Stadt will die Luftqualität am Oranierring mithilfe von Titandioxid-Steinen weiter verbessern. Eine erste Teststrecke in Krefeld ist verlegt.

Stadt will die Luftqualität am Oranierring mithilfe von Titandioxid-Steinen weiter verbessern. Teststrecke in Krefeld ist verlegt.
So sehen die Titandioxid-Steine aus, die auf einem Teilstück des Oranierrings nun versuchsweise verlegt worden sind.

So sehen die Titandioxid-Steine aus, die auf einem Teilstück des Oranierrings nun versuchsweise verlegt worden sind.

Andreas Bischof

So sehen die Titandioxid-Steine aus, die auf einem Teilstück des Oranierrings nun versuchsweise verlegt worden sind.

Krefeld. Bis vor zwei Jahren wurde der Grenzwert für Stickstoffdioxid-Immissionen an Brennpunkten in der Stadt wie am Oranierring noch überschritten. „Seitdem wird er dank Lkw-Fahrverboten und Umweltzonen knapp eingehalten“, sagt Umweltdezernent Thomas Visser bei einer Ortsbegehung. „Das ist aber kein Grund, um sich beruhigt zurückzulehnen – auch wenn Krefeld anders als Stuttgart nicht kurz vor einem Fahrverbot steht.“

Grenzwert in Krefeld wird derzeit knapp eingehalten

Nach Angaben des zuständigen NRW-Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) ist der EU-Jahresgrenzwert von 40 µg/m3 (Mikrogramm pro Kubikmeter) Luft in Krefeld an den beiden Standorten Kölner Straße und Oranierring im vergangenen Jahr nur denkbar knapp eingehalten worden: mit 39 beziehungsweise 40 µg/m3.

Die Stadt will deshalb den Luftreinhalteplan fortschreiben und ergänzende Maßnahmen ergreifen. Ein solch neuer, unkonventioneller Weg ist ein Pflasterbelag, der dank Photokatalyse die Immissionen von Stickstoffdioxid und Stickoxid reduziert. In Kooperation mit dem Betonsteinhersteller Lintel aus dem ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück wurden im Frühjahr entlang des Oranierrings zwischen Hubertus- und Hülser Straße auf 700 Metern Länge und 2000 Quadratmetern Fläche Titandioxid-Pflastersteine auf dem südlichen Bürgersteig verlegt.

Thomas Theilmeier von Lintel berichtet, dass dank der Neuentwicklung sowohl im Labor als auch in der Praxis hohe Abbauraten an Stickoxiden erzielt wurden und die Prüfverfahren dem internationalem ISO-Standard standhalten. Am Bahnhof in Detmold habe das Unternehmen unter Realbedingungen und wissenschaftlicher Aufsicht im direkten Vergleich zwischen Flächen mit und ohne Titandioxid eine Abbaurate von 18 Prozent an Stickstoffdioxid (bei Windstille sogar bis zu 70 Prozent) und 30 Prozent an Stickoxiden im Jahresmittelwert erzielt. Zuletzt sei sogar noch einmal ein technischer Quantensprung mit einer bis zu dreifach höheren Abbaurate gelungen. Dieser Belag ist am Oranierring verlegt. Positive Erfahrungen habe man außerdem schon bei Projekten in Erfurt, Gotha und Fulda gemacht. Die Mixtur für die Pflastersteine will Theilmeier nicht verraten.

Bei der Photokatalyse spielt die Lichteinstrahlung wichtige Rolle

Ähnlich wie bei der Photosynthese von Pflanzen spielt auch bei der Photokatalyse die Lichteinstrahlung eine wichtige Rolle. Je mehr Licht, desto besser, aber selbst wenig und künstliches Licht genügen bereits. Durch chemische Reaktion wird Stickstoffdioxid am Pflasterstein in Nitrat umgewandelt und so aus der Luft entfernt. Nitrat ist wasserlöslich und wird durch Regenwasser aufgenommen und abtransportiert.

Das Titandioxid wirkt als Katalysator, der sich nicht verbraucht und jahrzehntelang wirksam bleibt. Angenehmer Nebeneffekt: Durch Bildung einer wasserlöslichen Oberfläche reinigt sich die Fläche bei jedem Niederschlag selbst und verschmutzt auch weniger mit Moos, Flechten und Algen.

Wie geht es in Krefeld weiter? Das Umweltamt wird das Messgerät am Oranierring nutzen, um die Wirkung des neuen Belags zu ermitteln. Seit Mai werden die Werte mit Rücksicht auf den neuen Belag gemessen. Erste Hinweise erwartet Visser im ersten Quartal 2018 sowie einen stichhaltigen Nachweis nach einem Jahr.

Dann wird sich zeigen, wie gut die Wirkung wirklich ist. Schließlich hängt laut Visser die Luftreinhaltung von vielen Faktoren ab – auch von wirksamen Verkehrskontrollen. Erst danach entscheidet sich, ob das Verfahren auch an anderen Brennpunkten der Stadt eingesetzt wird – oder auch direkt und möglicherweise noch wirksamer als Straßen- anstelle des Bürgersteigbelags.

Das Land bezuschusst den Einbau der Steine mit 90 Prozent

Mit Blick auf die Kosten muss sich die Stadt kaum einschränken. Der Einbau kostet 200 000 Euro, wovon 90 Prozent aus Mitteln des Kommunalinvestitionsförderungsgesetzes zur Verbesserung der Luftqualität gefördert werden. Den Mehrpreis im Vergleich zu herkömmlichen Belägen beziffert Theilmeier mit etwa acht Euro pro Quadratmeter. Speziell die obere Schicht der Betonbausteine ist mit Titandioxid durchsetzt.

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