Der Schutz der Nichtraucher in NRW soll verbessert werden. In Krefeld bedroht das laut Dehoga mehr als 100 Kneipen.

Gesetz
Bei Herbst Pitt treffen sich die Raucher an der Theke. Gastronom Klaus Rudolph (2.v.r.), seit längerem Nichtraucher, pafft auch schon mal mit. Fotos (3): Dirk Jochmann

Bei Herbst Pitt treffen sich die Raucher an der Theke. Gastronom Klaus Rudolph (2.v.r.), seit längerem Nichtraucher, pafft auch schon mal mit. Fotos (3): Dirk Jochmann

Jochmann, Dirk (dj)

Bei Herbst Pitt treffen sich die Raucher an der Theke. Gastronom Klaus Rudolph (2.v.r.), seit längerem Nichtraucher, pafft auch schon mal mit. Fotos (3): Dirk Jochmann

Krefeld. Viele Jecken tun es, auch unter Schützen ist es weit verbreitet: Das Rauchen gehört für viele Menschen zum Feiern wie die gute Laune – und auf vielen Veranstaltungen nehmen sogar Menschen den Qualm in Kauf, die selbst nicht rauchen.

Damit soll bald Schluss sein. Das Nichtraucherschutzgesetz soll in NRW verschärft werden. Wird die Gesetzesnovelle der Gesundheitsministerin Barbara Steffens von den Grünen in der jetzigen Form umgesetzt, beginnt mit dem 1. September die rauchfreie Zeitrechnung auch in Krefeld.

Dehoga-Sprecher sagt ein Kneipensterben voraus

Betroffen wären dann auch die bislang weitgehend verschont gebliebenen Raucher-Refugien: In sogenannten Raucherklubs, aber auch auf Schützen- oder Karnevalsfesten dürfte ab 2013 kein Qualm mehr die Luft trüben.

„Im Sinne des Brauchtums finde ich die geplante Gesetzesänderung schlecht“, kommentiert Werner Krüger, der Vorsitzende der Großen Karnevalsgesellschaft 1878, die geplante Änderung des Gesetzes. So wie auch Veith Winkels vom Festkomitee Krefelder Karneval sieht er das närrische Treiben dadurch aber nicht in Gefahr: „Es ist nicht ausschlaggebend für die Laune auf den Sitzungen, ob geraucht werden darf“, so Nichtraucher Krüger.

Der Dachverband des Hotel- und Gaststättengewerbes sieht das kritischer und untermauert dies mit Zahlen: Der für den Raum Krefeld zuständige Dehoga-Geschäftsführer Thomas Kolaric schätzt die Zahl der durch die Gesetzesnovellierung in ihrer Existenz bedrohten Betriebe auf 100 bis 150. „Das ist nicht nur tragisch für die Betroffenen, es könnte sich auch negativ aufs Stadtbild auswirken“, sagt er. Viele Wirte haben ihre Räume gepachtet, einem Kneipensterben könnten also Leerstände und Pachtausfälle für Besitzer folgen.

Ob er angesichts der neuen Vorgaben die Traditionskneipe „Zille“ in Uerdingen weiter betreiben könne, bezweifelt Inhaber Roland Nickel. Seit 13 Jahren besteht seine Kundschaft zu etwa 90 Prozent aus Stammgästen. „Davon sind etwa 60 Prozent Raucher“, sagt Nickel. Die Kneipe des 54-Jährigen umfasst weniger als 70 Quadratmeter Fläche und es gibt keine warme Küche, so dass in der Zille zur Zigarette gegriffen werden darf.

Rauchen gehört in einer Kneipe zur Geselligkeit

Nickel, selbst Nichtraucher, befürchtet einen massiven Gästeschwund in seinem Lokal: „Das erste halbe Jahr würden sehr viele Leute wegbleiben, denn für die meisten Gäste hier – selbst für Nichtraucher – gehört es zur Geselligkeit in einer Kneipe, dass geraucht wird.“ Der Wirt setzt auf die Umsicht der Verantwortlichen: „Ich habe die Hoffnung, dass die Politik einen Ausweg für die kleinen Gastronomen finden wird.“

Bei der Stadtverwaltung möchte man sich „vor Bekanntwerden der gültigen Gesetzesvorgabe“ nicht zum Thema äußern, heißt es aus dem Presseamt. „Ganz oder gar nicht“, sei angesichts der derzeit nicht zufrieden stellenden Situation jedoch aus Verwaltungssicht der Standpunkt.

Bußgelder habe man in diesem Zusammenhang bislang nicht an Wirte verteilt. Das Ordnungsamt wird nur nach Beschwerden aktiv. Selbst für die Kontrolle des jetzigen Gesetzes fehlt in Krefeld zusätzliches Personal.

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