Die Notaufnahme ist – wie der Name sagt – nur für schwere und akute Fälle da. Doch viele Patienten gehen dort­hin, um schneller an Facharzttermine zu kommen.

Krefeld. Notaufnahmen sind gerade in den Stoßzeiten überfüllt. Ein allgemeiner Trend, von dem fast alle Krankenhäuser berichten. Wer schon einmal an einem Feiertag oder am Wochenende spontan ein Krankenhaus aufgesucht hat, kennt das Problem. Dabei gibt es Alternativen zur Notaufnahme, von denen viele Patienten gar nichts wissen, die das Krankenhauspersonal aber entlasten und die eigenen Nerven schonen.

„Schwere Notfälle haben immer höchste und damit vorrangige Priorität.“

Julia Dubois, Referentin Unternehmenskommunikation am Helios-Klinikum Krefeld

In den meisten Notaufnahmen werden die Patienten zunächst nach dem „Manchester Triage System“ in vorgegebene Dringlichkeitskategorien eingeteilt, nach denen sich die Wartezeit richtet.

Ein gebrochener Arm ist etwa weniger bedrohlich als ein Herzinfarkt. „Schwere Notfälle haben immer höchste und damit vorrangige Priorität. Für leichter verletzte oder erkrankte Patienten können bei erhöhtem Patientenaufkommen, etwa an Feiertagen und Wochenenden, längere Wartezeiten entstehen“, erklärt Julia Dubois, Referentin Unternehmenskommunikation des Helios-Klinikums.

Die Folge der kontinuierlich steigenden Patientenzahlen in der Notaufnahme des Helios, würde durch eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Ärzten der Kassenärztlichen Vereinigung – also niedergelassene Ärzte – ausgeglichen werden.

„Das heißt, Patienten mit Einweisungen oder schwereren Erkrankungen werden durch die Klinikärzte, fußläufige Selbsteinweiser mit chronischen Beschwerden ohne Unfallereignis werden durch die KV-Notfallpraxis betreut und versorgt“, sagt Dubois. Diese Notfallpraxen sind in vielen Fällen eine bessere Anlaufstelle als die Notfallaufnahmen der Krankenhäuser.

Doch genau hier besteht Aufklärungsbedarf, weiß Mirko Milinewitsch, Sprecher der Krankenhausgesellschaft NRW. „Die Leute wissen, wo das nächste Krankenhaus ist, das ist ja auch groß genug, um es zu sehen, aber die wissen nicht, wo die nächste Notfallpraxis ist. Da besteht auch mangelnde Transparenz“, kritisiert Milinewitsch. Zudem sei es für viele Patienten durchaus akzeptabel, eine lange Wartezeit in der Ambulanz in Kauf zu nehmen, wenn sich am Ende des Tages ein Arzt Zeit genommen habe.

140 Bereitschaftsdienstpraxen stehen Patienten zur Verfügung

„Man kennt es aus dem Bekanntenkreis und es ist ja auch irgendwo verständlich, dass die Menschen schnellstmöglich behandelt werden möchten. Jeder hat seine individuellen Motive“, sagt Milinewitsch. „Die Ärzte wollen den Menschen helfen, aber es gibt eben Leute, die da einfach nicht hingehören.“

Diese Patienten wären mit einem Besuch in einer der 140 Bereitschaftsdienstpraxen in Nordrhein-Westfalen besser bedient. Die Bereitschaftsdienste werden von der Kassenärztlichen Vereinigung organisiert und sind unter der vorwahlfreien Rufnummer 11 61 17 erreichbar. Über die zentrale Nummer wird man dann an einen diensthabenden Arzt oder eine Bereitschaftsdienst-Leitstelle in der Nähe weitergeleitet. Regionale Nummer können auch direkt genutzt werden, doch diese sind in den meisten Fällen nicht bekannt.

In dringenden Notfällen besuchen die Bereitschaftsärzte die Patienten auch Zuhause. In vielen Fällen seien die Notfallpraxen sogar in Krankenhausnähe angesiedelt, sagt Milinewitsch. „Geplant sind ja so eine Art Portalpraxen. Die Politik stellt sich das wohl so vor, dass man einen gemeinsamen Schalter hat und dann entscheidet jemand, ob der Patient besser in die Notfallpraxis oder die Krankenhausambulanz geht, je nach Schwierigkeit. Klingt auch erstmal sehr logisch, aber da sind wir wohl noch etwas von entfernt“, stellt Milinewitsch fest.

Was er noch klarstellen möchte: „Die Mitarbeiter im Krankenhaus behandeln die Patienten gerne und sind mit vollem Einsatz dabei. Es ist auch erstmal schwierig zu differenzieren, man darf ja auch nichts bagatellisieren. Wir schicken auf jeden Fall niemanden nach Hause.“

Am Ende liegt es in der Verantwortung eines jeden Patienten, zu entscheiden, an wen er sich mit seinen Beschwerden wendet. Im besten Fall kann er in einer Notfallpraxis sogar schneller Hilfe bekommen als in der Notfallambulanz, weshalb sich ein Umdenken und Aufklärung lohnt.

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