Im Landgericht hat sich der Rechtsmediziner bei der Familie von Askin U. entschuldigt.

Mit diesen Handschellen war Askin U. gefesselt worden. An ihnen konnten Spuren des Angeklagten Fred W. gefunden werden.  (Archiv
Mit diesen Handschellen war Askin U. gefesselt worden. An ihnen konnten Spuren des Angeklagten Fred W. gefunden werden. (Archiv

Mit diesen Handschellen war Askin U. gefesselt worden. An ihnen konnten Spuren des Angeklagten Fred W. gefunden werden. (Archiv

Polizei

Mit diesen Handschellen war Askin U. gefesselt worden. An ihnen konnten Spuren des Angeklagten Fred W. gefunden werden. (Archiv

Krefeld. Der Schuss war aufgesetzt, und er traf Askin U. hinter dem linken Ohr. Vermutlich schon die Hände mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt und mit einem wuchtigen Schlag zu Boden gebracht, traf den 27-jährigen Autohändler das Projektil des Kalibers 7.65 aus einem selbstgebastelten Schalldämpfer.

Das jedenfalls glaubt Dr. Eberhard Springer. Der Rechtsmediziner aus Duisburg hatte den Leichnam des Mannes obduziert, der am 19.Mai vergangenen Jahres im Top-Cars-Büro an der Ennsstraße umgebracht worden war.

Vor dem Landgericht - dort sitzt Fred W. wegen der Tat auf der Anklagebank - räumte der Mediziner am Mittwoch einen kapitalen Fehler ein, für den er sich bei der Familie des Opfers entschuldigte: Der frühere Leiter des rechtsmedizinischen Instituts in Duisburg, der mittlerweile freiberuflich dort tätig ist, hatte die Eintrittswunde am Hinterkopf übersehen, weshalb der Körper ein dreiviertel Jahr später in der türkischen Heimat obduziert werden musste.

Springer hatte an eine Schlagverletzung geglaubt. Durch die Wucht, glaubte er, müsse ein Aneurysma geplatzt und Askin U. eine Hirnblutung erlitten haben. Als ein Neuropathologe später das Gehirn untersuchte, entdeckte dieser allerdings Knochensplitter, die eine Gefäßblutung ausgelöst hatten.

Im Wissen, dass am Tatort eine Patronenhülse gefunden worden war, wurde Springer klar: Es muss einen Schuss in den Schädel gegeben haben. Weil er keine Wunde gesehen hatte, glaubte der Mediziner, dieser müsse in den Mund erfolgt sein. Weit gefehlt: Türkische Obduzenten entdeckten die Einschusswunde am Hinterkopf.

Demnach war das Projektil - durch den Schalldämpfer mit sehr geringer Energie - unterhalb des Gehirns in die Schädelbasis gelangt. Dass der Kopf nicht geröntgt worden war, bezeichnete der Mediziner gestern als Fehler. Die Mutter des Opfers brach bei den Schilderungen immer wieder in Tränen aus und verließ irgendwann aufgelöst den Gerichtssaal.

Am Mittwoch sagten mehrere Zeugen aus, die kurz nach dem Mord am Tatort waren. Der Vater hatte seinen Sohn in einer Blutlache hinter dem Schreibtisch des Nachbarbüros vorgefunden. Er berichtete gestern, wie er versuchte, Askin wiederzubeleben und dabei verzweifelt schrie. Er war von einem türkischen Anwalt angerufen worden, der ein Auto abholen wollte, das Büro von Askin U. aber ungewöhnlicherweise unverschlossen vorfand. Der lag leblos im Büro nebenan, die Tür war ins Schloss gezogen.

Am nächsten Prozesstag, 26.Mai, wird der Leiter der Mordkommission, Gerd Hoppmann, in den Zeugenstand treten.

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