Der junge Flüchtling aus Afghanistan hat in Krefeld eine Heimat und einen neuen Job gefunden.

Mohammadnasir Shadabzada ist vor den Taliban aus seiner Heimatstadt Kabul geflüchtet. Heute arbeitet der Sozialarbeiter in einem Kinderheim und schmiedet Zukunftspläne – in Krefeld.
Mohammadnasir Shadabzada ist vor den Taliban aus seiner Heimatstadt Kabul geflüchtet. Heute arbeitet der Sozialarbeiter in einem Kinderheim und schmiedet Zukunftspläne – in Krefeld.

Mohammadnasir Shadabzada ist vor den Taliban aus seiner Heimatstadt Kabul geflüchtet. Heute arbeitet der Sozialarbeiter in einem Kinderheim und schmiedet Zukunftspläne – in Krefeld.

DJ

Mohammadnasir Shadabzada ist vor den Taliban aus seiner Heimatstadt Kabul geflüchtet. Heute arbeitet der Sozialarbeiter in einem Kinderheim und schmiedet Zukunftspläne – in Krefeld.

Krefeld. Mohammadnasir Shadabzada hat für deutsche Zungen einen sehr langen Namen. „Freunde nennen mich Nasir oder einfach nur Mo“, sagt der 24-Jährige fröhlich. Er findet beide Abkürzungen völlig in Ordnung. Überhaupt gefällt ihm so ziemlich alles hier in Krefeld.

55 Tage war der 24-Jährige auf der Flucht

Mo ist einer von vielen Flüchtlingen aus Afghanistan. Sein Weg führte ihn vor zweieinhalb Jahren von Kabul nach Deutschland, seine erste Anlaufstelle war Herzogenrath. Von dort aus kam er direkt nach Krefeld. 55 Tage war Mo unterwegs. „Den größten Teil mit dem Auto, weite Strecken aber auch zu Fuß. Ich habe viel Geld für die Reise bezahlt“, erzählt der junge Mann.

Sein Weg führte ihn von seiner Heimatstadt Kabul über Pakistan, Iran und die Balkanroute nach Deutschland. Anfangs war ihm das Ziel seiner Flucht nicht so wichtig. Nasir hätte auch in Ungarn bleiben können. „Ich bin jung, ich will etwas lernen und mir ein gutes Leben aufbauen“, erklärt er. „Das ging nicht in Ungarn.“ In Kabul arbeitete Mo als Sozialberater in einer Fachklinik für Drogenkranke.

WZ-Serie:

Neues Zuhause

Porträts Geflüchteter Welche Sorgen haben die Menschen, die wegen Krieg, Hunger, Verfolgung aus ihrer Heimat geflohen sind und oft ihr ganzes Leben für eine ungewisse Zukunft zurückgelassen haben? Welche Chancen bietet ihnen das Leben in ihrer neuen Heimat? Das möchte die Westdeutsche Zeitung wissen und porträtiert in den nächsten Wochen Schicksale Geflüchteter, die in Krefeld ein neues Zuhause gefunden haben.

Reihe Die Porträts werden in loser Folge in der WZ veröffentlicht.

An der Universität belegte er Abendkurse in Buchhaltung. „Die Taliban sind ein Teil der Drogenmafia“, erklärt Mo. „Wegen meines Berufs bekam ich mit den Taliban große Probleme. Sie versuchten, mich zu töten. Ich hatte keine Chance, in Kabul weiterzuleben.“

Die ersten acht Monate in Krefeld verbrachte Mo in einer als Flüchtlingsunterkunft freigegeben Sporthalle in Uerdingen. „Das war eine schwere Zeit für mich“, erzählt er traurig. „Ich war als Flüchtling nicht anerkannt, ich durfte nicht arbeiten und ich war zum ersten Mal ohne meine Familie.“ Zu seinem Glück lernte er die Ehrenamtler des Vereins Helfende Hände kennen. „Petra Engelbertz und Martina Deselaers haben mir sehr geholfen“, sagt Mo dankbar.

Er hat ein Talent für Fremdsprachen. Er beherrscht fünf Sprachen und fing an, Deutsch zu lernen. „Das habe ich mir mit dem Handy und Youtube selbst beigebracht.“ Schon bald bot er sich als Dolmetscher für andere Flüchtlinge an und begleitete sie zum Sozialamt. Im Juni 2016 überschlugen sich dann die Ereignisse. Nasir bekam eine Wohnungserlaubnis und fand eine Woche später über das interkulturelle „Café Sarah“ eine Arbeitsstelle. Im Kinderheim Marianum ist Mo heute einer von fünf Betreuern einer Gruppe unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. „Ich habe schon in Kabul viel mit Minderjährigen gearbeitet.“

Mo möchte seinen Führerschein machen und studieren

Seit Anfang des Jahres ist Nasir offiziell als Flüchtling anerkannt. Stolz zeigt er seinen Ausweis. In drei Jahren entscheidet sich, ob er für weitere fünf Jahre bleiben darf – oder eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis bekommt. Bis dahin will Mo alles so weitermachen wie bisher. Er will seine guten Deutschkenntnisse noch verbessern, arbeiten, lesen, im Verein Volleyball und mit seinen Freunden Billard spielen und – ganz wichtig: sich nichts zu schulden kommen lassen.

Mohammadnasir Shadabzada ist angekommen in Krefeld. Und er schmiedet Pläne für die Zukunft, liebäugelt mit einem sozialpädagogischen Studium und möchte den Führerschein machen.

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