Für Florian Philipp Ott ist Planung das halbe Leben. Vielleicht hat er deshalb mit 29 Jahren schon so viel erreicht. Jetzt will er für die FDP in den Bundestag.

Für Florian Philipp Ott ist Planung das halbe Leben. Vielleicht hat er deshalb mit 29 Jahren schon so viel erreicht. Jetzt will er für die FDP in den Bundestag.
Für viele ist die Ostwall-Haltestelle ein Ärgernis. Für Florian Phillip Ott ist sie das Tor zur Welt.

Für viele ist die Ostwall-Haltestelle ein Ärgernis. Für Florian Phillip Ott ist sie das Tor zur Welt.

Dirk Jochmann

Für viele ist die Ostwall-Haltestelle ein Ärgernis. Für Florian Phillip Ott ist sie das Tor zur Welt.

Krefeld. Den Start für den Ausgangspunkt des WZ-Spaziergangs hat Florian Philipp Ott bewusst gefällt. Die Ostwall-Haltestelle soll es sein. Der Ort, den viele Krefelder mit Blick aufs undichte Glasdach in die Geldverschwendungsschublade stecken, bedeutet für Ott nicht mehr und nicht weniger, als das Tor zur Welt. „Von hier aus sind für mich schon so viele aufregende Reisen gestartet, ich finde die Haltestelle einfach gut. Hier spielt sich das Leben ab. Von hier aus fahren sie alle ab. Fischelner, Hülser, Uerdinger, Bockumer, einfach alle.“ Und nahe der UdU kommen sie auch alle wieder an. Auch der 29-Jährige selbst, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent an der Universität Duisburg/Essen arbeitet. Im Bereich Politikwissenschaften versteht sich. Masterarbeit mit 1,0 bestanden. Die Frage nach dem Streber beantwortet der FDP-Ratsherr mit einem Lächeln: „Politik macht mir halt Spaß und im Studium bin ich voll aufgegangenen.“

Leistungen wie diese traut Ott auch jedem anderen jungen Menschen zu. Wenn die Voraussetzungen stimmen. „Die Abgeordneten im Bundestag sind im Durchschnitt 50 Jahre alt. Ob Rente, Staatsverschuldung oder Bildung – die Belange kommender Generationen kommen im Parlament deutlich zu kurz“, findet Ott und fordert: „Der Bundestag braucht mehr junge Abgeordnete.“

Sein Motto: „Die Zukunft ist besser als ihr Ruf – machen wir was draus.“ Dahinter steht auf den Wahlplakaten in Krefeld und Moers ein junger Mann mit verschränkten Armen – und einem Lächeln. „Ich glaube, andere Parteien machen die Zukunft schlechter als sie ist. Ich sehe eher die Chancen, die sie birgt.“

Diese könnten aber nur mit Mut zur Veränderung angegangen werden. „Warum sollen Arbeitszeitmodelle nicht deutlich flexibler werden, damit die Menschen Job und Familie besser unter einen Hut kriegen können. Warum soll die Digitalisierung uns nicht neue Bildungsmöglichkeiten schaffen?“, fragt Ott. Handys als Recherchewerkzeuge oder als Instrument zur Beantwortung von Fragen in Klassenräumen oder Hörsälen müssten laut ihm längst Alltag sein. „Smartphones sind kein Allheilmittel, aber wir sollten uns da mehr trauen“, plädiert Ott für mehr intelligente Technik in Bildungseinrichtungen.

Den Verberger zog es in die Innenstadt und zur FDP

Doch zurück zum Menschen Florian Philipp Ott, der in der Innenstadt wohnt. „Meine Eltern und auch einige Freunde haben das nicht verstanden, aber ich mag Krefelds Innenstadt, liebe es, dass alles fußläufig erreichbar ist.“ Aufgewachsen ist Ott in Verberg. SPD-Land, wie er selber sagt. Zur Politik gekommen ist er als der Bescheid zum Zivildienst daheim reinflatterte. „Ich habe mich so maßlos geärgert, weil ich den Plan hatte, Journalistik zu studieren und das nun nach hinten verschieben musste. Gegen diese Ungerechtigkeit konnte ich nichts mehr tun, aber ich wollte, dass andere es besser haben.“

Das politische Interesse des jungen Mannes ist geweckt. Es wird die FDP, „weil ich immer schon liberal eingestellt war“. Die Karriere verläuft rasant. 2010 ist Ott bereits stellvertretender Kreisvorsitzender der Liberalen in Krefeld, 2014 wird er jüngstes Ratsmitglied der Stadt Krefeld. Heute ist er Mitglied im FDP-Bundesvorstand für die Jungen Liberalen und kümmert sich unter anderem um die Pressearbeit. „Deshalb bin ich am Tag der Bundestagswahl auch in Berlin.“

Was Berlin und Krefeld gemeinsam haben? Laut Ott ganz klar die reichhaltige Auswahl an türkischen und libanesischen Speisen. „Für mich ist Krefelds Dönermeile auf dem Ostwall ein Segen.“ Zweimal die Woche sei er mindestens dort. Dann gibt’s meist eine Falafel-Tasche für den Vegetarier. Unweit der Schnellrestaurants liegen mit dem Blauen Engel und dem Café Kosmopolit zwei Lieblingslokalitäten des 29-Jährigen. „Krefeld hat einfach gute Lokale in der Innenstadt“, ist sich Ott sicher. Wenn es nach ihm ginge, müsste viel mehr in Krefelds doch oftmals als Problembereich verschrieenen Bezirk Mitte investiert werden. „Andere Städte können sich vor neuen Bürgern in den jeweiligen Stadtzentren kaum retten, in Krefeld müssen wir mehr Anreize schaffen.“ Vor allem für junge Familien, findet Ott.

Ott beantwortet politische Fragen auf der Dating-App Tinder

Ein möglicher Anziehungspunkt könnte ein neugestalteter Theaterplatz werden. „Da heißt es für mich ganz klar: Mut zur Lücke. Reißt das Ding ab und lasst uns einen offenen Verweilplatz für alle schaffen – mit Anbindung an Mediothek und Theater.“

Nicht immer liegt Ott mit solchen Aussagen auf Parteikurs. „Ich sage einfach, was ich denke“, erklärt der junge Mann, der großer USA-Fan ist und es schaffen will, alle Bundesstaaten der Vereinigten Staaten zu bereisen. 26 sind es bereits. „Da war auch schon ein ordentlicher Roadtrip dabei“, berichtet Ott, der auch mal Wahlkampf mit der App Tinder betreibt. „Es gibt da ein Profil von mir, an das man Fragen stellen kann.“ Was da so für Fragen kommen, wo die App doch hauptsächlich dafür gemacht ist, amouröse Bekanntschaften zu machen? „Alles mögliche, von Fragen zur Bildungspolitik bis zu Sachen wie: Was macht ihr gegen die AfD?“ Apps wie Tinder zu Wahlkampfzwecken zu nutzen oder sich für den WZ-Spaziergang einen belebten Ausgangspunkt für bürgernahe Bilder auszusuchen: Es sind solche Ideen, die den FDP-Ratsherrn umtreiben, um ein Projekt wie eine Bundestagswahl erfolgreich zu gestalten. Getreu dem Ausspruch des Schweizer Schriftstellers Emil Oesch: Ein Mensch ohne Plan ist wie ein Schiff ohne Steuer. Das Kandidaten-Video gibt’s unter: wz.de/ott

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