreten, sei der freizügigen EU-Politik der offenen Grenzen geschuldet und normal.

Staatsanwaltschaft und Polizei beobachten folgende Tendenzen: Die Täter arbeiten professionell, oft grenzüberschreitend, gut vernetzt und betreiben ihr „Handwerk“ berufsmäßig. Wichtig ist die Logistik mit Wohnung, Fahrzeug und schnellen Fluchtwegen wie dem dichten Autobahnnetz. Zum Teil spalten sich Gruppenmitglieder ab und gründen durch Akquise von Landsleuten neue Banden. Die Zusammensetzung ist zum Teil gemischt. In einem der letzten Fälle am Landgericht waren es Täter aus fünf Nationen einschließlich eines Deutschen, in einem aktuellen Prozess sind es sechs Rumänen. Der Verfolgungsaufwand ist groß.

Staatsanwaltschaft und Polizei bitten die Bürger, achtsam zu sein und auffälliges Verhalten unbekannter Personen zu melden. Nachbarschaftshilfe beim Aufpassen auf Haus und Wohnung sind effektiv, Investitionen in sichere Haustechnik empfehlenswert.

Sorgen bereitet Stahl und Kretzer, dass die Zahl der Straftaten im vergangenen Jahr gestiegen ist. Dadurch werde zwar die Aufklärungsquote relativ sinken, nicht aber die Qualität der Arbeit. Beim Abarbeiten der Strafverfahren bei der Staatsanwaltschaft und den Gerichten gebe es derzeit keinen Stau.

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