Vier Arbeitslose werden zu Heizern ausgebildet. Arbeit statt Alkoholismus.

wza_1198x1183_577840.jpeg
Initiator Jürgen Franck steht für sinnvolle Nutzung der Lebenszeit.

Initiator Jürgen Franck steht für sinnvolle Nutzung der Lebenszeit.

Kurt Lübke

Initiator Jürgen Franck steht für sinnvolle Nutzung der Lebenszeit.

Krefeld. Arbeitslosigkeit ist eine echte Belastung - und das nicht nur finanzieller Art. Wer seinen Job verliert und keinen neuen findet, fühlt sich mit der Zeit nicht gebraucht und überflüssig. Antriebslosigkeit und Depressionen können die Folge sein. Solche Menschen gelten dann mit der Zeit als "unvermittelbar", weil ihnen Selbstvertrauen, Teamfähigkeit und Kommunikationsvermögen fehlen.

Das Gewerkehaus, das in einem Hinterhof an der Gartenstraße liegt, widmet sich genau diesen Verlierern des sogenannten ersten Arbeitsmarktes. Kommunikationstrainer Jürgen Franck hat dieses außergewöhnliche Projekt mit seiner Agentur "Franck & Friends Commun!cations" vor zwei Jahren ins Leben gerufen. Das Konzept: "Das Gewerkehaus ist ein Sozialunternehmen mit demokratischer Ausrichtung", sagt Franck.

Mit Regeln straffällige Jugendliche fördern und von der Straße holen

Jeder ist eingeladen mitzumachen, allerdings wird nicht jeder aufgenommen: "Der Sympathiefaktor spielt eine große Rolle", erklärt Franck, der lange als Streetworker gearbeitet hat. "Und jeder muss sich an drei einfache Regeln halten: Verändere nichts ohne Absprache. Wenn du etwas nicht verstehst, dann frage nach. Und: Verbringe eine gute Zeit."

Das Gewerkehaus, das mit Werkstätten, einem Seminarraum, einem Atelier und einer Mensa Betätigungsmöglichkeiten für 80 bis 120 Leute bietet, hat seit seiner Gründung einige neue Projekte ins Leben gerufen. "16 Leute sind mittlerweile regelmäßig hier und entwickeln Ideen, wie man brachliegende Arbeit erschließen kann", sagt Initiator Franck.

Herausgekommen ist unter anderem das CSI-Mobil. CSI steht in diesem Fall nicht für "Crime Scene Investigation" wie in den gleichnamigen TV-Serien, sondern für "City Service Innenstadt". "Zwei bis drei junge Menschen sollen in schnuckeligen Anzügen mit dem Slogan ,Wir machen das - schön hier’ die Innenstadt sauber halten und kleine Reparaturen für die Einzelhändler durchführen", sagt Franck. "Gleichzeitig sollen sie regelmäßig am Südwall vorbeigehen und versuchen, die jungen Leute von der Straße wegzuholen, die dort schon morgens um elf Uhr mit einer Flasche Bier sitzen."

Außerdem werden in naher Zukunft mehrere Holzheizkessel in den Garagen neben dem Gewerkehaus installiert. Mit ihnen werden 49 Wohnungen in den Nachbargebäuden beheizt, die momentan saniert werden. "Krefeld verfügt über 1024 Hektar Wald", sagt Franck. "Und es gibt hunderte Jugendliche, die nichts gelernt haben und straffällig werden. Sie sollen für uns im Wald ihre Sozialstunden ableisten - das hat garantiert eine therapeutischen Wirkung." Wer sich dabei besonders gut anstellt, hat die Chance, einen der vier Ausbildungsplätze zum Heizer zu ergattern.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer