Der erste Bahnhof in der Stadt war schon bald zu klein. Als 1907 das neue Gebäude endlich fertiggestellt war, hielt ein Zugführer in der Nacht irrtümlich an.

Der Bahnhof und das Hansahaus. Gut zu erkennen ist auch der Südbahnhof im oberen Bereich.
Der Bahnhof und das Hansahaus. Gut zu erkennen ist auch der Südbahnhof im oberen Bereich.

Der Bahnhof und das Hansahaus. Gut zu erkennen ist auch der Südbahnhof im oberen Bereich.

Bis 1907 musste in Höhe der Elisabethstraße ein provisorischer Bahnhof den Personenverkehr bewältigen.

Stadtarchiv, Bild 1 von 2

Der Bahnhof und das Hansahaus. Gut zu erkennen ist auch der Südbahnhof im oberen Bereich.

Krefeld. Mit der neuen Intercity-Bahnverbindung können Krefelder seit Mitte Dezember in fünf Stunden nach Berlin fahren.

Damit besteht nach Jahren endlich wieder ein überregionaler Anschluss an das Schnellzugnetz.

Dabei war die Samt- und Seidenstadt bereits 1849 an die „Schiene“ angeschlossen, 14 Jahre, nachdem der erste Zug von Nürnberg nach Fürth fuhr.

Die Strecke über Krefeld nach Herzogenrath beziehungsweise bis Duisburg wurde 1852 komplett fertiggestellt. Eine Strecke zwischen Krefeld und Köln sollte zwar auch schon in den 1840er-Jahren erbaut werden.

Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten in Krefeld verzögerte sich jedoch die Konzessionserteilung. Erst 1853 durfte mit dem Verlegen der Eisenstränge zwischen der Domstadt und der Seidenstadt begonnen werden. Drei Jahre währten die Arbeiten, bis die Strecke Krefeld erreichte.

Über Kleve und Kranenburg bis in die Niederlande

Weitere Linien sollten folgen und somit der Anschluss an das internationale Schienennetz. In den Jahren 1863 und 1865 fuhren die Züge zuerst nach Kleve und dann über Kranenburg auch weiter in die Niederlande.

Mit der Eröffnung der ersten Bahnlinie wurde Krefelds erster Bahnhof in der Nähe des Ostwalls eingeweiht. Die Schienen lagen zu dieser Zeit noch ebenerdig und nicht wie heute auf einem Bahndamm.

Den ersten, kleinen Bahnhof steuerten zuerst nicht viele Züge an. Mit der Strecke nach Köln und der Weiterführung nach Kleve begannen neue Planungen für ein größeres Bahnhofsgebäude. Der Ostwall lief auf diesen Neubau exakt zu. Doch das Gebäude sollte von den ebenerdigen Schienen umschlungen werden: Quasi als Insel wurde es zwischen den beiden Schienensträngen der Privatbahnen errichtet.

In den neuen Fußgängertunnel drang das Grundwasser ein

Die Probleme mit dieser besonderen Lage stellten sich rasch mit dem dann wachsenden Verkehr ein. Wer zum Bahnhof wollte, musste über die Gleise gehen und an den Schranken stellten sich längere Wartezeiten für Fuhrwerke und Fußgänger ein.

Zur Erleichterung wurde immerhin 1871 ein Personentunnel zum Bahnhofsgebäude vom Ostwall eröffnet. Doch auch dort war das Gedrängel groß. Zeitweise musste der neue Tunnel gesperrt werden, da Grundwasser eindrang. Zudem blieb die Querung Neusser Straße jahrelang ein Problem. 300 bis 400 Fuhrwerke passierten die Stelle in der Stunde.

Die Vorstöße der Stadt und ihrer politischen Interessenvertreter, den rasch anwachsenden Eisenbahnverkehr aus der ebenerdigen, die Stadt zerschneidenden Lage auf einen Bahndamm zu bringen, waren zahlreich und erfolglos. Schließlich bestand dieser nicht nur aus Personenzügen, sondern sehr bald auch aus reinen Güterzügen.

Die Lage sollte sich endlich 1897/98 ändern: Der Preußische Landtag stimmte dem Neubau eines Bahnhofes sowie der Anhebung der Gleise auf einen Damm durch die Stadt zu. Elf Unterführungen für den Verkehr sollten gebaut werden. Die Baukosten lagen bei 8,15 Millionen Mark.

Die Arbeiten waren gewaltig. Für einige Jahre musste in Höhe der Elisabethstraße ein provisorischer Bahnhof den Personenverkehr bewältigen. 1906 war der Damm der Eisenbahn schon weit fortgeschritten, nicht zuletzt dank des Aushubmaterials aus dem Hafen. Gearbeitet wurde auch an einem Eilgut- und Gepäcktunnel im neuen Bahnhof, und die Vorarbeiten für die dreischiffige Bahnsteighalle wurden in Angriff genommen.

Am 3. Dezember 1907 sollte der neue Bahnhof ohne große Feiern eröffnet werden. Als erster Zug stoppte aber der Schnellzug von Aachen nach Berlin an den Krefelder Bahnsteigen – unplanmäßig! Denn der Lokführer dachte sich, dass ein so schöner Bahnhof nicht von einem ordinären Nahverkehrszug eingeweiht werden dürfe.

Passagiere irrten über die leeren Bahnsteige

Also hielt der Berliner um 23.52 Uhr am 2. Dezember 1907 in der neuen Halle an. Kein Personal auf den Gleisen, die Krefelder Zuggäste stiegen dennoch aus und standen alsbald vor verschlossenen Türen. Nachdem sie durch das Gebäude irrten, kehrten sie in den Zug zurück.

Der fuhr schließlich mit allen Fahrgästen in den Notbahnhof, wo er abgefertigt wurde. So hat der Hauptbahnhof zwar keine große Feier, aber eine amüsante Anekdote zu seiner Eröffnung erhalten.

Einen großen Bahnhof gab es im Jahr 1908 für Kaiser Wilhelm II. bei einem Besuch in Krefeld. Die Waggons seiner Majestät hielten am Bahnhof Krefeld-Nord, wo heute der „Schluff“ stoppt.

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