Die frostigen Temperaturen sind besonders für Obdachlose ein großes Problem.

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Thorsten Henkel ist Streetworker bei der Caritas.

Thorsten Henkel ist Streetworker bei der Caritas.

Andreas Bischof

Thorsten Henkel ist Streetworker bei der Caritas.

Krefeld. In diesen Tagen ist Holger W. (Name von der Redaktion geändert) ein Glückspilz. Seit Mitte der 1990er-Jahre hat der heute 33-Jährige auf der Straße gelebt, heroinabhängig, arbeitslos, ohne feste Bleibe und ohne Platz zum Schlafen.

Doch seit wenigen Tagen hat Holger eine kleine Wohnung in der Krefelder Innenstadt. Ein Privileg, gerade jetzt, wo seit Tagen Frost und Eiseskälte herrschen. Doch so viel Glück wie er haben nicht viele Obdachlose.

"Dass in Krefeld niemand auf der Straße schlafen muss, kann ich nicht mit ruhigem Gewissen behaupten", sagt Thorsten Henkel, Streetworker bei der Caritas, der Holgers neue Wohnung aufgetrieben hat.

Eine Unterkunft zum Aufwärmen finden die meisten Obdachlosen tagsüber in den Anlaufstellen von Caritas, Diakonie, Emmaus-Gesellschaft und einigen Hilfsprojekten wie der Krefelder Tafel.

Abends bleibt ihnen nur der Weg zu den beiden Notschlafstellen: für alkoholkranke Obdachlose an der Lutherstraße und für Konsumenten illegaler Drogen an der Melanchthonstraße. In letzterer hat auch Holger oft einen Unterschlupf für die Nacht gesucht, jedoch nicht immer gefunden.

Laut dem Statistischen Jahrbuch der Stadt Krefeld waren im Jahr 2007 genau 215 Obdachlose gemeldet, 177 davon länger als zwei Jahre.

Die offiziellen Zahlen sind rückläufig: So waren im Jahr 2001 noch 423 Obdachlose gemeldet, knapp doppelt so viele wie im Jahr 2007.

Denn für die Drogenabhängigen gibt es lediglich 14 Schlafplätze - zehn für Männer und vier für Frauen. Bei weitem nicht genug, um den Bedarf der Hilfesuchenden zu decken. "Wenn der Andrang zu groß ist, werden die Plätze abends verlost, um keinen zu bevorzugen", berichtet Holger aus eigener Erfahrung.

Wer kein Losglück hat, dem bleibt nur der Gedanke an eine frostige Nacht, ein Unterkommen bei Freunden oder das Vertrauen in den eigenen Einfallsreichtum.

Den hat auch Holger oft genug an den Tag legen müssen: "Wenn es richtig kalt war, bin ich die Straßen lang gelaufen und habe nach offenen Türen gesucht, bin dort rein geschlichen und hab im Keller geschlafen." Nicht selten lag er jedoch in Pappkartons eingerollt irgendwo in einer Tiefgarage.

"Die Hauptsache ist, dass ich ein Dach über dem Kopf habe."

Holger W.

Friedhelm Voß, Leiter der Notschlafstelle für Alkoholkranke, ist die Thematik seit vielen Jahren bekannt. Dennoch, sagt er, "muss in Krefeld niemand frieren."

Zwar sei die Zahl der Hilfesuchenden an der Lutherstraße seit einem halben Jahr deutlich ansteigend, die Kapazitäten reichten jedoch aus: "Bei uns sind es zwischen 25 und 30 Personen pro Nacht. Wir sind zwar gut belegt, hätten aber im Notfall noch Plätze frei."

Eine Darstellung, die Angelika Peters vom Presseamt der Stadt Krefeld bestätigt: "Wir haben die Lage im Griff. Nach allem, was uns bekannt ist, reicht das vorhandene Angebot aus."

Zudem gebe es für Notfälle noch Ausweichmöglichkeiten, erklärt Peters. Sie verweist auf rückläufige Obdachlosenzahlen in den letzten Jahren. Für weitere Notfallvarianten bestehe keine Notwendigkeit.

Holger W. ist froh, diese Phase seines Lebens hinter sich gelassen zu haben. Nach überstandener Sucht-Therapie peilt er für die Zukunft eine Arbeitsstelle an. Im Moment ist er einfach nur glücklich: "Die Hauptsache ist, dass ich jetzt ein Dach über dem Kopf habe."

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