Die rüstige Sopranistin feiert heute ihren 90. Geburtstag.

Die rüstige Sopranistin feiert heute ihren 90. Geburtstag.
Auch heute noch sitzt Doris Gilles hin und wieder am Klavier.

Auch heute noch sitzt Doris Gilles hin und wieder am Klavier.

Dirk Jochmann

Auch heute noch sitzt Doris Gilles hin und wieder am Klavier.

Ob Doris Gilles ihren Koloratursopran zu ihrem heutigen 90. Geburtstag erklingen lassen wird, weiß sie noch nicht. „Beim 89. habe ich noch gesungen“, berichtet die agile, jung gebliebene Frau. „Aber meine Stimme muss gut sein. Ich bin sehr kritisch. Es darf nicht peinlich sein, sonst lasse ich es lieber.“ Doris Gilles, die eigentlich Theodora Albertine heißt, wurde im Uerdinger St. Josefshospital in den Bäckerhaushalt namens Labusch geboren. Sie ist eine bemerkenswerte Frau, die schon immer wusste, was sie wollte. „Als ich in der Schule gefragt wurde, was ich werden wollte, habe ich immer gesagt: ,Sängerin‘. Ich hatte meine feste Vorstellung“, sagt sie und lacht.

Ihre schöne Stimme war beim Weihnachtsmärchen in der Kirche aufgefallen. Die Musikalität ist wohl ein Erbe des aus Südfrankreich stammenden Großvaters. „Meine ältere Schwester und ich haben früh das Konservatorium besucht und Klavierspielen gelernt.“ Heute sitzt sie nicht mehr so oft am Instrument. „Ich habe flotte Weisen gerne gemocht, Operetten, aber auch Opern und mein Lieblingslied war schon immer der Frühlingsstimmenwalzer.“ Als sie im letzten Kriegsjahr von der Berufsschule zur Gewerbegehilfin nach Hause in Linn ging, hat sie an einer Hauswand das Schild der Gesangspädagogin Maria Schrörs-Richrath gesehen. „Ich bin einfach hin, ohne zu Hause etwas zu sagen, und habe den Walzer vorgetragen, den ich mir selbst beigebracht hatte. Die Lehrerin war mehr als beeindruckt.“

Obwohl Doris Labusch auch immer hinter der Bäckertheke stand und sich freute, dort mit vielen Menschen umgehen zu können, hat sie ihre ausgebildete Stimme gepflegt. „Ich wollte immer freischaffende Künstlerin sein, deshalb hätte ich ein Engagement am Theater nicht angenommen. Ich habe meine eigenen Konzertabende gehabt und gerne Oratorien in der Kirche gesungen. Dort ist die Akustik so schön.“ Mit 24 Jahren hat sie Harald Gilles kennengelernt, im Karneval, verkleidet als „schäbige Alte“. Mit ihm bekam sie zwei Töchter und hat sechs Enkelkinder. Ihr Mann ist bereits verstorben.

Mit der Familie und Freunden will sie heute ihren Geburtstag gebührend feiern. „Der Abend gehört der Familie“, hat sie beschlossen. Tagsüber kommen die Freundinnen vom Frühstückstreffen und von den Tagesfahrten. cf

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