Die Entscheidung fiel Brigitte Reich nicht leicht, aber sie fiel einstimmig. Ein Gespräch mit der langjährigen Vorsitzenden.

Die Entscheidung fiel Brigitte Reich nicht leicht, aber sie fiel einstimmig. Ein Gespräch mit der langjährigen Vorsitzenden.
Die langjährige Vorsitzende des Bürgervereins Süd, Brigitte Reich, mit ihrem BV-Kollegen Patrick Albrecht und dem Leiter des Freizeitzentrums Süd, Martin Gabriel (r.), beim 40. Geburtstag der Einrichtung: Man bleibt einander verbunden. Archiv

Die langjährige Vorsitzende des Bürgervereins Süd, Brigitte Reich, mit ihrem BV-Kollegen Patrick Albrecht und dem Leiter des Freizeitzentrums Süd, Martin Gabriel (r.), beim 40. Geburtstag der Einrichtung: Man bleibt einander verbunden. Archiv

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Andreas Bischof, Bild 1 von 2

Die langjährige Vorsitzende des Bürgervereins Süd, Brigitte Reich, mit ihrem BV-Kollegen Patrick Albrecht und dem Leiter des Freizeitzentrums Süd, Martin Gabriel (r.), beim 40. Geburtstag der Einrichtung: Man bleibt einander verbunden. Archiv

Krefeld. Es ist ein schwerer Schritt für Brigitte Reich: 41 Jahre, nachdem sie am 30. Oktober 1975 den Vorsitz übernommen hat, hat der Bürgerverein Süd am vergangenen Montag in einer außerordentlichen Versammlung seine Auflösung beschlossen. Von zuletzt nur noch rund 30 Mitgliedern waren knapp die Hälfte da und beschlossen ohne Gegenstimmen das Ende. „Das ist mir schon sehr schwer gefallen“, sagt Reich.

Kein Wunder: 1899 wurde der Bürgerverein Süd gegründet, und jahrzehntelang war er laut Reich „sehr lebendig“. Den Platz der Wiedervereinigung vor der alten Fabrik Heeder, die aufgeblühte Ritterstraße und den Südbahnhof nennt Reich, wenn man sie nach erfolgreichen und schönen Projekten in „ihrem“ Beritt fragt.

Weniger gelungen und letztlich ein Faktor für das Sterben des Bürgervereins Süd war die Entwicklung der Kölner Straße: Ungezählte Geschäfte, Drogerie, Blumenladen, Restaurants und Handwerksbetriebe verschwanden – und mit ihnen verlor der Bürgerverein viele Mitglieder. Ein Ärztehaus wurde gebaut – und funktioniert nicht. Zuletzt wurde der ehemalige Lottoladen abgerissen, und seitdem liegt das Grundstück an der Ecke Melanchthonstraße brach. Mit der Schließung der Don-Bosco-Schule an der Gladbacher Straße verschwanden die Kinder und engagierte Eltern.

Ein wunder Punkt in Brigitte Reichs Bürgervereins-Vita: „Wir haben es nicht geschafft, statt des König-Palast eine Arena in den Süden zu holen.“

„Ich habe viel lernen müssen“, sagt Brigitte Reich. Beispielsweise, warum eine Notschlafstelle für Drogenabhängige sinnvoll und notwendig „und positiv für den Bezirk“ ist. „Deshalb habe ich den Job ja gemacht.“

Den Süden versteht Brigitte Reich durchaus als sozialen Brennpunkt, mit Notschlafstelle, Obdachlosenheim und der Don-Bosco-Schule als Flüchtlingsunterkunft, aber eben auch als Lebensbezirk mit großem Potenzial: Sie selbst und der Verein Die Mutmacher bauten die Hausaufgabenbetreuung von Schülern mit auf, sorgten für deren Versorgung mit Brötchen und Getränken und Reich zog dem damaligen NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers bei einem Besuch in Krefeld kurzfristig 3000 Euro für eine neue Küche im Freizeitzentrum Süd aus der Tasche, in der fortan Kochkurse angeboten wurden. „Die Küche gibt es heute noch“, sagt Reich.

Außerdem ist das Freizeitzentrum Süd Neben- und Ausgabestelle der Krefelder Tafel. Deren Leitung und den Vorstandsposten im Förderverein des Freizeitzentrums Süd sowie ihr Engagement in der Interessengemeinschaft für ein Hochschulkarree wird Brigitte Reich nicht aufgeben. „Ich stehe immer mit Rat und Tat zur Verfügung“, sagt Reich, „und mische mich ein, wenn mir etwas nicht passt.“

Wie es mit dem Bezirk zwischen Saumstraße und der Gath (ohne Gladbacher und Siemensstraße) weitergeht, ist noch offen. „Keiner der anderen will den Bürgerverein Süd übernehmen“, sagt Reich. Ihre Idee: Der Bürgerverein Dießem und der Bürgerverein Süd-West könnten jeder ein Stück des Kuchens in ihren Verantwortungsbereich integrieren. Die Kölner Straße könnte die eindeutige Grenze sein.

In einigen Monaten wird der Bürgerverein Süd auch juristisch Geschichte sein, das Vereinsvermögen soll dem Freizeitzentrum Süd zugute kommen. Reich ist traurig, aber zugleich zufrieden mit dem Neuanfang. „Ich will keine Kraft verschwenden.“ Dass sie diese überhaupt so lange in den Bürgerverein stecken durfte, war nicht selbstverständlich: Schon lange wohnt Reich in Königshof und damit auf der falschen Seite der Gath.

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