Der Oberbürgermeister will, dass die Straßenlaternen ohne Unterbrechung leuchten. Er ist sich sicher, dass der Rat ihm dabei folgt. Die SPD kritisiert den Verwaltungschef scharf.

Jahresrückblick
OB Kathstede hat den Widerstand der Bevölkerung unterschätzt.

OB Kathstede hat den Widerstand der Bevölkerung unterschätzt.

Bischof, Andreas (abi)

OB Kathstede hat den Widerstand der Bevölkerung unterschätzt.

Krefeld. Rückzieher im Rathaus: Oberbürgermeister Gregor Kathstede will die umstrittene Abschaltung der Straßenlaternen zwischen 1.15 Uhr und 3.30 Uhr an Werktagen kippen. „Ich werde dem Rat am 20. September einen entsprechenden Vorschlag machen und erwarte, dass es dafür eine breite Mehrheit geben wird“, sagte der Verwaltungschef gestern. Die Abschaltung der Straßenbeleuchtung könne dann mit sofortiger Wirkung zurückgenommen werden. Schon jetzt habe er die laufenden Investitionen gestoppt.

Kathstede räumte ein, das Thema falsch eingeschätzt zu haben. „Es geht um das subjektive Empfinden vieler Krefelder. Die Menschen fürchten um ihre Sicherheit. Und ich nehme diese Ängste sehr ernst.“ Es sei nicht sinnvoll, eine Sparmaßnahme gegen den Widerstand der Bevölkerung umzusetzen.

„Der Oberbürgermeister hat fast 250 000 Euro in den Sand gesetzt.“

Ulrich Hahnen, SPD-Fraktionschef

Die Nachtabschaltung der Laternen ist Teil des Konzeptes zum Haushaltsausgleich bis zum Jahr 2014. Eine Mehrheit aus CDU, FDP und UWG hatte den Plan im Rat durchgesetzt.

Für die Abschaltung waren Investitionen in Höhe von rund 249 000 Euro notwendig. Das Geld wurde gebraucht, um technische Änderungen an Schaltanlagen durchzuführen und die rund 29 000 betroffenen Laternenmasten mit einem roten Folienring zu bekleben. Der Ring sollte Autofahrern signalisieren, dass sie selbst für eine ausreichende Beleuchtung geparkter Fahrzeuge zu sorgen haben. Die Verwaltung rechnete vor, dass sich durch die Abschaltung pro Jahr etwa 225 000 Euro einsparen lassen.

Die SPD hatte sich von Anfang vehement gegen den Plan ausgesprochen. „Es ist lobenswert, dass der Oberbürgermeister nun bereit ist, seinen Fehler zu korrigieren“, sagte SPD-Fraktionschef Ulrich Hahnen. „Tatsache bleibt aber, dass der Chef der Verwaltung fast 250 000 Euro in den Sand gesetzt hat. Und ich bin sehr gespannt, wie viel es zusätzlich kosten wird, den alten Zustand wiederherzustellen,“ so Hahnen.

Oberbürgermeister Gregor Kathstede kündigte gestern an, dass die Stellenzahl beim kommunalen Ordnungsdienst von derzeit zwölf auf 16 erhöht werden soll. Er werde dem Rat einen entsprechenden Vorschlag machen. Ziel ist es, die Aufstockung mit der Verabschiedung des Doppelhaushaltes 2013/14 umzusetzen.


Das Thema Sicherheit sei für ihn von zentraler Bedeutung, so Kathstede zur Begründung. Er werde es nicht zulassen, dass sich neben dem Theaterplatz auch der Lutherplatz und der Willy-Göldenbachs-Platz zu dauerhaften Problemzonen entwickeln. Deshalb sei es wichtig, dass der kommunale Ordnungsdienst über mehr Personal verfüge.

Nach Ansicht des Oberbürgermeisters kommt es entscheidend darauf an, dass sich die Menschen mit ihrer Stadt identifizieren. „Und das geht nicht, wenn sie sich nicht sicher fühlen, wenn sie bestimmte Plätze bewusst meiden.“

Kathstede berichtete, dass ihn wegen der Nachtabschaltung der Straßenlaternen ungewöhnlich viele Reaktionen aus der Bevölkerung erreicht hätten. Fast immer sei es um das Thema Sicherheit gegangen. Dem trage er Rechnung.

Es wäre besser gewesen, wenn Kathstede auf die Opposition gehört hätte. „Wenn man sieht, wie diese Stadt regiert wird, muss einem eigentlich der Kragen platzen“, so Hahnen.

Am Ziel, 2014 einen Etat ohne neue Schulden vorzulegen, will Kathstede auf jeden Fall festhalten. „Was wir bei den Laternen jetzt vermutlich nicht einsparen können, muss an anderer Stelle gestrichen werden“, so der Verwaltungschef. „Dass wir noch einmal Geld in die Hand nehmen müssen, um die Nachtabschaltung rückgängig zu machen, ist für mich jedenfalls kein Grund, diesen Weg nicht zu gehen. Entscheidend ist, dass die Menschen sich sicher fühlen.“ Wie viel Geld die Wiederherstellung des alten Zustands koste, wisse er noch nicht.

„Entscheidend ist, dass die Menschen sich sicher fühlen.“

Gregor Kathstede, Oberbürgermeister

Begonnen hatte die Nachtabschaltung am 18. Juni in Hüls, Forstwald, Benrad, Gatherhof, Tackheide, Linn und Gellep-Stratum. Es folgten am 16. Juli Traar, Verberg, Elfrath, Fischeln, Stahldorf, Königshof und Oppum. Die dritte und letzte Phase startete am 16. August im restlichen Stadtgebiet, unter anderem mit Uerdingen, Bockum und der Innenstadt.

Wie sehr die Abschaltung der Laternen die Krefelder verärgert hat, zeigte sich auch in den zahlreichen Leserstimmen. Sowohl im Online-Forum der WZ als auch per Mail oder Brief machten die Menschen ihrem Ärger Luft. Fast durchgehend wurde die Abschaltung als falsch bezeichnet. Dies gehe auf Kosten der Sicherheit. Beim Sparen müsse es andere Wege geben.

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