Die von der Stadt geplante Erhöhung der Elternbeiträge stößt auf viel Kritik. Umstritten ist die Staffelung der Beiträge.

Erziehung
Kinder in der Tagesstätte. Die Gebühren in Krefeld sollen steigen. Das sorgt für Unruhe unter den Eltern. Archiv

Kinder in der Tagesstätte. Die Gebühren in Krefeld sollen steigen. Das sorgt für Unruhe unter den Eltern. Archiv

dpa

Kinder in der Tagesstätte. Die Gebühren in Krefeld sollen steigen. Das sorgt für Unruhe unter den Eltern. Archiv

Krefeld. Einige schließen sich in sozialen Netzwerken zusammen, sammeln Unterschriften unter dem Motto: Gemeinsam sind wir stark, andere versammeln sich und diskutieren. Heißes Thema ist stets die geplante Erhöhung der Kita-Gebühren, die dazu beitragen soll, das Krefelder Haushaltsloch zu stopfen. „Die Eltern gehören auf die Barrikaden“, erklärt Nicole Düser vom Vorstand des Waldorfkindergartens Fichtenhain.

„Um die Kinder früh zu erreichen, muss die Attraktivität der Kitas gesteigert werden.“

Jochen Hochkamer, Paritätischer Wohlfahrtsverband

Je ärmer die Stadt, desto höher seien die Kita-Beiträge, findet Jochen Hochkamer, Geschäftsführer der Kreisgruppe Krefeld im Paritätischen Wohlfahrtsverband, als freier Träger von Kitas. „Noch steht Krefeld ganz gut da. Doch die Entwicklung geht dahin und ist bedenklich.“ Gerade hat in seinem Haus der regionale Facharbeitskreis zum Thema getagt.

Dass die Verwaltung Vorschläge zur Beitragserhöhung unterbreiten müsse, sei ihm klar. Jetzt müsse man sehen, wie die Politik entscheide. „Das Geschwisterkind muss auf jeden Fall beitragsfrei bleiben.“

Für ihn ist die geplante Entwicklung falsch. Hochkamer möchte vielmehr Geld in eine Bildungsoffensive stecken. „Um die Kinder früh zu erreichen, muss die Attraktivität der Kitas vielmehr gesteigert werden.“

Hochkamer: „Unsere Eltern sind doppelt betroffen. Denn sie engagieren sich nicht nur in Arbeitsaktionen in den Einrichtungen sondern zahlen besondere Beiträge an die Elterninitiativen als Träger. Das ist viel Aufwand.“

Es sei ein falsches Signal, wenn der Wiederberufseinstieg für junge Mütter und Väter dermaßen erschwert werde, sagt die CDU-Bundestagsabgeordnete Kerstin Radomski. Die Teilzeitbeschäftigung eines Partners wird durch die neuen Pläne der Stadtverwaltung behindert.

„Wir haben in Krefeld eine der schlechtesten Frauenerwerbsquoten in NRW, diese Situation verbessern wir nicht dadurch, dass der Einstieg mit finanziellen Belastungen erschwert wird“, meint auch DGB Stadtverbandsvorsitzender Ralf Köpke. Beide bestätigen: „Im Vergleich zu anderen Kommunen und Städten ist die Krefelder Struktur derzeit grundsätzlich gut, aufgrund der gestaffelten wöchentlichen Betreuungszeit und der Beitragsstaffelung nach Jahreseinkommen. Dadurch zahlen diejenigen mehr, die ein höheres Einkommen aufweisen.“ Jedoch hätten einige Kommunen in der Umgebung feingliedrigere Einkommensstufen, die durchschnittlich niedrigere Beiträge für eine 25-Stunden-Wochenbetreuung und ein geringeres Jahreseinkommen veranschlagen.

Wichtig sei es, dass es für die Träger immer schwieriger werde, allen Elternwünschen nach unterschiedlicher Betreuung gerecht zu werden und gleichzeitig das ,Unternehmen Kita‘ wirtschaftlich zu führen. In Zukunft können nicht alle Kinder aufgenommen werden“, ist der Geschäftsführer sicher.

Nicole Düser sieht noch andere Probleme auf die Erzieher in den Kitas zukommen. „Um Geld zu sparen, werden viele Eltern von 45 auf 35 Stunden reduzieren wollen. Dann müssen Freundin oder Eltern einspringen. Erfahrungsgemäß sieht es so aus, dass die Kinder dann oft nicht pünktlich abgeholt werden. Die Erzieher müssen mehr arbeiten.“

„Zwischen 100 und 200 Euro pro Monat betragen die Mehrkosten bei manchen Einkommen.“

Katharina Opgenorth-Brand, Elternrat Waldorfkindergarten

Außerdem: Wenn weniger Stunden abgenommen würden, müsste Personal entlassen werden, erklärt Düser weiter. „Wir können nicht langfristig planen, ordentlich wirtschaften und qualitativ gut arbeiten. Das ist die Problematik.“

Jetzt hat es ein Treffen der Elternbeiräte der Kindertageseinrichtungen beim Fachbereich Jugend gegeben. Katharina Opgenorth-Brand war für den Elternrat des Waldorfkindergartens Fichtenhain dabei. Sie erklärt, dass die Erhöhung der Kita-Gebühren grundsätzlich verstanden, dass die geplante Staffelung der Beiträge jedoch kritisiert wurde.

„Bei manchen Einkommen betragen die Mehrkosten zwischen 100 und 200 Euro pro Monat. Da fragt es sich, ob es sich rechnet, wenn die Mutter in den Beruf zurückkehrt. Es geht wieder zu Lasten der Mütter“, so Opgenorth-Brand.

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