Die Reste des Markts auf dem Westwall ziehen die Nager an. Bei einigen Anwohnern ist die Empörung groß.

Ärger
Anwohner Erwin Lichtenberg (rechts) und der Hausmeister Norbert Böer zeigen auf ein Gebüsch mit Rattennestern.

Anwohner Erwin Lichtenberg (rechts) und der Hausmeister Norbert Böer zeigen auf ein Gebüsch mit Rattennestern.

Andreas Bischof

Anwohner Erwin Lichtenberg (rechts) und der Hausmeister Norbert Böer zeigen auf ein Gebüsch mit Rattennestern.

Krefeld. Erwin Lichtenberg schüttelt sich vor Ekel. „Morgens, wenn man rausschaut, dann huschen die Viecher über den Westwall.“ Der pensionierte Landesbeamte spricht von Ratten. Vermutlich sind es Wander- oder Hausratten. Sie breiten sich zunehmend zwischen Dreikönigen- und Stephanstraße aus. Auch die Marktbeschicker klagen laut Lichtenberg. „Wenn die morgens aufbauen, dann wieseln ihnen die Tiere fast zwischen ihren Beinen herum.“

Kioskbetreiber muss aufpassen, dass die Tiere draußen bleiben

Kioskinhaber Bülent Korkmaz, der seine Kunden an der Ecke Dreikönigenstraße bedient, schüttelt den Kopf. „Wenn wir nicht aufpassen und die Türe offen stehen, dann kommen die Biester ganz frech auch in den Laden rein.“

Erwin Lichtenberg wohnt in Nummer 39, einem über hundert Jahre alten Gebäude. Im Erdgeschoss sind die Räumlichkeiten des Christlichen Vereins Junger Männer (CVJM) untergebracht, dessen stellvertretender Vorsitzender Lichtenberg ist. Fünf Mietparteien wohnen in dem Haus.

„Bei uns waren sie schon drin“, berichtet der 69-Jährige. Als blinder Passagier sozusagen. Eine Ratte hatte es sich vor drei Wochen in einem Müllcontainer bequem gemacht, den Hausmeister Norbert Böer (54) von der Straße in den Hinterhof gerollt hat. „So an die 30 Zentimeter groß war die bestimmt“, sagt Böer, der seit zehn Jahren hier wohnt.

Lichtenberg hat daraufhin den Essener Schädlingsbekämpfer Bastex geordert. Dieser legte Giftköder im Haus aus und nur wenig später war der erste Nager daran verendet. „Die vermehren sich ja schneller als Karnickel“, warnt Böer.

Ratten gelten gemeinhin als Nahrungsmittelschädlinge. Der in der Landwirtschaft durch sie verursachte Schaden ist enorm. Zudem treten sie in Gartenanlagen auf, wo besonders Wurzeln und Knollen angenagt werden. Sie nutzen dabei auch gern Gänge, welche durch Maulwürfe gegraben wurden. Auch Gebäude werden in Mitleidenschaft gezogen, weil die Nager Wasser- und Abwasserleitungen beschädigen können. Fachleute schätzen, dass in großen Städten in etwa so viele Ratten wie Einwohner leben.

„Dort draußen, unter den Hecken, verstecken sie sich“, deutet Lichtenberg auf die Grünpflanzungen rund um die Bäume auf dem Westwall. Trotz der Reinigung durch die die Gesellschaft für Stadtreinigung nach den Markttagen am Dienstag und Freitag fänden die Nagetiere dort offenbar reichlich Nahrung.

Oberbürgermeister sagt zu, sich zu kümmern

Unter einer Hecke liegt ein tote und ausgeweidete Taube. „Die ist offenbar auch ein Opfer der Ratten“, meint Hausmeister Böer. Vor der Pflanzung der Hecken als Baumschutz habe es keine Probleme gegeben, meint Lichtenberg. Mitte Juni hat er sich zunächst ans Ordnungsamt und einige Tage später an Oberbürgermeister Gregor Kathstede gewandt. Der Verwaltungschef hat ihm geantwortet. Er werde sich um das Problem kümmern und ihn dann in Kenntnis setzen.

Aktuell, so teilt das Presseamt mit, „überprüft die Stadt in Zusammenarbeit mit den SWK die lokalen Gegebenheiten und beauftragt dann gegebenenfalls einen Schädlingsbekämpfer.“ Betreiber von abwassertechnischen Anlagen wie die SWK sind zur Rattenbekämpfung verpflichtet.

„Wir müssen an die Schüler des Fichte-Gymnasiums und die Kinder in der Kita an der Dreikönigenstraße denken sowie an die Spielplätze ringsum“, sagt Lichtenberg. „Rattenkot auf Spielplätzen ist gesundheitsgefährdend.“

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